Unis im Visier
Europas Hochschulen stellen um auf moderne Informations- und Verwaltungssysteme. ITAnbieter und -Dienstleister buhlen um den neuen Wachstumsmarkt. Welche Lösungen sie zu bieten haben und wie ihre Markterwartungen aussehen, zeigen Newcomer und Branchenriesen wie SAP und Microsoft auf der „eUniversity – Update Bologna“ am 8. und 9. November in Bonn.
Die Verwaltungsapparate deutscher Hochschulen stehen vor einer großen Belastungsprobe. Bis 2010 sollen die rund 380 Universitäten und Fachhochschulen in Deutschland ihr Programm auf international anerkannte Bachelor- und Master-Studiengänge umstellen. Der so genannte Bologna-Prozess verlangt die Einführung eines einheitlichen Credit- Point-Systems, mit dem die Leistungen der Studierenden kleinschrittig überprüft und erfasst werden können. Ein nie da gewesenes Ausmaß an Verwaltungsprozessen rollt auf die Hochschulen zu. Eine nach der anderen stellt deshalb jetzt auf modernes Enterprise Resource Planning um, kurz ERP. Für die IT-Branche öffnet sich ein neues Geschäftsfeld. Ihre Lösungen präsentieren Entwickler und Dienstleister am 8. und 9. November auf der „eUniversity“, Deutschlands größter Fachtagung für IT-gestützte Hochschulanwendungen. Die Marktprognosen sind mitunter enorm, schließlich gilt die Bologna-Deklaration europaweit für alle Universitäten der 45 Mitgliedstaaten.
Was versprechen sich Aussteller und Kongressteilnehmer im Einzelnen von diesem Markt? Die „eUniversity“-Veranstalter, das Multimedia Kontor Hamburg und das nordrheinwestfälische Centrum für eCompetence, befragten die Big Player der Branche SAP, Microsoft und EDS sowie die Marktspezialisten Datenlotsen Informationssysteme GmbH und HIS Hochschul-Informations-System GmbH:
Mit der Branchenlösung SAP for Higher Education & Research ist der weltweit drittgrößte unabhängige Softwarelieferant SAP seit Mitte der 90er Jahre auf dem Hochschulmarkt aktiv. „Mehr als 100 Bildungseinrichtungen weltweit, unter anderem die Freie Universität Berlin, die Universität Basel und die britische University of Leeds, setzen auf das SAP-Portfolio“, erklärt Dr. Bernhard Thibaut, Vertriebsleiter im Geschäftsbereich Public Services bei SAP Deutschland. „Wir sehen eine steigende Tendenz und erwarten für 2006 in diesem Segment ein erhebliches Wachstum des Produktumsatzes für den europäischen Raum.“
Eine deutliche Umsatzsteigerung prognostiziert auch Stephan Sachse, Geschäftsführer der Hamburger Datenlotsen: „Der Bedarf an modernen Bildungsstrukturen steigt von Jahr zu Jahr. Die Globalisierung sorgt für zusätzliche Dynamik. Wir rechnen mit einem starken Wachstum in den nächsten fünf Jahren – national und international. Ab 2007 expandieren wir in alle 45 Länder, die der Bologna-Deklaration folgen.“ Die Standardsoftware CampusNet der Datenlotsen ist neben der Universität Hamburg bereits in Hochschulen wie der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege Berlin oder der Hochschule der Künste Bremen erfolgreich im Einsatz.
Vorsichtiger äußert sich Gregor Lietz, Vertriebsleiter Public Sector von EDS in Zentraleuropa: „Eine Umsatzprognose für den deutschen Hochschulmarkt ist aufgrund der teilweise verkrusteten Monopolstrukturen im Software-Bereich eher schwierig. Sofern sich jedoch der Markt für Campus-Software weiter liberalisiert, ist mit einem deutlichen Investitionsschub zu rechnen. Ich gehe daher von einem stetigen Wachstum in den nächsten Jahren aus, selbst wenn dieses heute auf einer niedrigen Basis aufbaut. Studiengebühren und die Qualitätsoffensive der Hochschulen werden diese Entwicklung vorantreiben.“ Als Partner für Management-Beratung und System-Implementierung unterstützt EDS Hochschulen unter anderem in Berlin und Hamburg der Einführung von Campus-Management-Systemen.
Auf Kontinuität setzt dagegen eher Henning Cloes, Abteilungsleiter Informationstechnologie der HIS Hochschul-Informations-System GmbH: „Die meisten deutschen Universitäten organisieren Studierenden-, Prüfungs- und Zulassungsverwaltung bereits seit Mitte der 90er Jahre mit staatlich geförderten HIS-Lösungen oder eigenen Systemen. Die Bedarfslage an kommerziellen Campus-Management-Systemen ist daher relativ gering. Lukrative Marktchancen für kommerzielle Anbieter ergeben sich erst dann, wenn sie bestehende Lösungen mit neuer Software übertreffen und diese finanzierbar bleibt.“ Deutschlandweit setzen über 200 Hochschulen auf HIS-Systeme – darunter alle drei deutschen Exzellenz-Universitäten in Karlsruhe und München sowie seit jüngster Zeit die Universität Heidelberg und Köln. „Deutsche Universitäten haben den Nutzen moderner IT-Systeme erkannt“, erklärt Swantje Rosenboom-Lehmann, Bereichsleiterin Forschung und Lehre bei Microsoft. Mit drei deutschen Kooperationspartnern – der Universität Hamburg, der RWTH Aachen und der Universität Karlsruhe – begleitet Microsoft Hochschulen auf dem Weg zum digitalen Campus. „Datenbank zentrierte Systeme beherrschen heute weitgehend die universitäre Landschaft. Schnelles, intelligentes Abfragen und Prozessieren von Daten über mehrere Verfahren hinweg sind damit in der Regel nicht auszuführen. Exzellenz in der Forschung und Lehre braucht jedoch gerade eine leistungsfähige IT-Infrastruktur, um allen Hochschulmitarbeitern und Studierenden effizientes Arbeiten zu ermöglichen. Um im Wettbewerb bestehen zu können, werden moderne Informationsmanagementsysteme schon bald zum Standard der Unis gehören müssen.“
(Quelle: Multimedia Kontor Hamburg GmbH, November 2006)


