Heimat der Lufthanseaten - Das neue Lufthansa Trainings & Conference Center Seeheim
Zwei Jahre lang war er ein wenig heimatlos, der „Geist von Seeheim“. Doch nun ist er wieder zu spüren: im Neubau des Lufthansa Training & Conference Center. „Seeheim bietet eine Heimat für die Lufthanseaten aus aller Welt, soll ein interkultureller und weltoffener Treffpunkt sein und das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken. Das war schon im ‚alten‘ Seeheim so und diese Atmosphäre werden unsere Gäste auch im ‚neuen‘ Seeheim wieder erleben, das macht den besonderen Charakter aus“, betont Gerhard Schölzel, der Geschäftsführer der Seeheimer Betreibergesellschaft. Anders ausgedrückt: Das Schulungszentrum an der hessischen Bergstraße ist nicht nur Stätte für Tagungen und Schulung, sondern auch eine Stätte der Begegnung.
Seit der Ersteröffnung im Jahr 1973 hat diese Philosophie des Dialogs geholfen, Seeheim rund um den Globus bekannt und beliebt zu machen, nicht nur unter den heute nahezu 109 000 Lufthanseaten weltweit. Seeheim ist gelebte Unternehmenskultur und verbindet Menschen. Damit das auf lange Sicht so bleibt, hat der Konzern die in die Jahre gekommene Anlage abgerissen und über 100 Millionen Euro investiert. So ist ein Gebäudekomplex entstanden, der der Institution „Seeheim“ ein ganz neues Gesicht verleiht. Die prägende Idee, ein offenes und kommunikatives Klima zu schaffen, ist jedoch die alte.
Doch wie schafft man eine Atmosphäre, bei der es zur Begegnung und Vermischung verschiedener Jobs und Hierarchien kommt? Manchmal sind es nur einfache Maßnahmen, die das bewirken. So wurden im Restaurant keine reservierten Tischreihen für große Gruppen vorgesehen, sondern kleine Tische, die den Austausch unterschiedlicher Gruppen erleichtern. Denn wenn sich ein Mitarbeiter aus dem irischen Shannon spontan neben Kollegen aus Kuala Lumpur an den Tisch setze, oder wenn ein Top-Manager mit einer Bodenmitarbeiterin vom Check-in locker ins Gespräch komme, dann zeige sich der „Corporate Spirit“ der Lufthansa, sagt Schölzel.
Der innerbetriebliche und interkulturelle Austausch ist wichtiger Bestandteil von Seeheim. Dazu kommt das Bestreben, den ausländischen Gästen die Kultur aus dem Herkunftsland der Lufthansa näher zu bringen. Gerichte und Getränke, die Parklage im idyllischen Naherholungsgebiet mitten im Odenwald, oder Ausflüge in die Umgebung – beispielsweise ins weltberühmte Heidelberg – und in das nur gut 30 Minuten entfernte Frankfurt sind einige von vielen Möglichkeiten.
Insgesamt galt für die Planer: Das was gut war, soll erhalten bleiben, alles andere wird modern ausgerichtet und das Tagungskonzept ausgeweitet. Weitsicht war gefordert, Trends im Schulungswesen wurden berücksichtigt. So haben Fortbildungen heute eine kürzere Halbwertszeit als früher. Mitarbeiter werden häufiger geschult, weil sich vieles im IT-Zeitalter binnen kurzer Zeit ändert. Dem müssen die Manager in Seeheim ebenso Rechnung tragen wie der Tatsache, dass sich zunehmend auch ältere Mitarbeiter, die das 60ste Lebensjahr bereits überschritten haben, fortbilden.
Der multifunktionale Tagungs- und Hotelbetrieb, der zu den größten und modernsten in Deutschland gehört, soll den Anforderungen von heute und morgen gerecht werden. Dafür wurden bei Architektur und Ausstattung keine Mühen gescheut. Zwei Jahre lang arbeiteten zeitweise bis zu 680 Personen an dem Projekt. In den Gebäuden werden insgesamt 130 000 Tonnen Beton und 240 Tonnen Stahl verbaut. Auf einer Grundfläche von über 9 000 Quadratmetern wuchs ein 55 Meter hohes Haus mit 14 Geschossen in den Himmel, eingebettet in das Bergstraßenpanorama und das über 40 000 qm große Parkgelände. Das Center wurde von den Architekten gegliedert nach seinen zentralen Funktionen: Logis, Training und Kommunikation. Zwei L-förmige Hotelkuben setzen sich mit ihrer Fassade aus Metall und Glas ab von der natursteinverkleideten Basis, dem Trainings- und Seminarbereich. Dieser liegt abseits der Betriebsamkeit von Lobby und Restaurants.
Doch nicht nur die Gestaltung ist neu und zweckmäßig. So wurde auch auf Energieeffizienz und Umweltschutz großer Wert gelegt. Highlight aus ökologischer Sicht ist die Geothermieanlage. 64 Sonden in fast 100 Metern Tiefe fördern Erdwärme nach oben, die bei 75 Prozent des gesamten Energiebedarfs abdeckt. Nur 25 Prozent Energie werden zugeführt. Weitere Maßnahmen: Bewässerung der Außenanlagen über Regenrückhaltebecken und eine optimale Wärmedämmung der Gebäude.
Den Betreibern von Seeheim ist wichtig, dass Architektur und Natur im Einklang stehen und der offene Charakter überall wirkt. Schon beim Betreten heißt einen die gläserne Eingangshalle willkommen und lässt den Blick auf die grüne Umgebung frei. Fast alles ist im Lufthansa-Design gehalten. 483 Zimmer, 80 Tagungsräume mit variablen Größen, ein Bankettsaal für 600 Personen, vier Veranstaltungsräume und das Hauptrestaurant mit 400 Plätzen lassen viele Möglichkeiten der Nutzung zu. Die Gebäude sind ausgestattet mit modernem Infotainment. Jedes Zimmer besitzt Internetzugang und digitales Fernsehen, worüber sich Informationen über Schulungen und Speisepläne abrufen lassen. Auch die Schulungsräume mit Namen wie Lindbergh oder Lilienthal verfügen über fortschrittliche Medientechnik. Das IT-Produkt stammt von Lufthansa Systems.
Der gesamte Trainingsbereich wurde nach wissenschaftlichen Erkenntnissen des Fraunhofer-Instituts gestaltet. Vorbei sind die Zeiten des reinen Frontalunterrichts, moderne Unterrichtskonzepte finden vor allem im Dialog der Teilnehmer statt. Alle Seminarräume haben bodentiefe Fenster mit Blick in den Odenwald und die Rheinebene. Auf der Innenseite grenzen sie an breite, natürlich belichtete Flure mit Rückzugsbereichen und Coffee-Points. Gelernt wird auch im Freien, dazu laden Terrassen und Pavillons in der Parkanlage ein. Der Außenbereich ist zudem eingebunden in die Angebote für aktive Freizeitgestaltung mit ausgewiesenen Laufstrecken und einem Mountainbikeverleih für das Naherholungsgebiet. Zum Konzept von Lernen und Entspannen gehören ferner ein Schwimmbad mit Saunen, Kegelbahnen und ein Fitnesscenter.
220 Angestellte gewährleisten in Seeheim einen professionellen Veranstaltungsservice. Das Food & Beverage-Team mit 80 Personen sorgt für das leibliche Wohl im Restaurant, in der Bar „last call“ und der Vinothek „red and white“. Gastronomischer Partner des Hauses ist LSG Sky Chefs, der internationale Marktführer im Airline-Catering. So ist garantiert, dass die Küche internationale Speisen von hoher Qualität serviert, die stets frisch zubereitet werden. Der deftige Schweinsbraten zur Mittagszeit kommt allerdings nicht auf den Teller, weil das Lernen nach der Pause leichter fällt, wenn die Kost nicht so schwer im Magen liegt.
Vor der Eröffnung wurde das Centrum im praktischen Einsatz von Lufthanseaten auf Herz und Nieren geprüft, ehe auch Gäste anderer Institutionen willkommen sind für Konferenzen, Kongresse oder weitere Veranstaltungen. Seeheim will dabei kein klassischer Hotelbetrieb sein. Während es in anderen Hotels tagsüber eher ruhig zugeht, herrscht im Training & Conference Center ständig Leben, allerdings ohne laut zu sein. Auch das ist gewollt und macht das besondere Flair aus.
Die Lufthansa setzt mit der Einweihung des Schulungszentrums, das wie bisher die Corporate University „Lufthansa School of Business“ beinhaltet, seine Bildungsgeschichte fort, die 1958 mit der Verkaufs- und Verkehrsschule in Hamburg begonnen hatte und nach dem Umzug 1973 in Seeheim so erfolgreich verlaufen war. Auf die Eröffnung wurde in Seeheim monatelang hingefiebert. Jetzt heißt es „Ready for Take-off“. Und das Management hofft, dass es auch künftig heißt: Der „Geist von Seeheim“ ist eine Reise wert.
(Quelle, Foto: Lufthansa, Februar 09)


