HMT Hannover: Interdisziplinäre Perspektiven auf das Musikland Frankreich
In den "Dialogen zwischen Kunst und Wissenschaft" wird im SS 09 das facettenreiche Thema "Grâce, goût, grandeur - interdisziplinäre Perspektiven auf das Musikland Frankreich" behandelt. In der am 20.04.09 beginnenden Ringvorlesung wird einerseits der besonderen Rolle Frankreichs in der Musikgeschichte nachgespürt, andererseits geht es um Beziehungen zwischen dem deutschen und französischen Musikleben. Unterschiedliche Perspektiven erlauben es, am Beispiel Frankreichs ein breites Spektrum musikalischer Phänomene zu untersuchen: Grenzbereiche zwischen Musik - Kunst oder Musik - Medizin werden genauso behandelt wie musikhistorische/musikpraktische Fragen oder solche der musikalischen Ästhetik.
Frankreich und Deutschland haben eine jahrhundertealte Beziehungsgeschichte auf unterschiedlichen Gebieten: Dazu gehört nicht nur die Wirkung, die von der Französischen Revolution 1789 ausging. Bereits im Zeitalter des Absolutismus prägte das staatspolitische Konzept des Sonnenkönigs Louis XIV weite Teile Europas, und deutsche Fürstenhöfe eiferten dem Modell der französischen Hofkultur nach. Im Bezug auf die Musik behauptete Frankreich bis zum Ende des 18. Jahrhunderts als einziges Land gegenüber der europaweit dominierenden italienischen Musik seine Sonderstellung. Das deutsche Singspiel - prominentestes Beispiel: Mozarts Entführung aus dem Serail - wäre ohne die französische Opéra-comique nicht denkbar. Schon damals wirkte Paris als eine Art kulturelle Drehscheibe in viele Richtungen. Im 19. und 20. Jahrhundert schließlich verzweigten sich die Transferwege zwischen Frankreich und Deutschland immer mehr. Die Goethe-Rezeption, der "Wagnérisme" und das Kabarett sind nur einige Beispiele dafür.
Wie an der HMTH guter Brauch, wird ein besonderer Akzent dabei auf der Gender-Perspektive liegen: So wird es einen Vortrag über die Komponistin Lili Boulanger geben, die in einem Gesprächskonzert vorgestellte konzeptionelle Erarbeitung einer Frauenrolle (am Beispiel der Arie Va, laisse couler mes larmes der Charlotte aus Jules Massenets Werther) und einen Vorlesungsbeitrag mit dem Untertitel "Moderne Halbgöttinnen in Kunst und Musik". Auch wird die Selbstreflexion der Wissenschaft einen Platz in der Reihe bekommen: Ihr widmet sich beispielsweise ein Dialog zu Möglichkeiten transnationaler Geschichtsschreibung am Beispiel Frankreich -Deutschland (gemeinsam veranstaltet mit der Antenne culturelle - Niedersachsen und dem Bureau de la coopération universitaire pour l'Allemagne du nord).
Vertreterinnen und Vertreter zahlreicher Disziplinen werden das Programm der "Dialoge zwischen Kunst und Wissenschaft" im Sommersemester 2009 gestalten: Aus der HMTH die Musikwissenschaftler/innen Anna Langenbruch, Sabine Meine, Ruth Müller-Lindenberg und Emeritus Arnfried Edler, der Komponist Johannes Schöllhorn, Lehrende und Studierende aus den Studiengängen Oper und Alte Musik und der Musikmediziner Eckart Altenmüller. Als Gäste werden der Historiker Michael Werner (Paris) und die Musikwissenschaftler/innen Melanie Unseld (Oldenburg) und Joachim Kremer (Stuttgart) vortragen.
(Quelle: Hochschule für Musik und Theater Hannover, 14.04.2009)


