Forschungspreis 2009 für Biomedizin
Die diesjährige Preisträgerin ist Dr. Caroline Coisne vom Theodor-Kocher-Institut der Universität Bern. Sie zeigte mittels Videomikroskopie, wie das Medikament Natalizumab (Tysabri®) im Organismus wirkt. Natalizumab wird eingesetzt, um Multiple Sklerose (MS) zu behandeln. Bei dieser Autoimmunerkrankung greifen die T Zellen des Immunsystems das zentrale Nervensystem (ZNS) an.
Mit Hilfe eines Moleküls, das sich auf der Oberfläche der T Zellen befindet, docken diese an der Blut-Hirn-Schranke an – einer physiologischen Barriere, die das Gehirn vor Krankheitserregern schützt. Im ZNS starten die T Zellen ihren Angriff auf die Isolationsschicht der Nervenzellen und lösen so das für die Multiple Sklerose typische klinische Erscheinungsbild aus. Caroline Coisne stellte in einer erster Untersuchung fest: Natalizumab blockiert erfolgreich das «Blut-Hirn- Schranken-Andock»-Molekül und hindert somit die T Zellen daran, ins ZNS einzudringen.
Unbekannt ist jedoch, ob das Medikament auch die Einwanderung anderer Immunzellen hemmt. Caroline Coisne möchte nun mittels Live-Videomikroskopie die Einwanderung weiterer Immunzellpopulationen in das ZNS untersuchen. Ihr Ziel ist es, nur die MS-verursachenden Immunzellen an der Passage der Blut-Hirn-Schranke zu hindern, während andere Immunzellen, welche die Immunüberwachung des ZNS sicherstellen, in ihrer Einwanderung nicht eingeschränkt werden sollen. Mit diesem Wissen liessen sich spezifischere und sicherere MS-Therapien ableiten.
(Quelle: Universität Bern, 05.11.2009, veroeffentlicht, 11.11.2009)


