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Acht Fragen an den Kommunikationsexperten Stéphane Etrillard

Stéphane Etrillard, Jahrgang 1966, ist ein gefragter Kommunikationsexperte sowie mehrfacher Buchautor und zählt zu den Coaches der neuen Generation. Der Franzose verfügt über eine große praktische Erfahrung im Verkauf und im Marketing. Sein umfassendes Know How hat er in den vergangenen acht Jahren in diversen Workshops und Seminaren mit über 3500 Führungskräften aus unterschiedlichen Branchen unter Beweis gestellt. Zu seinen Coaching-Klienten zählen neben mittelständischen Unternehmen und Politikern auch Manager aus europäischen Top-Unternehmen.

Acht Fragen an den Kommunikationsexperten Stéphane Etrillard

Wie sieht eine professionelle Gesprächsvorbereitung für Mitarbeiter und für Führungskräfte aus?

Etrillard: Beide Seiten sollten sich für ein solches Gespräch Zeit nehmen und gut vorbereitet zu einem solchen Treffen gehen. Führungskräfte betrachten Unterredungen mit ihren Mitarbeitern oft als Zeitverschwendung. Wenn man gut vorbereitet ist, sind solche Gespräche jedoch eine Investition. Für ein Mitarbeitergespräch sollte ein Termin vereinbart werden, Tür und Angel-Vereinbarungen taugen nichts, weil sie für beide Seiten unverbindlich sind.

Welche Mittel helfen gegen Lampenfieber, vor wichtigen Gesprächen und großen Gruppen?

Etrillard: Lampenfieber hat jeder, es sollte als ein positives Zeichen akzeptiert werden. Es ist ein Signal unseres Körpers an uns, dass für uns eine wichtige Situation bevorsteht, auf die wir konzentriert eingehen sollen. Zu viel oder zu wenig Lampenfieber sind jedoch problematisch. Wer Angstzustände entwickelt oder in entscheidenden Situationen phlegmatisch reagiert, sollte überprüfen, ob er die passende Tätigkeit ausübt.

Die Menschen sind doch sehr unterschiedlich, ist Charisma tatsächlich für jeden erlernbar?

Etrillard: Ich sage, es ist erlernbar, Patentrezepte helfen jedoch wenig. Charisma entwickelt sich in einem längeren Prozess. Jeder hat Charisma, viele tun sich jedoch schwer, ihr Charisma zu zeigen oder ihre Persönlichkeit nach außen zu kehren. Drei Faktoren sind für die Herausbildung des Charismas unverzichtbar: das Umfeld, die Menschen mit denen zusammen gearbeitet wird und die Umstände müssen es hergeben, dass sich der Einzelne entwickeln kann.

Warum ist, neben Charisma, Schlagfertigkeit für ein überzeugendes Auftreten und in Gesprächen so wichtig?

Etrillard: Schlagfertigkeit ist die Kunst, in der passenden Situation die richtigen Worte zu finden. Es geht nicht darum "Leute in die Pfanne zu hauen". Schlagfertigkeit ist im heutigen Berufsleben unverzichtbar, weil es vermehrt zu Situationen kommt, in denen spontan das Wort ergriffen werden muss. Nur wer souverän ist, kann Schlagfertigkeit entwickeln, auch hier gilt: Das einfache Erlernen von Techniken reicht nicht aus, die Persönlichkeit muss entwickelt sein.

Was meinen Sie, wenn von „emotionaler Dickhäutigkeit“ die Rede ist?

Etrillard: „Emotionale Dickhäutigkeit“ bildet die fünfte Säule meines Modells das ich Kommunikationstempel nenne. Neben einer positiven Einstellung, Blickkontakt, Stimmpräsenz und Charisma, kommt der emotionalen Dickhäutigkeit eine besondere Rolle in der Gesprächsführung zu. Damit ist gemeint, dass in Gesprächen nicht jede Äußerung auf sich bezogen werden soll. Vielmehr soll man sich auf das konzentrieren, was man seinem Gegenüber zurückfragen wird, und nicht auf das, was er gesagt hat. Es geht gleichzeitig um eine Änderung des Fokus und darum, gelassen mit „schwierigen“ Situationen umzugehen.

Was sind die größten Fehler, die bei Streitgesprächen gemacht werden?

Etrillard: Auf seinem Standpunkt zu verharren und keinen Zentimeter davon abzuweichen. Diese auf Konfrontation angelegte Gesprächsführung ist in jedem Fall kontraproduktiv, kommt jedoch häufig vor. Der Grund für ein solches Verhalten liegt am mangelnden Selbstbewusstsein des Redners, für ihn wäre es eine persönliche Niederlage, müsste er von seinen Ansichten abweichen.

Auch erfahrene Redner machen Fehler, was raten Sie solchen Klienten?

Etrillard: Seine Fehler akzeptieren, sich durch sie nicht verunsichern lassen. Perfektion anzustreben ist ein großes Handikap und ein Irrglauben vieler, die im Beruf ehrgeizige Ziele verfolgen. Perfektion weckt bei Mitarbeitern Aggressionen. Leute, die Fehler machen und dazu stehen, wirken authentischer und glaubwürdiger.

Welche Strategie gibt es, wenn man in einem Gespräch von seinem Gesprächspartner verletzt wird?

Etrillard: In solchen Fällen kann auf drei unterschiedliche Strategien zurückgegriffen werden. Mit der Entlarvungsstrategie macht man den Gesprächspartner darauf aufmerksam, dass man sein Verhalten durchschaut, und er einen nicht verletzten kann. Die Strategie der emotionalen Betroffenheit signalisiert meinem Gegenüber: „Du hast mich getroffen. Ich möchte so nicht behandelt werden.“ Ich spreche mein Unbehagen bewusst an. Die dritte Möglichkeit besteht darin, dem anderen Grenzen zu zeigen und ihm zu signalisieren, dass es für mich inakzeptabel ist. Ich mache meinem Gegenüber deutlich, dass ich nicht bereit bin, mich verletzen zu lassen. Bei der nächsten Gelegenheit werde ich es nicht akzeptieren und es wird nicht ohne Folgen bleiben.

Kontakt:

Management Institute SECS
Schloss Elbroich
Am Falder 4
D-40589 Düsseldorf
Tel.: + 49 – 0211 – 757 07 40
Fax: + 49 – 0211 – 75 00 53
E-Mail: info@etrillard.com
http://www.etrillard.com

(Quelle, Foto: Stephane Etrillard, 29.11.2004)

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