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Studieren in Deutschland: Universitäten und Fachhochschulen
 

Studentinnen im Rotlichtgewerbe? Eine Untersuchung zur Moral der Studienfinanzierung

Immer wieder kursieren Medienberichte über angebliche Lebensgeschichten von Studentinnen, die im Rotlichtgewerbe ihr Studium finanzieren. Solche Berichte finden offenbar ihr Publikum - doch haben sie etwas mit der studentischen Realität zu tun? Greifen Studierende angesichts steigender Studienkosten und neuer Studiengebühren tatsächlich zu „ungewöhnlichen“ Arten, ihr Studium zu finanzieren? Dieser Frage ging Marlene Wolfram in ihrer Diplomarbeit „Studieren am Rande der Legalität“ mittels einer Befragung nach.

 100 Fragebögen wurden anonym an Studierende der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd verteilt. Die Ergebnisse zeigten zunächst, dass Eltern und Nebenjobs die wichtigsten Finanzierungsquellen sind. Fast die Hälfte gibt an, dass der Nebenjob dabei schon mit den Erfordernissen des Studiums kollidiert. BAföG folgt erst auf Platz drei. Kaum eine Rolle spielt hingegen die mit großen Erwartungen lautstark eingeführte Möglichkeit des Studienkredits.

Wolfram wollte aber vor allem herausfinden, wie es um die Haltung der Studierenden zu moralisch-bedenklichen Finanzierungsmethoden steht. Dazu wurden insgesamt 11 Antwortvorgaben angeboten, bei denen es sich entweder um deviante Beispiele wie Telefonsex oder kleinkriminelle Beispiele wie Drogenkuriertätigkeit handelte. Alle diese Geldquellen wurden von den Studierenden eindeutig moralisch verurteilt und selbst bei großer Finanznot nicht ins Kalkül gefasst. Allenfalls sich im „Begleitservice“ zu verdingen, könnte sich eine kleine Minderheit unter Umständen vorstellen.

Das medial kolportierte Bild der „anschaffenden Studentin“ habe mit den wirklichen Tatsachen nichts zu tun, meint denn auch Sarah Wisotzki, die die Daten mit ausgewertet hat. Die Befunde zeigen aber auch, dass Finanznöte den Studienerfolg gefährden könnten, ergänzt der Betreuer der Arbeit, der Soziologieprofessor Stefan Immerfall. Nicht Studiengebühren sondern ein mangelhaftes Stipendiensystem sei das Problem.

(Quelle: Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd, 15.11.2011)

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