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Von der Alster an die Bergstraße - Schon 1958 eröffnete Lufthansa ihr erstes Schulungszentrum

Mit der Eröffnung des Training & Conference Centers Seeheim schlägt die Lufthansa 2009 ein neues Kapitel ihrer Bildungsgeschichte auf und hat die Weichen für die Zukunft gestellt. 36 Jahre ist es her, dass der Konzern an gleicher Stelle erstmals die Pforten für ein Ausbildungszentrum geöffnet hat. So kann Lufthansa auf eine erfolgreiche Ära und bisweilen bewegte Zeiten zurückblicken.

Mit der Eröffnung des Training & Conference Centers Seeheim schlägt die Lufthansa 2009 ein neues Kapitel ihrer Bildungsgeschichte auf.
Mit der Eröffnung des Training & Conference Centers Seeheim schlägt die Lufthansa 2009 ein neues Kapitel ihrer Bildungsgeschichte auf.

Es war einmal ein Schafstall … So könnte eine Geschichte über das Lufthansa-Schulungszentrum eigentlich beginnen. Denn die Wurzeln gehen bis ins Jahr 1958 zurück und liegen nicht in Seeheim an der Bergstraße, sondern in einem alten Gebäude in Hamburg. Dort soll zuvor tatsächlich ein Schafstall gestanden haben, wo die Lufthansa 1958 ihre erste Verkaufs- und Verkehrsschule errichtete. In den Anfangsjahren der Lehreinrichtung absolvierte jeder neue Lufthanseat für vier bis fünf Wochen einen Einweisungslehrgang. Und so, wie die Fluggesellschaft im Laufe der Jahre wuchs, stiegen die Anforderungen an die Schule und die Räume platzten aus allen Nähten.

Deshalb suchte die Lufthansa Ende der 60er-Jahre nach einem Ausweichquartier. Der Hinweis eines hessischen Ministers lenkte die Spur der (damaligen) Staatslinie an die Bergstraße nach Hessen. Dort war das Areal rund um die Villa Goldschmidt an die Gemeinde Seeheim übergegangen und stand zum Verkauf. „Schon 1969 hatten wir das Grundstück in Seeheim im Auge – ein Gelände von 40 000 Quadratmetern“, erinnert sich Heinz Chowanietz noch heute. Mit dem Namen Chowanietz, von 1961 bis April 1986 Schulleiter, ist die Lufthansa-Fortbildung untrennbar verknüpft. Für viele gilt er als „Vater von Seeheim“.

Es erforderte viel Überzeugungsarbeit für Chowanietz und seine Mitstreiter, bis die Verlegung des Schulungszentrums unter Dach und Fach war und der „Kranich“ von der Alster an der Bergstraße landete. Der Standort Seeheim musste sich 1970 auch erst gegen Vorschläge aus anderen Bundesländern durchsetzen. Was letztlich mit entschied, war die angenehm idyllische Lage und der nahe gelegene Frankfurter Flughafen mit seiner wachsenden Bedeutung. Nach zweijähriger Bauzeit hatte man es 1973 geschafft: die neue zentrale Schulungsstätte mit 456 Einzelzimmern wurde in Betrieb genommen. Alle Lufthanseaten weltweit waren willkommen.

Die Lehranstalt hatte damals 37 Millionen Mark gekostet und galt als modernstes Schulungszentrum der deutschen Wirtschaft. Klimatisierte Unterrichtsräume, alle Zimmer mit Telefon und zahlreiche Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung bis hin zu einer Kegelbahn sorgten für beste Voraussetzungen zum Lernen und zum Dialog, denn Seeheim sollte von Beginn an eine Stätte der „Schulung und Begegnung“ sein. Kommunikation unter den Lehrgangsteilnehmern stand zwar nicht auf dem Stundenplan, war aber unbedingt gewünscht. Jeder sollte sich hier wohlfühlen, sich austauschen, egal welcher Nationalität, oder Religion er angehört.

Das neue Schulungszentrum war gut frequentiert und wurde international bekannt. Seeheim erhielt sogar einen eigenen so genannten 3-Letter-Code mit den Buchstaben QSH. Der Weltdachverband IATA vergibt diese Codes normalerweise an Flughäfen sowie an Seehäfen und Bahnhöfe als wichtige Zielorte. Auch Seeheim wurde mit einem 3-Letter-Code versehen. Der Buchstabe Q steht für ein Sonderziel, die Buchstaben SH stehen für Seeheim. Die interne Post der Lufthansa wird mit dem 3-Letter-Code nach Seeheim verschickt. So kommen die Briefsendungen aus aller Welt für die Lufthanseaten, die sich gerade in Seeheim aufhalten, immer an.

Doch die Tür in Seeheim stand nicht nur für Lufthanseaten immer offen. Vertreter aus anderen Industrien und Organisationen nutzen das Angebot zunehmend. Selbst Bundeskanzler Helmut Schmidt machte oft in Seeheim Station, hielt dort Klausuren und fand mit seiner Frau Loki Gefallen an der Abgeschiedenheit insbesondere zu Zeiten des „Deutschen Herbstes“. Durch Schmidt wurde das Schulungszentrum in Kreisen der SPD bekannt. 1974 bildete sich innerhalb der Partei eine Gruppierung, die sich von 1978 bis 1984 regelmäßig in Seeheim traf. So entstand der „Seeheimer Kreis“, der noch heute aktuell ist.

In den 80er-Jahren veränderten sich mit der fortschreitenden Computertechnik viele Arbeitsabläufe. Schulungen konnten dezentral durchgeführt werden. Die Lufthansa reagierte und änderte den Ansatz, indem sie aus dem Schulungszentrum eine Akademie für Luftverkehr machte. Das Konzept ging auf. 1990 wurde der Gebäudekomplex wegen Kapazitätsengpässen durch einen Wohnturm ergänzt und in „Lufthansa Bildungszentrum – Klaus-Bonhoeffer-Haus“ umbenannt. 550 Zimmer standen fortan zur Verfügung. Die Idee: Seeheim ist keine reine Fachschule für Luftverkehr mehr, sondern ein Bildungszentrum für alle Lufthanseaten weltweit. Mit Bonhoeffer erinnerte die Fluggesellschaft an ihren ehemaligen Chef-Syndikus, der als Widerstandskämpfer in der Zeit des Nationalsozialismus aktiv war und 1945 ermordet wurde.

Der Euphorie der Erweiterung im Jahr 1990 folgte für Seeheim und die Lufthansa ein Rückschlag. Der Golfkrieg löste heftige Turbulenzen in der zivilen Luftfahrt aus. Die Lufthansa war sogar gezwungen, das Anwesen in Seeheim vorübergehend zu verkaufen und schloss einen Leasingvertrag ab, um es weiter nutzen zu können. In den Krisenzeiten wurde Seeheim zugleich zu einem wichtigen Treffpunkt für das Management um Vorstand Jürgen Weber. Die dabei geführten Strategiegespräche, die so genannten Seeheim-Meetings, trugen dazu bei, das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen.

Seeheim avancierte immer mehr zum Tagungszentrum. Ende der 90er- Jahre wurde an gleicher Stelle zusätzlich die „Lufthansa School of Business“, die erste Corporate University in Deutschland, eröffnet. Zahlreiche Management-Kurse sowie das Corporate College für alle Mitarbeiter bieten seitdem Schulungen zu verschiedenen Schwerpunkten an. Die Veranstaltungen werden häufig zusammen mit externen Trainingspartnern wie der London Business School durchgeführt und sichern so den wissenschaftlichen Austausch.

Die Business-School ist Beleg dafür, dass sich die Lufthansa-Schulungsstätte in den vergangenen Jahrzehnten stets verändert hat. Sie durchlief die Entwicklung vom Internat bis hin zum Tagungshotel. Doch die veralteten Gebäude stießen zuletzt an ihre Grenzen. Der Neubau war unumgänglich. 2006 kamen die Abrissbagger und in nur zwei Jahren entstand das neue Training & Conference Center Seeheim, das die erfolgreiche Bildungsgeschichte der Deutschen Lufthansa AG weiterschreiben soll.

(Quelle, Foto: Lufthansa, Februar 09)

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