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Arzt an Bord

Weltweit einzigartig: Medical Operation Center für Lufthansa-Flüge

Notfallkoffer (Doctor`s Kit) im Lufthansa Flugzeug für die medizinische Notfallbehandlung durch den Arzt. (Foto von Ingrid Friedl)
Notfallkoffer (Doctor`s Kit) im Lufthansa Flugzeug für die medizinische Notfallbehandlung durch den Arzt. (Foto von Ingrid Friedl)

Ein medizinischer Zwischenfall hoch über den Wolken: Ein Fluggast klagt auf dem Flug von Frankfurt nach Chicago über Übelkeit und starke Schmerzen in der Brust, möglicherweise ein Herzinfarkt. Jetzt ist schnelle Hilfe gefragt. Das geschulte Kabinenpersonal von Lufthansa wird sofort aktiv und greift auf medizinisches Gerät an Bord zurück. Über ein Satellitentelefon wird Kontakt zum Medical Operations Center bei Lufthansa in Frankfurt aufgenommen, um die weitere Vorgehensweise abzusprechen. Unter Umständen muss das Flugzeug eine Zwischenlandung auf dem nächsten erreichbaren Airport einlegen. Doch ist dort die notwendige ärztliche Versorgung überhaupt gesichert?

Für Notfälle wie diese ist Lufthansa mit seinem medizinischen Sicherheitskonzept so gut gewappnet wie keine andere Airline. Das Medical Center der Lufthansa in Frankfurt gilt als vorbildlich. Vor einem Jahr sind dort unter der Leitung von Dr. Jürgen Graf zwei neue Abteilungen entstanden: die Passenger Medical Care und das Medical Operation Center (MOC). Das weltweit einmalige MOC gilt als Mittelpunkt der Medical Care, ist an sieben Tagen in der Woche besetzt und kümmert sich um nahezu alle Gesundheitsfragen samt der Organisation von Kranken- und Behindertentransporten von Fluggästen und Lufthanseaten.

Kontakt zu den Medizinern am Boden

Doch damit gibt Lufthansa sich nicht zufrieden. Künftig soll die Beratung in medizinischen Fragen mehr über den Boden gesteuert und die Kommunikation verbessert werden. Dabei wird auch an eine Erweiterung durch die so genannte Telemedizin gedacht, etwa durch audio-visuelle Technik.

Lufthansa reagiert damit auch auf eine steigende Nachfrage nach medizinischer Abklärung. Gerade auf Langstrecken kommt es immer mal wieder vor, dass Fluggäste in Notfallsituationen geraten. Lufthansa registrierte im Jahr 2009 an Bord 2 913 medizinische Fälle, 84 Prozent davon auf der Langstrecke. Dies aber ist im Verhältnis zu den mehr als 55 Millionen Passagieren, die jährlich mit Lufthansa fliegen, eine verschwindend geringe Zahl.

Erste Hilfe im Flug

Das medizinische Lufthansa-Sicherheitskonzept steht auf insgesamt vier Säulen: der Ausbildung der Crews, dem Arzt-an-Bord-Programm, dem Equipement an Bord und der Telemedizin. Das Lufthansa-Personal wird jährlich einmal intensiv fortgebildet. Zum Notfalltraining gehört auch der Umgang mit technischen Hilfsmitteln wie Blutdruckmessgerät und Defibrillator, die bei allen Langstreckenflügen mitfliegen

Ist ein Arzt an Bord? Diese Frage wird bei Notfällen in Flugzeugen häufig gestellt. In vier von fünf Fällen lautet die Antwort: ja. In 73 Prozent der Ereignisse war beispielsweise im Jahr 2009 ein mitreisender Arzt zur Stelle und konnte das geschulte Kabinenpersonal unterstützen. Seit 2006 bereits gibt es bei Lufthansa das so genannte Arzt-an-Bord-Programm. Dort können sich Ärzte registrieren lassen.

Ereignet sich bei einem Flug ein medizinischer Notfall, kann das Kabinenpersonal den betreffenden Arzt sofort ansprechen. Denn die Crew an Bord weiß im Fall der Fälle gleich, auf welchem Sitzplatz ein Arzt zu finden ist. Zusätzlich hat Lufthansa weltweit 180 Ärzte als Ansprechpartner für Fluggäste und Crews vor Ort unter Vertrag.

Zur medizinischen Ausstattung im Flugzeug zählt eine ganze Reihe von Geräten und Instrumenten, aufgeteilt in das First-Aid-Kit und das Doctor´s Kit.

Zu den häufigsten Problemen an Bord zählen Kreislauf-Kollapse (42 Prozent) und Magen-Darm-Erkrankungen (33 Prozent). Mit Verbesserung der Kommunikation könne den Erstdiagnosen mehr Sicherheit gegeben werden und Fehlentscheidungen bzw. Fehldiagnosen ließen sich eher vermeiden, sagt Dr. Jürgen Graf. Am Boden, so der MOC-Leiter weiter, könne in Notfällen mit kühlerem Kopf und weniger Emotionalität als an Bord entschieden werden.

(Quelle, Foto: Lufthanse, Ingrid Friedl/Lufthansa, 25.10.2010)

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