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Berliner JobCenter kommen ihrer Beratungspflicht nicht nach

Die Beratungsbus-Aktion vor den Berliner JobCentern des Berliner Arbeitslosenzentrums evangelischer Kirchenkreise e. V. (BALZ) ist erstmals in diesem Jahr wissenschaftlich untersucht worden.

Die von der Alice Salomon Hochschule Berlin unter der Leitung von Prof. Dr. Susanne Gerull verantwortete Begleitforschung beruht auf einer repräsentativen Umfrage unter insgesamt 550 Ratsuchenden am Bus zu ihren Erfahrungen mit dem JobCenter sowie zur unabhängigen Beratung durch Einrichtungen der Wohlfahrtsverbände.

Der jetzt vorliegende Abschlussbericht ergibt ein deutlich anderes Bild als die von den JobCentern selbst veranlassten Kundenbefragungen, die regelmäßig überwiegend positive Rückmeldungen zu deren Beratung und Service ergeben. „Die Sozialgesetzgebung in Deutschland verpflichtet die öffentliche Verwaltung zu umfassender Information und Aufklärung. Mehr als die Hälfte der befragten Arbeitsuchenden zeigt sich jedoch unzufrieden mit der Arbeit des für sie zuständigen JobCenters. Dabei handelt es sich keinesfalls um Pauschalkritik. Die einzelnen Arbeitsbereiche der JobCenter werden sehr differenziert bewertet“, erklärt Untersuchungsleiterin Susanne Gerull. „Am zufriedensten sind die Befragten noch mit der Freundlichkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“ Große Unzufriedenheit bestehe demgegenüber über den Zugang zur Leistungsabteilung und zu den Angeboten der Arbeitsvermittlung der JobCenter.

Ratsuchende können sich bei Fragen zum Arbeitslosengeld II oder Problemen mit dem JobCenter an Beratungsstellen der Wohlfahrtsbände richten. Allerdings sind diese Angebote weniger als der Hälfte der Befragten bekannt, und lediglich 32,2 % Prozent gaben an, dass sie eine solche Einrichtung schon einmal aufgesucht hätten. Eine deutliche Mehrheit ist erst durch die Beratungsaktion des BALZ auf entsprechende Angebote aufmerksam geworden. „Am Beratungsbus haben Hilfesuchende erstmals erlebt, dass sich jemand Zeit für ihr Anliegen nimmt, dass sie eine unmittelbare Beratung erhalten, ohne der Leistungsabteilung ihres JobCenters oder der Hotline hinterher telefonieren zu müssen“, wird im Abschlussbericht der Evaluation ausgeführt. So verwundere es nicht, dass sich viele Befragte das mobile Angebot einer vom JobCenter unabhängigen Beratung häufiger oder sogar „fest installiert“ wünschen.“

Aus den hohen Zustimmungswerten ginge hervor, dass der Beratungsbus mit seinem mobilen, niedrigschwelligen Angebot genau die Bedürfnisse derjenigen Menschen getroffen habe, die ihre Wünsche und Fragen im JobCenter selbst nicht oder nur schwer artikulieren könnten. „Solange die JobCenter nicht in der Lage sind, ihrer Beratungspflicht nachzukommen, müssen ausreichend unabhängige Beratungsstellen zur Verfügung stehen, um den hohen Bedarf an Information und Unterstützung zu decken. Im Zuge der anstehenden Umstrukturierungen ist dies dringlicher als je zuvor“, fordert Susanne Gerull daher im Abschlussbericht. Viele Arbeitslosenzentren in Berlin würden nur oder überwiegend mit Ehrenamtlichen oder Ein-Euro- Jobber(inne)n arbeiten. Eine qualifizierte, professionelle und finanziell abgesicherte Beratung sei aber zwingend erforderlich und das regelmäßige Angebot einer aufsuchenden Unterstützung wie der Beratungsbus in der sechswöchigen Aktion des Berliner Arbeitslosenzentrums eine notwendige Ergänzung in der Berliner Hilfelandschaft.

(Quelle: Alice-Salomon-Fachhochschule für Sozialarbeit/-pädagogik, 28.09.2010)

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