Endstation für die Karriere: Ohne gute Umgangsformen kein Weg nach oben
„Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“
Dieses Zitat stammt, anders als man erwarten könnte, nicht aus jüngster Vergangenheit, sondern von dem griechischen Philosophen Sokrates (469– 399 v. Chr.).
Doch die Annahme, dass Umgangsformen an Bedeutung verlieren, ist damals wie heute nicht zutreffend. Ganz im Gegenteil.
Zwar mag man sich im privaten Bereich „eigene“ Gesetzmäßigkeiten in punkto Umgang zurechtlegen können – im Business gilt das jedoch nicht. Insbesondere in Unternehmen, in denen die Mitarbeiter im direkten Kundenkontakt stehen spielen gute Umgangsformen eine entscheidende Rolle. „Jeder Mitarbeiter mit Kundenkontakt repräsentiert das Unternehmen nach außen. Dabei sind ein guter erster Eindruck dank passender Körpersprache und Erscheinungsbild genauso wichtig wie eine korrekte Begrüßung und der lockere Smalltalk.“ sagt Carolin Lüdemann, Mitglied des Deutschen Knigge-Rats.
Erst wenn dieser Einstieg gelungen ist, kommt der Mitarbeiter in die „Verlegenheit“, sein Fachwissen unter Beweis zu stellen. Überzeugt der Einstieg das Gegenüber nicht, tut man sich mit der fachlichen Diskussion dagegen umso schwerer.
Unternehmen tun daher gut daran, ihre Mitarbeiter in punkto Umgangsformen zu schulen. Nachholbedarf besteht nach dem Erfahrungen von Carolin Lüdemann auf allen Hierarchieebenen: „Jobeinsteiger tun sich meist schwer, sich nach dem lockeren Miteinander in Ausbildung oder Studium plötzlich in strengen Business-Strukturen zurecht zu finden. Ältere Führungskräfte dagegen hängen oft noch antiquierten Regeln nach: Sich von einer Mitarbeiterin die Tür aufhalten zu lassen ist für sie meist undenkbar. Doch genau das ist nach dem modernen Knigge die einzig richtige Variante.“
Zwar wird nicht der Knigge-Fauxpas zur Stolperfalle für die Karriere. In konservativen Branchen wie in Banken oder Unternehmensberatungen ist das entgegengebrachte Vertrauen der Kunden die Basis für die Zusammenarbeit. Beständigkeit, Souveränität und Zuverlässigkeit sind Faktoren, die sich nicht erst in der fachlichen Beratung, sondern auch schon im persönlichen Miteinander zeigen. „Wer da nicht mithalten kann, tut sich sehr schwer damit, die Karriereleiter zu erklimmen“ prophezeit Knigge-Expertin Lüdemann.
(Quelle: CoachAcademy, 14.01.2009)


