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Bessere Lehre dank Forschung?

Studieren wird heutzutage von Studenten vor allem als eine Art Berufsausbildung angesehen. In den realitätsnahen Seminaren soll auf lebendige Art und Weise ein Eindruck des späteren Berufes vermittelt werden. Wie antiquiert wirkt da auf den ersten Blick die klassische Forschung, die theoretische Auseinandersetzung mit einem speziellen Fachgebiet. Arbeiten dort alte Professoren mit ihren ausgesuchten Hilfskräften abgekapselt in einem verstaubten Labor? Matthias Kleiner behauptet etwas anderes.

Bessere Lehre dank Forschung?

Matthias Kleiner ist Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), er kennt sich im Bereich der Forschung an Hochschulen bestens aus. Somit sollte er wissen, dass mit Einführung des Bachelor-Studiums die Inhalte kompakt und komprimiert vermittelt werden und zeitraubende Vorgänge wie etwa die Selbstverwirklichung in einer ausdauernden Forschung ausgespart werden. Im Interview mit dem DSW-Journal versucht er dagegen, ein anderes Bild von Forschung im Unialltag aufzuzeigen.

"Das gilt gerade für die Bachelor-Ausbildung nicht. Sie kann sich nicht nur auf bekanntes Wissen von gestern stützen, sondern muss ganz aktuelle Lehrinhalte haben, die dann auch verzahnt sind mit der Forschung."

Aktuelle Lehrinhalte kommen immer gut an. Doch Forschungsprojekte in Laboren wirken altmodisch und scheinen keinen vorzeigbaren Nutzen zu haben. Die Betonung der Lehre erscheint aktueller und sinnvoller, denn schon große Kulturforscher wie Humboldt sahen in der Bildung des Menschen die wichtigste Aufgabe der Universität.

"Wir kennen ja alle dieses Postulat der Einheit von Forschung und Lehre, das humboldtsche Ideal. Häufig wird es so gedeutet: Vergesst vor lauter Forschung die Lehre nicht! Ich würde es andersherum formulieren."

Andersherum, da die Anhebung des Forschungsniveaus eine Universität generell besser in Schuss bekommen würde. Ein gut ausgestattetes Labor kann auch für die Lehre hilfreich sein. Über Forschung kann Kontakt zu Unternehmen und Industrie hergestellt werden. Und außerdem funktioniere in einer strukturierten Universität auch die Verwaltung besser. Und eine funktionierende Verwaltung gehört wohl zu den größten Träumen eines jeden Studenten.

Matthias Kleiner schafft es allerdings nicht, das Vorurteil der "Forscher" als abgekapselte, elitäre Gruppe vollkommen auszuräumen. Er bringt die Forschung nämlich rasch mit der sogenannten Exzellenzinitiative in Verbindung. Dieses lange Wort steht für die Ausbildung von Elite-Unis. Ein wichtiges Kriterium für deren Entstehung ist die Einwerbung von Drittmitteln, die z.B. von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gestellt werden. Naturwissenschaftliche, medizinische und ähnliche Studiengänge werben diese Mittel für den Erwerb von Geräten und Maschinen an. Da die Maschine der Geisteswissenschaftler aber der Kopf ist, benötigen sie keine größeren Ausgaben und sind somit automatisch benachteiligt.

Die Göttinger Universität ist z.B. für "Neurosciences and Molecular Biosciences" ausgezeichnet worden. Ein spezielles Forschungsgebiet, das aber keineswegs den gesamten Studierenden zugutekommt. Ausschlaggebend für eine Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft ist nach Kleiner ausschließlich die Qualität und Originalität. "Die Beteiligung von Studierenden und deren Profit als Kriterium zu nehmen und dann zu sagen, das finanzieren wir oder nicht – da hätte ich meine Probleme." Doch genau dadurch beschränken sich die Fördermittel für Forschung auf einige ausgewählte Gebiete. Wenn die Vorteile der Verzahnung von Forschung und Lehre also für alle Studenten gelten sollen, sollten nicht nur Eliten, sondern sämtliche Bereiche einer Universität gefördert werden. Diesen Ausblick liefert Matthias Kleiner nicht.

Christoph Schlüter

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