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Der regionale Blick auf Schulstrukturen

In einem neuen Forschungsprojekt des Lehrstuhls Empirische Bildungsforschung der Universität Würzburg steht das Stuttgarter Schulsystem im Mittelpunkt. Die Untersuchung soll dazu beitragen, die Quote der Abbrecher zu senken.

Fast jeder 15. Schüler in Deutschland hat im Jahr 2009 die Schule ohne einen Abschluss in der Tasche vorzeitig verlassen – das sind sieben Prozent eines Jahrgangs. Negative Spitzenreiter in dieser Statistik sind die Länder Mecklenburg-Vorpommern mit 14 Prozent sowie Brandenburg mit etwas über zwölf Prozent. Vergleichsweise gut steht Baden-Württemberg da, mit nur knapp sechs Prozent Schulabbrechern. Und auch die Landeshauptstadt Stuttgart bleibt mit einem Anteil von acht Prozent noch deutlich hinter den Spitzenwerten zurück.

Das Forschungsprojekt

Trotzdem hat Stuttgart die Notwendigkeit erkannt, etwas gegen Schulabbrüche zu tun. Die Kommune hat daher den Lehrstuhl Empirische Bildungsforschung der Universität Würzburg damit beauftragt, eine Bestandsaufnahme vorzunehmen. Die Bildungsforscher sollen potenzielle Abbrecher identifizieren und einen Überblick über bereits bestehende Präventions- und Interventionsmaßnahmen geben. Ziel der Untersuchung soll es sein, lokale Ressourcen zu bündeln und in enger Kooperation von Kommune, Schulamt und freien Trägern Schulabbrüche zu verhindern.

Bis Mitte Oktober wird das Würzburger Team nun Schüler an Stuttgarter Förder-, Haupt- und Berufsschulen flächendeckend befragen. Wer häufig fehlt, mit seinem Noten deutlich unter dem Durchschnitt liegt und der Schule erkennbar frustriert gegenüber steht, ist möglicherweise nicht weit davon entfernt, die Schule ganz zu schmeißen. Darüber hinaus werden die Bildungsforscher Experten aus bestehenden Fördermaßnahmen zu ihren Förderkonzepten interviewen.

Die Bedeutung regionaler Daten

„Wir merken ganz deutlich die gestiegene Nachfrage von Kommunen nach fundierten Informationen für die eigene Bildungspolitik“, sagt der Lehrstuhlinhaber und Projektleiter Professor Heinz Reinders. Nach den großen Bildungsstudien wie Pisa und Iglu habe die Bildungspolitik die Notwendigkeit regionaler und hoch aufgelöster Daten erkannt.

„Zu wissen, dass Bayern besser dasteht als Bremen, nutzt den Bildungsakteuren vor Ort wenig“, so Reinders. Vielmehr bräuchten regionale Bildungsstrukturen auch regionale Informationen, um daraus Veränderungen der Bildungspraxis abzuleiten. „Vielleicht bricht ein Stuttgarter Jugendlicher seltener die Schule ab als ein Schüler aus Rostock. Aber damit ist doch dem Stuttgarter Schulabbrecher nicht geholfen“, erläutert Reinders diesen Trend zu Mikrostudien, wie lokal begrenzte Bildungsanalysen genannt werden.

Große Bedeutung für die Praxis

Obwohl Bildung im Prinzip Ländersache ist, haben Kommunen eine ganze Reihe Möglichkeiten, die Situation an ihren Schulen zugunsten der Schüler zu verbessern: „Mannheim bezahlt zum Beispiel zusätzliche Förderlehrer, die an Brennpunkten zum Einsatz kommen“, sagt Reinders. Oder: Bildungsträger, die sich um Abbrecher kümmern, wenn diese die Schule bereits geschmissen haben, werden in die Schulen hinein geholt und können dort präventiv arbeiten.

Erfahrungen mit dem hohen Praxiswert lokaler Bildungsstudien hat der Lehrstuhl Empirische Bildungsforschung bereits bei früheren Projekten machen können – beispielsweise beim "Mannheimer Unterstützungssystem Schule" oder der Evaluation einer Akademie für Hochbegabte. Den Erfolg solcher Studien sieht Reinders auch durch die Tatsache bestätigt, dass Empfehlungen daraus häufig direkten Eingang in die Bildungsplanungen vor Ort finden. Gerade wegen dieser Praxisrelevanz ist Reinders motiviert, auch in Zukunft solche Projekte zu verfolgen.

(Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg, 17.05.2011)

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