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Forschung zu Sozialunternehmen: Zeppelin Universität leitet Netzwerk mit TU München und Uni Heidelberg

Die Zeppelin Universität Friedrichshafen (ZU) hat im Rahmen eines Wettbewerbs der Stiftung Mercator einen Zuschlag für den ersten nationalen Forscherverbund zum Thema "Innovatives soziales Handeln - Social Entrepreneurship" erhalten. Ziel des mit insgesamt 970 000 Euro geförderten Projektes ist es herauszufinden, ob und inwieweit Sozialunternehmen in Deutschland als ein besonderes Modell für zivilgesellschaftliches Handeln dienen kann.

Neben der ZU gehören die Universität Heidelberg und die Technische Universität München ebenso wie die Universitäten Greifswald, Bochum, Lüneburg, das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung Berlin und die Jacobs University Bremen dem Verbund an.

Dr. Bernhard Lorentz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stiftung Mercator: "Die Erforschung der Bedingungen für sozialunternehmerisches Handeln ist bislang von der angelsächsischen Sichtweise auf Unternehmertum, Sozialstaat und Gesellschaftsordnung geprägt. Es ist dringend erforderlich, dem eine Sichtweise gegenüberzustellen, die auf die Erfahrungen des deutschen Sozialstaats zurückgreift und damit erstmals in Deutschland den systematischen Ansatz und die Wirkungsmacht von sogenannten "Sozialunternehmern" untersucht. Diese Lücke soll der von der Stiftung Mercator initiierte Forscherverbund füllen."

Der Mercator Forscherverbund besteht aus vier Projekten an acht deutschen Universitäten und Forschungsinstituten. Das größte Forschungsnetzwerk von TU München und Universität Heidelberg wird von Prof. Dr. Stephan A. Jansen, Inhaber des Lehrstuhls für Strategische Organisation & Finanzierung an der Zeppelin Universität, geleitet. In dem zunächst zweijährigen Projekt geht es um die Organisation, die Kommunikation, die Finanzierung sowie die Märkte der Sozialunternehmer. Projektbeteiligte sind Prof. Dr. Dr. Ann-Kristin Achleitner von der TU München, Prof. Dr. Volker Then von der Universität Heidelberg, Felix Oldenburg, Geschäftsführer der Ashoka Deutschland gGmbH, und Mirjam Schöning, Geschäftsführerin der von Klaus und Hilde Schwab initierten "Schwab Foundation for Social Entrepreneurship".

"Sozialunternehmertum ist mehr als nur ein bloßer Reflex auf die Kapitalmarktkrise und die Management-Kritik der letzten Jahre. Der Sozialstaat wie auch weitere etablierte Akteure werden unter Wettbewerb in der gesellschaftlichen Arbeitsteilung gesetzt. Wir wollen neben den Fragen der Organisation, Kommunikation und Finanzierung das Entstehen, die Legitimität und die Steuerung von Sozialunternehmen genauer verstehen lernen", beschreibt Stephan A. Jansen die Forschungsmotivation. Er verweist dabei auch auf praktische Entwicklungen an der ZU selbst: "Die ZU hat seit ihrer Gründung einige auch international ausgezeichnete Sozialunternehmen hervorgebracht und steht seit Beginn an in Kooperation mit Ashoka Deutschland, die auch von den Studierenden intensiv betrieben wird."

Der Begriff des Sozialunternehmertums wurde in den 1980er Jahren von William Drayton lanciert. Er gründete die Organisation "Ashoka" zur Unterstützung von mittlerweile über 2 000 Sozialunternehmen weltweit. In Deutschland hat diese Entwicklung nach der Verleihung des Friedensnobelpreises an Muhammad Yunus vergleichsweise spät eingesetzt. Zu finden sind Sozialunternehmen in den gesellschaftlich relevanten Bereichen der Bildung, Migration, Gesundheit oder Klima. Die wissenschaftliche Forschung steht 30 Jahre später noch immer am Anfang. Sozialunternehmen könnten dem sogenannten Dritten Sektor zugerechnet werden - mit all seinen Synonymen wie Non-Profit-Sektor, Zivilgesellschaft, Gemeinnützigkeitssektor oder Sozialwirtschaft. Dennoch scheinen sie anders zu arbeiten, wie zahlreiche Gründungen in den letzten Jahren belegen.

Die beteiligten Forscher werden sich in den kommenden zwei Jahren regelmäßig treffen und über Anwendbarkeit, Nutzen, Grenzen und Wirkungen des Konzepts des Sozialunternehmens wissenschaftlich austauschen. Die Forschung wird sich auf die Themen Bildung, Umwelt und Integration konzentrieren. Geplant sind sowohl theoretische Analysen als auch die Auswertung empirischer Daten. Die Ergebnisse sollen in Empfehlungen für Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft münden.

(Quelle: Zeppelin University, 16.03.2010)

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