Die Teddy-Ärzte - Dreimal täglich Gummibärchen
Wie Münchener Medizinstudenten ehrenamtlich Stofftiere behandeln... Max hat Bauchweh. Sorgfältig betastet die Ärztin im weißen Kittel den kleinen Körper. "Nichts schlimmes", diagnostiziert sie dann "nur eine kleine Magenverstimmung." Drei Gummibärchen täglich und Max wird es ganz schnell besser gehen. Die fünfjährige Sophie ist erleichtert, denn Max ist ihre Stoffrobbe.
Mit ihrer Kindergartenklasse ist Sophie in das Münchener Teddy-Krankenhaus gekommen. In den Räumen der St. Joseph Kirche kümmern sich rund 180 Medizinstudenten vier Tage lang ehrenamtlich um die Genesung von rund 1800 Stofftieren, die mit ihren kleinen Besitzern in die Sprechstunden kommen. Ziel ist es, den Kindern die Angst vor Ärzten und Krankenhäusern zu nehmen. Das Konzept scheint zu funktionieren. Die 25jährige Medizinstudentin Christine Völklein, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Teddy-Ärzte, hat jedenfalls ausschließlich positive Resonanz erlebt. "Die Kindergärtnerinnen und Eltern sind begeistert. Manche Mütter schicken uns sogar Fotos oder eMails, um sich noch einmal persönlich zu bedanken".
1800 Stofftier-Patienten
Auch die Zahl der Anmeldungen spricht für den Erfolg. Während sich für das erste Teddy-Krankenhaus im Sommer 2001 noch 620 Münchener Kindergartenkinder anmeldeten, so sind inzwischen 1800 Stofftier-Patienten zu versorgen. Obwohl die Zahl der Öffnungstage von zwei auf vier erhöht wurde, können immer noch längst nicht alle Interessenten versorgt werden. Weitere 40 Kindergärten stehen auf Wartelisten. "Wir sind völlig überlaufen", sagt Christine Völklein, "aber das ist auch ein Ansporn weiterzumachen."
180 Medizinstudenten
Jedes Semester steht sie mit ihrem zwölfköpfigen Organisationsteam erneut vor einer logistischen Großaufgabe. Kindergärten müssen angeschrieben, Sponsoren gesucht und nicht zuletzt auch die ehrenamtlichen Helfer gefunden werden. Letztere werden an den Münchener Universitäten und im Internet geworben. "Es ist unglaublich wieviele Studenten sich daraufhin melden", sagt Christine Völklein. 180 Medizinstudenten wurden in diesem Jahr genommen.
Improvisationskünste der Teddy-Ärzte
Die zukünftigen Teddy-Ärzte werden dann auf einer Einführungsveranstaltung von Kinderärzten auf ihre Einsätze vorbereitet. "Trotzdem muss man sehr viel improvisieren", sagt die 21-jährige Brigitta Globke. Sie studiert im vierten Semester Medizin und ist zum ersten Mal bei der Teddy-Klinik dabei. "Man kann vorher nie wissen, was einem die Kinder erzählen und muss sich dann immer wieder individuell darauf einstellen." Meistens haben die Stofftierpatienten Kleinigkeiten. Bauchweh. Husten. Ab und zu auch eine Grippe. Ist es etwas schlimmeres, muss geröntgt werden. Im Notfall wird operiert. Dann werden Ohren angenäht oder Pfoten eingegipst. Je nach Krankheitsbild des haarigen Patienten. Zum Schluß noch ein paar Smarties oder Gummibärchen aus der Apotheke und schon kann der Patient das Krankenhaus wieder verlassen. Eine rasche heilung ist im Teddy-Krankenhaus garantiert.
von Christina Horsten
Fotos: Christine Voelklein
Das nächste Münchener Teddy-Krankenhaus wird im Wintersemester 2004/2005 stattfinden. Weitere Informationen unter www.teddy-aerzte.de


