300 Quadratmeter mediale Installationen von Studierenden der Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW
Die Fassade des Basler Warenhauses Manor als ungewohnte und übergrosse Projektionsfläche für zehn Kunstprojekte.
Auf Einladung des Warenhauses Manor entwickelten Studierende und Alumni der Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW zehn individuelle Beiträge für die mediale Grossinstallation an der Fassade von Manor an der Greifen- und Utengasse inmitten von Basel.
Bis zum 24. Dezember 2011 sind die Arbeiten der Studierenden zu sehen.
Die an der Fassade des Warenhauses Manor montierten 51 Bildschirme bilden die grösste interaktive Videofläche dieser Art in Europa. Die Fassade kann durch das Publikum aktiv via SMS/MMS, Internet aber auch durch persönliche Anwesenheit mitgestaltet werden. Besondere Highlights - so Manor - stellen zudem eine faszinierende Kunstinstallation der international erfolgreichen, in Paris lebenden norwegischen Multimedia-Künstlerin Pia MYrvoLD und die Auftritte der Hochschule für Gestaltung und Kunst dar.
Zu den Arbeiten:
Drei Studierende aus dem Studiengang Master of Fine Arts und sechs ehemalige Studierende, die unter dem Namen «artumult» arbeiten, haben individuelle Beiträge für die mediale Manor-Fassade entwickelt.
Die Arbeit von Philipp Madörin «SpacePoint (series)» gewährt Einblicke in eine virtuelle Landschaft. Durch eine unendliche Weite, die sich in Weiss auflöst, bewegen sich scheinbar schwerelos schwarze Rechtecke, welche ein Spiel mit den Fenstern des Gebäudes beginnen. Mal gewähren sie den Einblick, mal versperren sie ihn.
Die Animation «Also tanzen wir» von Simon Krebs inspiriert sich bei Walt Disneys «Skeleton dance», nimmt Anleihen bei Märchen und bezieht sich auf die bildnerische Darstellung des Totentanzes. Ein witziges Spiel wird an die Media Wand geworfen, das uns verschmitzt innehalten lässt und uns in eine cartoonhafte Welt entführt.
Sebastian Mundwilers Video «creation» befasst sich mit der Metapher der Schöpfungsgeschichte des alten Testaments. Spielerisch werden Skizzen von Hand erstellt, die sofort wie von Zauberhand «echt» werden und sich in bewegte Bilder verwandeln. Die Arbeit funktioniert als Schleife (loop) und hinterfragt somit auch das Konzept der künstlerischen Schöpfung sowie des kreativen Aktes, welcher einmalig sein will aber wiederholbar sein kann. Fiktion und Realität werden einander gegenüber gestellt.
Das Video und Performanceprojekt «Aug zu Mund» der Gruppe Artumult zeigt die Sinnlichkeit der Vielfalt, welche durch verschiedene Formen, Kulturen und Sprachen ermöglicht wird. Auf der Aussenfassade der Manor werden Augen und Mund von den Künstlern projiziert, welche Kontakt mit den Passanten aufnehmen. Zeichen werden gesendet – Was wird gesagt? In Kombination mit unserer Life-Performance am 8.12 stellt sich die Frage, ob die Blicke, Mundbewegungen und Schriftzüge auf der Sendefläche den Geschehnissen auf der Strasse angepasst sind, ob sie live übertragen werden oder die Wirklichkeit nur scheinbar verstärken.
Die Studierenden des Schwerpunkts Interaktion im Studiengang Visuelle Kommunikation beschäftigten sich über einen Projektzeitraum von sechs Wochen mit dem Erstellen von interaktiven und reaktiven Arbeiten für die Mediale Fassade der Manor. Dabei wurde besonderen Wert auf die reflektierte Auseinandersetzung mit der kulturellen Bedeutung von architektonischen Lichtinszenierungen gelegt und die Frage gestellt, ob diese neben einem kurzfristigen Ereignis auch dauerhaft kulturell relevant sein können.
So verstehen Nico Kühne und Gaëlle Renaudin in ihrer Arbeit «Public Opinion» das Zeichnen als eine demokratische Kulturtechnik, die es den Passanten erlaubt, das Erscheinungsbild der Manor mithilfe eines mobilen Touchscreens individuell zu beeinflussen und handschriftliche Nachrichten zu hinterlassen.
Das Projekt «Ich, Greifengasse 22» von Stefan Cecere, Linda Dagli Orti und Jeremy Däpp dagegen greift die widersprüchliche Besinnlichkeit des Monats Dezember auf, indem es die klangliche Ruhe oder Hektik der Greifengasse durch ein mysteriöses Schattenspiel visualisiert. «Kathedrale» von Alexandra Kaufmann und Leila Kuenzer verwandelt das Kaufhaus der Manor in eine funkelnde Kathedrale aus Licht, welche katholische Buntglasinszenierung des Mittelalters abstrahiert.
Das Projekt «Im Blick» von Bettina Schneebeli verleiht der Fassade die Möglichkeit, die Blicke der Vorbeigehenden zu erwidern und bricht somit das einseitige Beobachten im öffentlichen Raum auf.
Die Visualisierung «EUR/CHF» des Dozenten Ludwig Zeller wiederum thematisiert die schwer zugänglichen Prozesse an den internationalen Währungsmärkten, indem es die Echtzeitentwicklung des Wechselkurses zwischen Euro und Schweizer Franken als Lichtspiel abbildet.
Ebenfalls gezeigt wird die Arbeit «TEXT2IMAGE» des wissenschaftlichen Mitarbeiters Ted Davis, welche die digitale Konstruktion komprimierter Bilder durch gezielte Eingriffe in der Ursprungsdatei auflöst.
(Quelle: FHNW, 02.12.2011)


