Corporate Social Responsibility – Wie die Wirtschaft Verantwortung übernimmt
Am 14. August fand ein weiteres Mal ein von Studierenden veranstalteter Themenabend als sogenanntes Kaminzimmergespräch an der Europäischen Fachhochschule (EUFH) in Brühl statt. Die Dynamic Campus Initiative (DCI), der 2002 gegründete erste studentische Verein des Rhein-Erft-Kreises, lud EUFH Studenten und Referenten aus der Wirtschaft in die Villa Büttner der EUFH ein. Mitarbeiter von Arcandor, RWE und TransFair diskutierten in „Kaminzimmeratmosphäre“ die Bedeutung der sozialen Verantwortung („Corpoarte Social Responsibility“, kurz „CSR“) deutscher Unternehmen.
„100 Prozent der deutschen Bevölkerung sind gegen Kinderarbeit, 100 Prozent sind für Schnäppchen“. So prägnant beschrieb Dieter Overath, Gründungsgeschäftführers von TransFair e.V., das Problem, dem sich deutsche Unternehmen stellen müssen. Bei den heutigen Preiskämpfen, insbesondere in der Konsumgüterbranche, wird es immer schwieriger, die Balance zwischen sozialer Gerechtigkeit und billigen Preisen zu finden. Dieter Overath versuchte die Balance zu finden, indem er mit seinem ökonomischen Know-how aus Studium und ethnischem Wissen aus jahrelanger Arbeit bei Amnesty International den Verein TransFair gründete. TransFair vertreibt Produkte mit dem bekannten Fairtrade Logo, das nicht nur für soziale Verantwortung, sondern auch für die Einhaltung von Umweltkriterien gilt. Die Anzahl an Handelsketten, die Fairtrade Produkte anbieten, ist seit der Gründung 1992 stetig gestiegen. Nicht nur Warenkaufhäuser wie Karstadt, sondern auch die Discounterkette LIDL haben Reis, Kaffee, Bananen, Schokolade und viele weitere Produkte mit dem Fairtrade Logo in ihren Regalen. Um mit ihren Produkten Erfolg zu haben, setzt TransFair auf Vorteile für alle Beteiligten der Lieferkette. Den Produzenten sollen langfristige Entwicklungschancen angeboten werden, den Lizenznehmern soll die Möglichkeit gegeben werden, ihr Sortiment zu diversifizieren und ein positives Image aufzubauen und den Konsumenten soll eine Handlungsmöglichkeit gegeben werden, mit ihrem Kauf etwas zu bewirken.
„Unsere Stakeholder wollen und sollen auch sehen, dass unser Unternehmen eine nachhaltige Strategie fährt“, so Sören Stöber, Referent aus der Konzernkommunikation der Arcandor AG. Arcandor ging aus der ehemaligen KarstadtQuelle AG hervor, nachdem dem Touristikgeschäft mit Thomas Cook mehr Bedeutung zugemessen wurde. Dass sich Arcandor ausführlich mit Corporate Social Responsibility beschäftigt, zeigt sich schon in der Vorstandsstruktur, in dem zwei Vorstände mit dem Thema betraut sind. Zudem gibt es sowohl auf Holdingebene als auch auf Unternehmensebene Mitarbeiter, die sich ausschließlich mit CSR bzw. Nachhaltigkeit auseinander setzen. Die Arbeit in diesem Tätigkeitsbereich fängt in der Zusammenarbeit mit verschiedenen Organisationen, wie u.a. TransFair, an und geht bis zur Nachhaltigkeitskommunikation nach innen und außen.
Bei RWE ist Innovation und Nachhaltigkeit bereits im neuen Unternehmensslogan „VoRWEg gehen“ enthalten. Dr. Marita Hilgestock, studierte Naturwissenschaftlerin, ist für das Thema CSR bei der RWE als Managerin verantwortlich. Ihr Team besteht aus vier Mitarbeitern, das direkt dem Vorstand berichtet. Dass nicht nur die Konsumgüterindustrie, sondern auch die Energiewirtschaft großen Wert auf Corporate Social Responsiblity legt, belegte Marita Hilgenstock eindrucksvoll. Dazu gehörte auch der große Nachhaltigkeitsbericht, den sie unter den Anwesenden verteilen ließ. Dennoch machte sie auch deutlich, dass das Thema CSR vor allem den Mitarbeitern schwer näher zu bringen ist. Eine Schulung im eigentlichen Sinne ist eher kein probates Mittel, denn das Thema sei dafür zu dynamisch. Vielmehr ginge es darum, mit gezielten Einzelaktionen den Mitarbeitern soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit vorzuleben.
„Vor kurzem haben wir unsere komplette Fahrzeugflotte auf Sprit sparendere Modelle umgestellt“, so Sören Stöber in der anschließenden offenen Diskussionsrunde, „um Nachhaltigkeit gerade mit kleinen Schritten den Mitarbeitern näher zu bringen“. Sandra Knauer und Judith Voss-Stemping von der DCI moderierten die Runde, in der auf viele Fragen, aber auch auf Kritik der Teilnehmer eingegangen wurde. So stand es zum Beispiel zur Debatte, wie bei Arcandor sichergestellt wird, dass die vorgegebenen sozialen Kriterien von Lieferanten auch eingehalten werden. Insbesondere, wenn Lieferanten Aufträge an Sublieferanten weitergeben. Sören Stöber verwies dabei auf die Auditierungsprozesse von Arcandor, die bei den Lieferanten regelmäßig stattfinden. Er gab aber auch zu, dass vor allem die Kontrolle der Sublieferanten Handelsketten und Produzenten vor die größten Probleme stellen.
Bei anschließendem Kölsch und einem kleinem Snack ging die Diskussion zwischen Studenten, DCI Mitgliedern und Referenten direkt weiter. Erst am späten Abend endete das Kaminzimmergespräch „CSR“, für dessen Organisation die DCI Mitglieder von Studenten und Referenten viel Lob ernteten. Die DCI will diesen großen Erfolg im nächsten Kaminzimmergespräch fortsetzen.
(Quelle: DCI – Dynamic Campus Initiative e.V. an der Europäischen Fachhochschule Brühl, 19.08.2008)


