„Kompetente“ Betreuung in der Orientierungswoche
Der Studienbeginn ist ein bedeutender Schritt. Ein Schritt in die Unabhängigkeit, für viele ein Schritt in die Ferne, in eine neue Umgebung. Neue Herausforderungen, Bekanntschaften und spannende Momente warten auf ihre Entdeckung. Doch so aufregend die Zeit an der Universität auch sein mag- zu Beginn ist sie vor allem eines: voller Informationen, die zunächst einmal verarbeitet werden müssen. Da ist es doch besonders wünschenswert, Menschen um sich zu haben, die mit dem Ablauf bereits vertraut sind und bei Fragen kompetent weiterhelfen können…
Am 12. Oktober 2009 war es wieder einmal soweit: Tausende wissbegieriger Studentinnen und Studenten begaben sich zur Georg-August-Universität Göttingen, um an der langfristig geplanten Orientierungswoche teilzunehmen. Die Tutoren, Studenten aus Fachschaften der jeweiligen Fakultäten, hatten schon einige Semester absolviert und sollten ihre Schützlinge in die verschiedenen Bereiche ihres Studiums einführen. Dies taten sie auch- mit mehr oder weniger großem Erfolg. Beispielhaft verhielt sich die Tutorengruppe des Studienfachs Geschichte. Innerhalb von fünf Tagen unternahm sie Stadtrallyes, Bibliotheks- und Gebäudeführungen und ermöglichten den Erstsemestern auf diese Weise einen umfassenden Einblick in den zukünftigen Alltag eines Geschichtsstudiums.
Ebenso die Vorträge der jeweiligen Dozenten über die verschiedenen historischen Studienbereiche waren gut vorbereitet, informativ und in einen angemessenen zeitlichen Rahmen gefasst. Das Wichtigste: Jeder nahm sich ausreichend Zeit und bemühte sich, die Fragen präzise und kompetent zu beantworten. Mit der gewünschten Rücksicht und Aufmerksamkeit wurde es möglich gemacht, dass auch der eine oder andere Rollstuhlfahrer nicht hinter den anderen zurückblieb und die Möglichkeit hatte, Rat für seine individuelle Studiensituation zu finden. Daneben war genügend Raum zum Kennenlernen und Beschnuppern - ob bei einem gemeinsamen Essen in der neuen Zentralmensa oder bei einem gemütlichen Beisammensein im Café Central. Alles in allem also eine nützliche, informative Veranstaltung mit angemessener Planung und einer angenehmen Atmosphäre. So kann es tatsächlich und trotz der Unübersichtlichkeit einer großen Universität funktionieren.
Leider boten nicht alle Orientierungsveranstaltungen einen Anlass zur Freude. Im Fachbereich der Romanischen Philologie wurde man zwar ebenso herzlich empfangen, allerdings ließ die Koordination leider an einigen Punkten zu wünschen übrig. So fand die einleitende Vorstellung des Fachbereichs in einem Raum statt, der nicht genügend Plätze für die Teilnehmer und Teilnehmerinnen bot, sodass viele dem Vortrag an der Wand lehnend oder auf dem Boden sitzend lauschten.
Anschließend begann die Suche nach passenden Räumen für die Tutorengruppen der einzelnen Fächer, darunter Spanisch, Portugiesisch, Italienisch und Französisch. Auch dabei vergingen einige Minuten, bis sich die zugehörigen Studenten mit ihren Tutorinnen und Tutoren zu einem Gespräch über das jeweilige Fach zusammengefunden hatten. Leider begegnete man nach ungefähr einer Viertelstunde immer noch einigen „verlorengegangenen“ Studentinnen und Studenten, die verzweifelt nach ihrer Gruppe suchten.
Ähnlich verliefen auch die geplanten Rallyes und Führungen des Fachbereichs Französisch, denn die Tutoren führten ihre Gruppe in einem raschen Tempo durch die Gebäude, wobei die Erläuterungen zu Hörsäälen, Büros und der Bibliothek entsprechend knapp ausfielen. Auch dort war ein Rollstuhlfahrer mit von der Partie - und sah sich schnell verschiedenen Schwierigkeiten gegenüber. So konnte es schon passieren, dass die Gruppe - mit den Tutoren vorneweg - in den verschiedenen Bereichen der Universität umhereilte, ohne sicherzugehen, dass alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Anschluss nicht verloren.
Die auftretenden Fragen wurden zudem leider nicht ausreichend beantwortet und auch der Überblick zum Studienfach deckte nur teilweise die Erwartungen der neuen Studenten ab.
Letztendlich bot diese Orientierungswoche nicht nur einen kleinen Einblick in den Ablauf des Studiums und das Leben in der Georg-August-Universität Göttingen, sondern auch in die verschiedenen Tutorengruppen und deren Engagement.
Von Jennifer Stümpel


