Studienbotschafter: Erfolgreiche Kooperation zwischen Uni und Schulen
Wie bekommen Schüler aus erster Hand Informationen über das Studium und über die Uni Würzburg? Durch das Projekt uni@school: Studierende gehen als Botschafter in Gymnasien, stellen ihre Studienfächer vor und beantworten die Fragen der Schüler. Zwei Semester lang läuft das Projekt bereits als eine von vielen Schulkooperationen der Uni Würzburg; die Bilanz fällt sehr gut aus.
Seit dem Start von uni@school im Wintersemester 2010/11 hatten die 21 Studienbotschafter der Uni Würzburg Kontakt zu mehr als 3.000 Schülern – bei insgesamt 28 Schulbesuchen und mehreren Treffen mit Schülergruppen. Ihre Universität repräsentierten sie zudem auf Fachmessen, bei denen es um die Themen Ausbildung und Studium ging.
Anfang Juli zum Beispiel waren vier Studienbotschafter mit ihrer Projektleiterin Kathrin Holzheimer am Friedrich-List-Gymnasium in Gemünden. Marlies Born stellte dort das Jurastudium vor, Martin Riethmüller den Studiengang Wirtschaftswissenschaft. Christopher Brandt informierte über Technologie der Funktionswerkstoffe und Melanie Münz übers Lehramtsstudium Englisch und Spanisch für Gymnasien.
Sehr positiv sei der Besuch verlaufen, sagt Kathrin Holzheimer, die Gymnasiasten hätten viele Fragen gestellt: „Ihre Hemmschwelle ist deutlich niedriger, wenn kein Professor vor ihnen steht, sondern ein Student, der vom Alter her näher an ihnen dran ist.“ Das zeige sich auch daran, dass die Studienbotschafter oft mit persönlichen Fragen konfrontiert werden. „Warst du schon im Ausland?“ oder „Warum hast du genau dieses Studienfach gewählt?“ sind nur zwei Beispiele dafür.
„Die Authentizität der Studienbotschafter kam wirklich gut an bei den Schülern, und die Studiengänge sind lebendig geworden“, so der Gemündener Schulleiter Walter Fronczek bei einem Besuch an der Universität. Hier traf er Universitätsvizepräsident Wolfgang Riedel, den Leiter des Präsidialbüros Josef Wilhelm und Projektleiterin Kathrin Holzheimer, um eine Rückmeldung über die uni@school-Aktion in Gemünden zu geben. Das Gespräch drehte sich auch um weitere Kooperationsmöglichkeiten zwischen Gymnasium und Universität.
Kooperation mit Gymnasien und Schulen
Mit Gymnasien und anderen Schulen arbeitet die Universität Würzburg nicht nur im Projekt uni@school eng zusammen. Im Lauf des vergangenen Jahres hat sie ihre Kontakte zu Bildungseinrichtungen in Unterfranken und angrenzenden Regionen intensiviert. Entsprechende Kooperationsverträge gibt es mit mittlerweile 50 Schulen. Sie zielen darauf ab, für die Schüler den Übergang an die Universität so gut wie möglich zu gestalten.
Beispiel Schüler-Uni: Bei dieser Veranstaltung kommen Klassen der Kooperationsschulen in die Hörsäle, wo Professoren ihnen neueste Ergebnisse aus der Forschung berichten. Der umgekehrte Weg wird ebenfalls gegangen: Professoren besuchen Gymnasien. In Gemünden zum Beispiel referierte vor Kurzem der Würzburger Volkswirtschaftsprofessor und Wirtschaftsweise Peter Bofinger über die Finanzkrise. „Man darf nicht unterschätzen, was die persönliche Begegnung eines Schülers mit einem Wissenschaftler bewirken kann“, so Walter Fronczek. Bei solchen Treffen sei es möglich, dass sich die Faszination des Forschers für sein Fach auf die Schüler überträgt.
Brandneu ist das Projekt „Unitag“, das im Sommersemester 2011 an den Universitäten München und Würzburg erstmals erprobt wurde. In Würzburg besuchten 16 ausgewählte Elftklässler aus unterfränkischen Gymnasien immer freitags Lehrveranstaltungen an der Universität – je nach Interessenlage aus den Geistes- und Lebenswissenschaften oder aus den so genannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Dieses Projekt des Kultusministeriums soll besonders begabte Schüler fördern und im Herbst auf ganz Bayern ausgeweitet werden.
Ein Frühstudium hat die Uni Würzburg als erste Hochschule in Bayern bereits im Jahr 2004 eingeführt: Leistungsstarke Schüler können dabei, parallel zum Schulbesuch, Lehrveranstaltungen an der Uni belegen und Leistungsnachweise erwerben, die ihnen später im Studium angerechnet werden. Ausgewählt und betreut werden die Frühstudierenden in enger Abstimmung zwischen Gymnasium und Universität. Bundesweit für Aufsehen sorgte Anfang 2011 der Würzburger Frühstudent Sebastian Weingärtner: Der 19-Jährige hatte als Frühstudent das komplette Informatik-Studium mit dem Diplom abgeschlossen und dazu noch ein hervorragendes Abitur geschrieben.
Die Kooperationen umfassen auch den Bereich der Lehrerfortbildung. Die Fachdidaktiken und das Zentrum für Lehrerbildung der Universität lassen so neueste fachliche und didaktische Erkenntnisse in die Gymnasien einfließen. Wünschenswert sei es, so Fronczek, hier verstärkt auch Fortbildungen anzubieten, bei denen die Lehrkräfte mehrere Tage am Stück miteinander verbringen.
Lehramtsstudierende, die an den Schulen Praktika und Seminare absolvieren oder Lehrproben halten, bringen ebenfalls neues Wissen mit: „Wenn die direkt aus der Vorlesung vom Vortag berichten, ist das wie Dünger für die Schule.“ Diese Form der Kooperation lobte Fronczek ausdrücklich, insbesondere die „sehr hochwertigen fachdidaktischen studienbegleitende Seminare“.
Vom Wissen der Lehrkräfte profitiert bei Fortbildungen natürlich auch die Universität: So gab es beispielsweise Veranstaltungen, bei denen die Lehrer Uni-Dozenten darüber informierten, wie sich die Absolventen des achtjährigen von denen des neunjährigen Gymnasiums im Wissensstand unterscheiden. Schließlich kommen auch Lehrkräfte an die Universität, um hier als Dozenten den Lehramtsstudierenden direkten Einblick in die Herausforderungen der Schulpraxis zu bieten.
uni@school: Mehr über das Projekt
Die uni@school-Studienbotschafter durchlaufen eine intensive Schulung, um möglichst gut für Fragen rund um ihr Studienfach und die Universität gewappnet zu sein. „Wenn sich ein Gymnasium für einen Besuch der Studienbotschafter interessiert, dann gehen wir hin“, sagt Kathrin Holzheimer. Mit ihr können Interessierte absprechen, welche Studienfächer vorgestellt werden sollen und in welcher Form. Neben den Studienbotschaftern kann auch ein allgemeiner Vortrag gebucht werden, in dem zum Beispiel über Bewerbungsmodalitäten oder das Bachelor-Master-System informiert wird.
Das Angebot ist für die Schulen kostenfrei. Das Nanonetz Bayern e.V. ist als Bildungsträger Projektpartner der Universität Würzburg. Finanziell gefördert wird uni@school von der Agentur für Arbeit Würzburg.
(Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg, 26.07.2011)


