Zwei Länder, zwei Abschlüsse und jede Menge Erfahrungen...
Viele Wege führen ins Ausland. Während des Studiums nutzen viele Studenten die Chance, für ein oder zwei Semester Erfahrungen in einer anderen Kultur zu sammeln und ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Doch neben dem klassischen Auslandssemester gibt es noch andere attraktive Programme, die einem den Weg ins Ausland ermöglichen, wie zum Beispiel das Doppeldiplom. Dabei handelt es sich um ein Austauschprogramm, bei dem die Studenten sowohl ihr deutsches Diplom als auch einen Abschluss im Ausland machen - und das alles innerhalb der Regelstudienzeit. Voraussetzung ist, dass die Universität einen Kooperationsvertrag mit einer ausländischen Hochschule abgeschlossen hat und ein Doppeldiplomprogramm für den gewünschten Studiengang anbietet.
In Deutschland gibt es zur Zeit über 200 solcher Programme, Tendenz steigend. Das Angebot umfasst dabei die unterschiedlichsten Studiengänge. So können z.B. Politikwissenschaftler aus Münster einen Teil ihres Studiums im französischen Lille, Elektrotechniker der HTW Dresden im schwedischen Gävle oder BWL-Studenten der TU Freiberg an der Wirtschaftsakademie Poznan in Polen verbringen.
Der Aufbau der Doppeldiplomprogramme ist von Uni zu Uni unterschiedlich. So wechseln die Politikwissenschaftler in Münster zum Beispiel jährlich zwischen ihrem Studienort in Nordrhein-Westfalen und Lille in Frankreich. Sie verbringen also das erste und dritte Studienjahr in Deutschland und das zweite und vierte Studienjahr in Frankreich. Informatikstudenten der TU-Berlin ist es hingegen erst nach Beendigung ihres Vordiploms, also ab dem 5. Semester, gestattet, ihr Studium in Shanghai fortzusetzen.
Vorteilhaft sind, neben Auslandserfahrung und erweiterten Fremdsprachenkenntnissen, vor allem die zwei Abschlüsse, die den Beginn einer internationalen Karriere deutlich erleichtern. Aber auch im Inland steigen mit einem Doppeldiplom die Chancen auf dem Arbeitsmarkt.
Ein Nachteil des Doppeldiplomprogramms ist die sehr arbeitsintensive Studienzeit. Die Studenten müssen, um den ausländischen Abschluss erreichen zu können, trotz möglicher Sprachbarrieren, im Ausland das gleiche Niveau wie einheimische Studenten halten können.
Die Teilnahme an einem Doppeldiplomprogramm ist also in jedem Fall eine wertvolle Erfahrung, die, im Gegensatz zu üblichen Auslandssemestern, mit einem zusätzlichen Abschluss belohnt wird. Eine Teilnahme sollte jedoch auch reiflich überlegt und gut vorbereitet sein, da der Arbeitsaufwand höher ist, als bei einem einfachen Abschluss.
Ein Interview mit dem Studenten Michael Kohlstedt, der an einem Doppeldiplomprogramm teilnimmt, finden Sie hier .
Von Judith Mühr


