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Studieren in Deutschland: Universitäten und Fachhochschulen
 

Der Studiengang Kulturwirtschaft – International, Interkulturell, Interdisziplinär

„Was studierst du? Kulturwirtschaft? Wirst du damit Bauer oder Museumswächter?“ So oder ähnlich wurde wahrscheinlich jeder Student des Passauer Bachelor-Studienganges Kulturwirtschaft/International Cultural and Business Studies schon einmal mit der Ignoranz seiner Umwelt konfrontiert. In Erklärungsnöte ist auch Julia (20), die in diesem Studiengang eingeschrieben ist, schon öfters geraten. „Eine Mischung aus BWL, Sprachen und Kulturwissenschaft“, lautet ihre pauschale Antwort meist.

Internationalität
Internationalität

Seit Anfang der 90iger Jahre ist der Studiengang, damals noch auf Diplom, das Aushängeschild der Universität Passau. In seiner Art ist er einzigartig in Deutschland.

Durch die Umstellung des Diplomstudienganges auf Bachelor im Wintersemester 2005/06 fielen frühere Elemente wie Jura und Informatik weg, dafür stieg der betriebswirtschaftliche Anteil erheblich. Im Laufe der sechs Semester Regelstudienzeit besuchen Kulturwirtschaftsstudenten – meist liebevoll Kuwis genannt – viele Vorlesungen der Betriebswirtschaftslehre zusammen mit „echten“ BWLern. Insgesamt macht der wirtschaftswissenschaftliche Teil 40% des Studiums aus. „Ein gewisses Interesse für Wirtschaft sowie ein grundlegendes Verständnis von Mathe sind deshalb von Vorteil, obwohl es ein geisteswissenschaftlicher Studiengang ist“, kann Julia nach zwei Semestern bereits sagen.

Die restlichen 60% setzen sich aus Sprachen und Geistes- und Gesellschaftswissenschaften zusammen. Dabei spezialisiert sich jeder Student auf einen Kulturraum, in dem er Veranstaltungen der Kultur-, Literatur- oder Sprachwissenschaften besucht. Julia hat den iberoromanischen Kulturraum gewählt, aber zur Auswahl stehen auch der angloamerikanische, der französische, der italienische, der ostmitteleuropäische, der südostasiatische und für ausländische Studenten auch der deutsche Kulturraum. Eine Einführung in die Kulturwissenschaft und interkulturelle Kommunikation findet für alle Kuwis zusammen im ersten Semester statt, ansonsten verteilen sie sich auf ihre kulturraumspezifischen Veranstaltungen und begegnen sich nur in den Wirtschaftsvorlesungen wieder. „Ich hätte mir noch ein paar kulturraumübergreifende Veranstaltungen für alle Kuwis gewünscht. Das ist ein wenig schade, denn so ist es schwierig eine gemeinsame Identität in diesem Studiengang zu entwickeln. Aber das ist nun mal der Preis der Interdisziplinarität“, meint Julia.

Möglichst zum Kulturraum passend werden zwei der folgenden Sprachen erlernt bzw. bereits vorhandene Kenntnisse vertieft. Neben eher üblichen Sprachen wie Englisch und Französisch stehen auch exotische Fremdsprachen wie Polnisch und Vietnamesisch zu Auswahl. Zudem wird Wissen über wahlweise Geschichte, Geographie, Politik, Kunstgeschichte oder Soziologie erlangt. Die in einem internationalen Arbeitsumfeld unabdingbaren Kompetenzen wie interkulturelle Kommunikation oder Visualisierungs- und Präsentationstechniken eignen sich die Kulturwirtschaftler in Seminaren an.

Kuwis sind international. Passau, insbesondere aber der Studiengang Kulturwirtschaft, zieht trotz seiner dezentralen Lage in Südostbayern Abiturienten aus ganz Deutschland, aber auch viele aus dem Ausland an. Es gibt kaum einen der keine Auslandserfahrung mitbringt. Durch Schüleraustausche, Work-and-Travel-Programme, oder ähnliches sind viele schon einschlägig vorbelastet.

Um die interkulturellen Qualifikationen auszutesten, ist ein Auslandssemester obligatorisch, ebenso ein mindestens vierwöchiges Praktikum. Durch die Praktika werden Berufsfelder ausgelotet. Es gibt keinen Beruf, der direkt auf Kulturwirte zugeschnitten ist; sie sind universell und international einsetzbare Allround-Talente, keine Spezialisten, aber ihr Wissen ist breit gefächert. Absolventen haben besonders in internationalen Organisationen, kulturellen Instituten und Vereinen aber auch in Unternehmen an Schnittstellen zu ausländischen Betrieben eine Anstellung gefunden.

„Mein Ziel ist es, später einmal in der Personalentwicklung zu arbeiten. Ich könnte mir gut vorstellen, Mitarbeiter von Firmen, die im Ausland arbeiten sollen, mit interkulturellem Schulungen auf ihren Einsatz vorzubereiten“, plant Julia ihre berufliche Zukunft.

Von Sandra Schusser

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