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Herausforderungen für Asset-Manager bleiben hoch

BCG-Studie: Globale Anlagebranche entwickelt sich in der Finanzkrise erstmals seit 2002 rückläufig – Geldmarktfonds, Spareinlagen und ETFs zählen zu den Krisengewinnern – Überprüfung der Geschäftsmodelle erforderlich – Für verschiedene Marktszenarien vorbereiten

Die Finanzkrise hat in der Asset-Management-Branche deutliche Spuren hinterlassen: 2008 fiel der Wert der weltweit verwalteten Vermögenswerte um 18 Prozent auf 48,6 Billionen US-Dollar. Auch wenn sich durch eine derzeit positive Kapitalmarktentwicklung die Lage etwas entspannt hat, stehen Asset-Manager weiterhin vor großen Herausforderungen. Geld­marktfonds, Spareinlagen und börsengehandelte Indexfonds (Exchange-Traded Funds, ETFs) zählen bisher zu den Gewinnern der Krise, da Anleger ihre Ver­mögenswerte in vermeintlich sicherere Anlageklassen oder Investmentprodukte mit deutlich geringeren Margen umgeschichtet haben. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle BCG-Studie Conquering the Crisis: Global Asset Management 2009. Die Studie analysiert die Trends der weltweiten Anlagebranche und liefert eine umfassende Übersicht für mehr als 30 Märkte, die rund 95 Prozent des weltweiten Asset-Management-Marktes ausmachen. Sie basiert auf Daten für das Gesamtjahr 2008 und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der Branche.

"Viele Asset-Manager haben bereits mit einer Reihe von Maßnahmen auf die Krise reagiert, um ihr Geschäft zu stabilisieren und sich für den nächsten Auf­schwung zu rüsten. Trotz der zuletzt positiven Entwicklung an den Kapital­märkten ist jedoch noch nicht absehbar, wie schnell die Krise überwunden sein wird. Daher kommt es jetzt darauf an, verschiedene Marktszenarien zu durchdenken und die erforderlichen Schritte vorzubereiten", erklärt Kai Kramer, Geschäftsführer im Frankfurter BCG-Büro und Mitautor der Studie. "Mit Blick auf das veränderte Marktumfeld sollten Asset-Manager ihr Geschäfts­modell überprüfen und sicherstellen, dass die eigene Stärke zu den Ziel­kunden passt."

Globale Auswirkungen der Krise

Nach sechs ergebnisstarken Jahren mit einem durchschnittlichen Wachstum von zwölf Prozent wurde die Asset-Management-Branche im vergangenen Jahr von der Finanzkrise erfasst: Der Wert aller Kapitalanlagen (Assets under Manage­ment, AuM), die weltweit von Vermögensverwaltern in Banken, Versicherungen oder Fondsgesellschaften verwaltet werden, fiel von 59,3 Billionen US-Dollar im Jahr 2007 auf 48,6 Billionen US-Dollar Ende 2008.

Mit einem Einbruch der verwalteten Kapitalanlagen um 21 Prozent auf 23,6 Bil­lionen US-Dollar zeigten sich die Auswirkungen der Krise in Nordamerika am deutlichsten, während Europa sowie die Region Asien-Pazifik einen Verlust von jeweils 15 Prozent auf 16,4 Billionen US-Dollar bzw. auf 6,1 Billionen US-Dollar verzeichneten.

Deutschland fünftgrößter Markt für Asset-Manager, USA weiterhin führend

Deutschland schnitt mit einem Rückgang der AuM um 8,7 Prozent vergleichs­weise gut ab – bedingt durch eine hohe Anzahl an institutionellen Assets, die relativ stabil blieben. 2008 verwalteten Fondsgesellschaften in Deutschland Anlagen in Höhe von 2,2 Billionen US-Dollar. Damit liegt Deutschland im weltweiten Ranking weiterhin auf dem fünften Platz. Mit einem Anteil von 45 Prozent der weltweiten AuM (22 Billionen US-Dollar) behaupteten die USA – trotz eines Einbruchs um 21,5 Prozent – auch 2008 ihre führende Position.

Profitabilität der Branche sinkt

Nach den Ergebnissen der BCG-Studie sanken die Erträge der globalen Anlage­branche im vergangenen Jahr um zwölf Prozent – bedingt durch einen Wert­verlust der verwalteten Kapitalanlagen sowie die Umschichtung von Ver­mögenswerten in margenschwächere Produkte. Die Ergebnissituation könnte sich 2009 weiter verschärfen, weil viele Fondsgesellschaften 2008 noch von deutlich höheren Aktienkursen in der ersten Jahreshälfte profitierten. Während die durchschnittliche Ertragsrendite Ende 2007 bei 38 Prozent lag, pendelte sie sich bis Ende 2008 auf 34 Prozent ein – und erreichte damit den niedrigsten Wert seit fünf Jahren. Rund 80 Prozent der Vermögensverwalter verzeichneten 2008 rückläufige Ergebnisse, 30 Prozent von ihnen sogar um 30 Prozent oder mehr.

Neubewertung von Produkten

Unabhängig vom weiteren Konjunkturverlauf zeichnen sich bereits einige Branchentrends ab. Geldmarktfonds, ETFs sowie Spareinlagen werden seit Ausbruch der Krise verstärkt nachgefragt. Daneben ist ein weiterer Rückgang von traditionellen aktiv gemanagten Aktienfonds zu erwarten, da Anleger das Risiko-Rendite-Profil überprüfen. Der Absatz von festverzinslichen Produkten hingegen wird weiter zunehmen – bedingt durch den Eintritt der geburten­starken Jahrgänge in den Ruhestand. Trotz des starken Rückgangs in 2008 werden weiterhin alternative Assetklassen nachgefragt, die zur Diversifizierung genutzt werden. Individuell zugeschnittene Anlagelösungen werden zukünftig eine wichtigere Rolle spielen.

"Neben der strategischen Überprüfung ihrer Geschäftsmodelle sollten Ver­mögensverwalter bereits angestoßene Maßnahmen entschlossen verfolgen, um die Krise zu ihren Gunsten zu nutzen und ihre Wettbewerbsposition aus­zubauen. Dazu zählen eine transparentere und bessere Beratung im Vertrieb ihrer Produkte, ein gestärktes Risikomanagement sowie Kosteneinsparungen. Für führende Anbieter bieten sich jetzt Wachstumschancen durch Akquisitio­nen, die noch vor 18 Monaten undenkbar waren", so Kramer.

(Quelle: BCG, 07.07.2009)

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