Ansage - Über 10 000 mal täglich. Wer spricht was an Bord?
„Und jetzt das Wetter.“ Wenn Radiohörer morgens zwischen fünf und zehn Uhr NDR 2 einschalten, dann hören sie häufig ihre Stimme: Ilka Petersen. Die 33-Jährige moderiert die Morgensendung beim Norddeutschen Rundfunk. Das Ungewöhnliche daran: ihr Talent wurde bei Lufthansa entdeckt. Petersen war als Flugbegleiterin bei der Fluggesellschaft an Bord und fiel Fluggästen und Kollegen durch ihre angenehme Stimme auf – besonders bei Ansagen übers Mikrofon.
Diesen Informationsservice der Cabin Crew kennt jeder Fluggast. Bei Lufthansa ist eine der freundlichen Stimmen täglich weit über 10 000 mal irgendwo in der Welt an Bord eines Flugzeuges zu hören. Dabei kommen im Durchschnitt fünf bis sechs An- und Durchsagen auf einen der rund 1 800 Lufthansa-Flüge.
Ansage aus Sicherheitsgründen
Ein Teil der Bordansagen ist für Fluglinien rechtlich vorgeschrieben. So gibt es Auflagen vom Luftfahrtbundesamt oder von internationalen Flugbehörden, die den Inhalt und Zeitpunkt der Anweisungen vorgeben. Das gilt beispielsweise für Sicherheitsinstruktionen wie das Ausschalten von Mobiltelefonen, den Umgang mit der Schwimmweste bei Flügen über Wasser und der Hinweis auf Notausgänge vor dem Start. Der andere Teil der Durchsagen wird von den Fluggesellschaften bestimmt und verfasst, bei Lufthansa speziell auf den jeweiligen Flug zugeschnitten. Zum festen Programm gehören Begrüßung und Verabschiedung der Gäste, meistens zusätzlich durch den Flugkapitän.
Unterschieden wird generell zwischen Live- und Bandansage. Ansagen auf der Kurzstrecke werden live vorgetragen. Bandansagen kommen hier in der Regel nur zum Einsatz, wenn neben Deutsch und Englisch eine weitere Sprache notwendig wird. Die enorme Zahl von 32 Sprachen steht zur Verfügung, von Albanisch über Hebräisch bis zu Japanisch, das etwa dann gefragt ist, wenn sich eine größere Reisegruppe aus Fernost an Bord befindet.
Auf der Langstrecke kommen Hinweise mehrheitlich von der Festplatte. Alle Texte liegen in sechs Sprachen vor (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch). Sobald bei einem Flug dieser Sprachraum verlassen wird, sind die elektronischen Aufzeichnungen auf dem Monitor abrufbar, die in Deutsch gesprochen sind und englische Untertitel tragen oder Englisch gesprochen sind und in der Sprache des Ziellandes untertitelt werden. Fliegt etwa ein Indonesier Jakarta an, wird er auch landestypisch in Bahasa Indonesia angesprochen. Oder geht der Flug nach Äthiopien, sind Untertitel in der Amtssprache Amharic zu lesen.
„Guten Morgen und auf Wiedersehen“
Für fremdsprachige Bandansagen engagiert Lufthansa professionelle Sprecher oder Lufthanseaten, die die jeweilige Landessprache beherrschen. Die meisten Stimmen im Flugzeug sind weiblich, was übrigens in den Anfängen des Linienflugs anders war. Damals durften nur Männer sprechen – heute unvorstellbar. Die Live-Ansagen der Flugbegleiter sind in der Regel vorbereitet und in einer Art Handbuch für die Purser niedergeschrieben, aktuell ergänzt um spezielle Instruktionen für jeden Flug. So werden Fluggäste auf der Kurzstrecke am Montagmorgen mit den besten Wünschen für die Woche begrüßt und am Freitag ins Wochenende verabschiedet. Neben den regulären Ansagen gibt es auch solche für Einreisebestimmungen oder bei Änderungen der Umsteigeverbindugen.
In der Ausbildung bietet Lufthansa eine sprachliche Schulung für Bordansagen an. Letztlich entscheidet aber das Flugpersonal im Dienst selbst, ob es Ansagen frei spricht oder vom Buch abliest. Eine angenehme Stimme ist in jedem Fall vorteilhaft, so wie bei Ilka Petersen.
(Quelle, Foto: Lufthansa, 25.10.2010)


