Mitarbeiter der BMW Group entwickelt Lösung für eine mobile und günstige Trinkwassererzeugung. Für seine Erfindung erhält Stephan Augustin in Brüssel den international renommierten National Energy Globe Award.
Eine internationale Jury verlieh am 26.5. in Brüssel den National Energy Globe Award 2007 an den BMW Group Designer Stephan Augustin für die Erfindung des so genannten Watercones zur Gewinnung von sauberem Trinkwasser. Unter den Gästen der feierlichen Preisverleihung waren Michail Gorbatschow, José Manuel Barroso und Kofi Annan.
Der Watercone ist ein kegelförmiges Entsalzungsgerät, das durch Sonneneinstrahlung aus Salz- oder Brackwasser sauberes Trinkwasser erzeugt. Mit seiner festen Außenhaut kann dieser Kunststoffkegel auf Wasser schwimmend oder auf feuchtem Boden eingesetzt werden. Sonneneinstrahlung auf den Watercone sorgt dafür, dass unter dem Kegel Wasser verdunstet und an der Innenseite des Kegels kondensiert. Die Wassertropfen sammeln sich schließlich in einer Auffangrinne. Das Wasser kann dann über die Öffnung an der Spitze des Watercone bequem ausgeschüttet oder direkt getrunken werden. Das Wasser wird durch diese Kondensation entsprechend eines einstufigen Destillationsverfahrens gereinigt.
Einfach und wirkungsvoll
Rund 1,6 Liter Trinkwasser können mit dieser Erfindung pro Tag gewonnen werden.
Damit könnte der Watercone einen Beitrag zur Lösung einiger Probleme leisten:
Noch immer, so schätzen Experten von UNICEF, sterben 5.000 Kinder an
Durchfallerkrankungen, die durch schmutziges Trinkwasser ausgelöst werden. Mit
dem Watercone können auch Menschen der Küstenregionen Afrikas, Asiens und
Südamerikas aus dem Meerwasser Trinkwasser gewinnen. Darüber hinaus eliminiert
diese Vorrichtung beim Einsatz an Flüssen auch Schwermetalle und andere
Verschmutzungen.
Der Watercone besteht aus widerstandsfähigem, unzerbrechlichem und UV-geschütztem Bayer Makrolon Polycarbonat und hat eine garantierte Lebensdauer von mindestens fünf Jahren. Stephan Augustin entwarf das funktionale Design nach praktikablen Vorgaben: Tests im BMW Windkanal ergaben, dass der Watercone Windgeschwindigkeiten von bis zu 55 km/h problemlos standhält. Die Abhängigkeit von Witterungseinflüssen ist somit sehr gering.
Ergebnisse des Pilotprojekts im Jemen begeistern
Care Deutschland führte im Küstenort Zinjibar im Jemen ein Pilotprojekt durch.
Dort regnet es meist nur dreimal pro Jahr. In der Folge müssen die Fischer für
sauberes Trinkwasser teilweise bis zu 15 km ins Landesinnere fahren, obwohl sie
direkt am Meer leben. Die Hilfsorganisation Care verteilte 100 Watercones an
zehn Fischerfamilien. Die dabei erzeugte Wasserqualität wurde vom deutschen TÜV
analysiert und als einwandfrei bezeichnet. Auch der Geschmackstest durch die
Dorfbewohner verlief positiv: Ihnen schmeckte das so gewonnene Trinkwasser
besser als das in Flaschen abgefüllte Wasser.
Zündende Idee am Strand
Die Idee des Watercone hatte Industriedesigner Augustin in seinem Urlaub auf
den Kanarischen Inseln. Mit Blick auf das Meer grübelte er, wie man das
reichlich vorhandene Meerwasser der Ozeane in eine tägliche Ration Trinkwasser
umwandeln könnte. "Ich wollte mein berufliches Wissen und meine Erfahrung
einsetzen und mit einem funktionalen Design den von Wasserknappheit betroffenen
Menschen einen humanitären Dienst erweisen", so Augustin. Mit seinem neuen
Partner, dem Watermanagement Department of Tinox® GmbH aus München soll die
Massenproduktion des Watercone noch im Jahr 2008 anlaufen.
Nachhaltiges Wirtschaften in der BMW Group
Auch die BMW Group hat im Rahmen ihrer Nachhaltigkeitsstrategie den
verantwortungsvollen Umgang mit Wasser in ihrem weltweiten Produktionsverbund
fest verankert: Durch konsequentes Schließen der Wasserkreisläufe konnte der
Wasserverbrauch je produziertem Fahrzeug in den letzten fünf Jahren um 35%
reduziert werden. Anfang 2007 wurde im österreichischen BMW Motorenwerk in
Steyr die weltweit erste abwasserfreie Fertigung realisiert. Jährlich werden
dort rund 30 Mio. Liter Wasser eingespart.
(Quelle: BMW, 28.05.2008)


