Senat der Folkwang Hochschule beschließt neue Studienangebote.
Inhalte- und Strukturreform wird nun umgesetzt.
Nach 15 Monaten diskursiver und konstruktiver Reformarbeit hat die Folkwang Hochschule im 75. Jahr ihres Bestehens nun über ihre Zukunft entschieden. Beschlossen sind zahlreiche neue Studienangebote. Für alle gilt eine Probezeit von 6 Semestern und anschließende Evaluation. Neben exklusiven Ausbildungsangeboten wie "Integrative Komposition", "Autorenschaft/Werkproduktion", "Magister Musikwissenschaft" geht es auch um eine neue Qualität in der Lehre und um eine grundlegende organisatorische Neukonzeption mit "Credits", reformierten Studientafeln, Wahlmodulen, verpflichtend projektorientiertem Lernen und interdisziplinärem Arbeiten. Der originären "Folkwang"-Idee vom spartenübergreifenden Zusammenarbeiten verschiedener Kunstrichtungen kommt man so wieder einen deutlichen Schritt näher.
Im November 2000 hatte das neue Rektorat unter Prof. Dr. Martin Pfeffer diesen für künstlerische Hochschulen bundesweit einmaligen Reformprozess initiiert. Mit der Wahl einer Methode, der "Zukunftswerkstatt", wurde so die umfassende Inhalte- und Strukturreform der Folkwang Hochschule basisdemokratisch auf den Weg gebracht. Beteiligt war die gesamte Hochschule; von den Professoren über die Lehrbeauftragten, die MitarbeiterInnen bis zu den Studierenden. Unterstützt und beraten wurde die Hochschule über weite Strecken vom "Centrum für Hochschulentwicklung" (CHE Gütersloh), einem Projekt der Bertelsmannstiftung und der Hochschulrektorenkonferenz. Diese höchst anerkannte Institution hat als bildungspolitische Instanz schon viele inhaltliche Debatten des Hochschulwesens in Deutschland initiiert und einige Reformen bis zum erfolgreichen Schluss begleitet.
Eine Überprüfung der Ausbildungsarbeit und Neuorientierung war nötig geworden, weil sich Perspektiven der realen Berufsbilder (für Musiker- und Bühnenberufe) drastisch verändert haben. Die Folkwang Hochschule will Studierende optimal ausbilden, immer orientiert am individuellen Bedarf und dem veränderten gesellschaftlichen und ästhetischen Kontext. Darüber hinaus sieht sie sich auch als Institution verpflichtet, lebendig zu bleiben und neue Impulse für ästhetisch-künstlerische Entwicklungen sowie Akzente zu setzen. Als zentrale künstlerische Ausbildungsstätte des Ruhrgebiets für Musik, Theater und Tanz ist das ihre Aufgabe. Dieses Selbstverständnis ist formuliert im neuen, ebenfalls jetzt verabschiedeten Leitbild der Folkwang Hochschule. Zum ersten Mal wird darin eine Positionierung und für alle verbindliche Ausrichtung der Hochschule in Worte gefasst.
Noch bevor das Wissenschaftsministerium mit der Überprüfung nordrhein-westfälischer Musikhochschulen überhaupt fertig ist, hat die Folkwang Hochschule durch ihren selbstinitiierten und -gelenkten Reformprozess ein prägnantes und offensives Konzept vorgelegt, das im Ministerium bereits viel positive Beachtung gefunden hat. Kulturpolitisch ist sie damit fester in der Region verankert, und es liegen bereits erste Kooperationsangebote anderer Musikhochschulen und Institutionen der Region vor.
Einrichtung und Durchführung der neuen Studienangebote wird erst möglich durch den ebenfalls jetzt beschlossenen Stellenplan. Nach dem Moratorium im November 2000 hat der Senat der Folkwang Hochschule nun in differenzierter Feinabstimmung über die Umwidmung und Neuwidmung aller bis 2005 freiwerdenden (27) Stellen beschlossen.
Die Beschlüsse im Einzelnen:
1.) Standort Duisburg
Der Standort Duisburg soll durch eine neue Ausrichtung der Studienangebote
profiliert werden. Duisburg bietet exklusiv und als eigenständiger
Standort mit besonderen Veranstaltungsmöglichkeiten ausschließlich:
Künstlerische Instrumentalausbildung Klavier (KI und KEX)
Alte Musik
Kammermusik (Zusatzstudiengang)
Alle bisherigen Lehrinhalte, die nicht mehr unter das neue Angebot fallen, werden künftig in Essen unterrichtet.
2.) Zentrum für darstellende Künste
Das Zentrum für darstellende Künste (ZDK) soll die Kooperation aller
darstellenden Künste (Schauspiel Essen und Schauspiel Bochum, Tanz,
Musiktheater/Oper, Musical, Pantomime) untereinander verstärken und durch
gemeinsame Lehrangebote eng verzahnen. Dazu gehören unter anderem:
ein interdisziplinärer Grundkurs aller Studiengänge dieses Bereichs die Einrichtung eines workshop-pools die Festschreibung eines interdisziplinären Projektes
3.) Differenzierte Musikerausbildung
Eine neue Konzeption löst die bisherige Künstlerische Instrumentalausbildung (KI)
ab. Dabei gibt es drei verschiedene Studienschwerpunkte, zwischen denen
man sich entscheiden kann:
Alte Musik
Neue Musik
Kammermusik
4.) Im Hauptstudium werden außerdem weitere Spezialisierungsangebote zur Wahl gestellt.
Zentrum für Musikpädagogik / Lehramtsstudiengänge
Dieses Zentrum beschreibt ein neues Konzept der Lehrerausbildung.
Aufgrund der veränderten Bedürfnisse im Schulwesen und der Jugendkultur
gilt es, sowohl in der Primarstufe als auch Sek I und Sek II, den Musiklehrer
besser auf die enorm gestiegenen Anforderungen vorzubereiten.
Hier hat die hohe Qualität einer künstlerischen Ausbildung (mit instrumentalem Hauptfach)
deutliche Vorteile gegenüber einem universitärem Studium.
Ziel der Folkwang-Lehrerausbildung mit neuerdings vielen
Wahlmöglichkeiten ist der "Generalist mit Farbe".
Die Studienrichtung "Rhythmik" im Rahmen der Diplom Musikpädagogik wird
aus bundesweitem Mangel an BewerberInnen und aus arbeitsmarktpolitischen
Gründen eingestellt. Allerdings entwickelt die Folkwang Hochschule ein Konzept
zur Integration von Bewegungsunterricht und Körperbewusstsein in die Musik-
und Bühnenstudiengänge.
Integrative Komposition
und Einrichtung neuer Beifächer aus dem medialen Bereich
Der bundesweit einzigartige Studiengang "Integrative Komposition" wird
eingeführt und ersetzt alle bisherigen Studienrichtungen Komposition.
Er gliedert sich in fünf Studienschwerpunkte, die künftig parallel studiert werden können:
Instrumentale Komposition
Elektronische Komposition / Sounddesign
Komposition / Arrangement Jazz
Komposition und Visualisierung
Komposition Pop
Dieser Studiengang erfordert eine intensive persönliche Studienberatung, da es kein starres Curriculum geben wird. Die Einrichtung medialer Beifächer im Bereich des ICEM (Elektronisches Studio, Tonaufnahmestudio, Audiovisuelles Studio) ist ein Angebot, das alle Studiengänge der Hochschule künftig nutzen werden.
Autorenschaft / Werkproduktion
Dieser gänzlich neuartige Studiengang ist als Zweig Hauptstudium konzipiert.
Hier geht es um die interdisziplinäre Erstellung neuer Werke. Vom Script
über die Produktion bis zur (multi)medialen Dokumentation und Archivierung
(z.B. CD-Rom).
Autorenschaft / Werkproduktion ist gegliedert in die Schwerpunkte:
Komposition
Choreographie
Text
Mediale Kunst
Darüber hinaus ist geplant, einen grundständigen Studiengang "Text" einzuführen, in dem Autoren ausgebildet werden, und der in den Studiengang "Autorenschaft / Werkproduktion" verzweigbar ist.
Magister Musikwissenschaft
An der Folkwang Hochschule wird ein neuer Studiengang "Magister
Musikwissenschaft" eingerichtet. Das Besondere daran ist die
Möglichkeit eines künstlerischen Nebenfachs; das gibt es in
dieser Form an keiner anderen deutschen Hochschule.
Geplant ist darüber hinaus (in Abstimmung mit umliegenden Universitäten),
auch das Fach Kulturmanagement als Nebenfach einzuführen und für
andere Studiengänge nutzbar zu machen. So kann schon im Studium mehr Nähe
zur Produktion erreicht werden und damit wiederum
eine praxis- und bedürfnisorientierte Ausbildung.
Kirchenmusik
Geplant ist ein kombinierter Studiengang Kirchenmusik / Lehramt Musik Sek II.
Auch Kirchenmusiker sollen auf diesem Weg in Zukunft mit einem instrumentalen
Hauptfach und sowohl fach- wie musikdidaktischen Nebenfächern die Möglichkeit
haben, das Kirchenmusikamt mit dem Lehramt zu verbinden.
Dieses Modell gibt es bisher nur in Bayern und Baden-Württemberg.
(Quelle: Folkwang-Hochschule Essen, 13.02.2002)


