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Kreativität im Studium

Kreativität ist im Studium unerlässlich – vollkommen egal, was man studiert. Du bist im Studium nicht nur dazu da, Texte von berühmten Mathematikern, Philosophen oder Psychologen zu verdauen. Du sollst die Texte begreifen, sie hinterfragen, mit ihnen spielen und auch etwas Eigenes entwickeln. Spätestens bei der Abschlussarbeit muss man das nämlich und ohne deine im Studium entwickelte Kreativität schaffst du das nicht.

Kreativität im Studium

Das Studium kann ein harter und zäher Kampf sein. Im Bachelor gibt es jede Menge benotete Prüfungen, Klausuren und Referate. Da kann der Spaß schon einmal auf der Strecke bleiben und die anfängliche Freude aufs Studium ist verflogen. Aber frag dich doch einmal: Warum willst du eigentlich studieren? Selbst wenn du dich nur für deinen späteren Beruf vorbereiten möchtest, hast du ja ein Interesse an deinem Fachgebiet. Und Interesse und Kreativität gehören zusammen!

Wie war ich als Kind?

Nehmen wir die Aufgabe: „Stellen Sie das Entwicklungsmodell im Säuglings- und Kindesalter von Margaret Mahler vor.“ Woran denke ich? Ich denke an Kinder aus meinem familiären Umfeld. Ich versuche, mich an mein Verhalten als Kind zu erinnern. Ich diskutiere mit Kommilitonen über ihre Kindheit. Zusammen kreieren wir unterschiedliche Kinder und vergleichen, ob sie in das Modell passen. In diesen Überlegungen steckt sehr viel persönliche und kreative Tatkraft.

Übrigens ist auch das Verstehen eines Textes meiner Meinung nach nur kreativ möglich. Nehmen wir ein Beispiel aus der Geschichte: Eine Kampfschrift für die Freiheit in den Zeiten der Französischen Revolution kann man zunächst nur schwer begreifen. Schließlich sind viele damals gestellte Forderungen heutzutage erfüllt und im Grundgesetz festgehalten. Ich muss mich also in eine Zeit hineindenken, in der große Hungersnot und absolute Machthaber herrschten. In meinem Kopf erschaffe ich Bilder wie den wilden Revoluzzer und den unerbittlichen König.

Das mag vielleicht simpel klingen, doch für das eigene Verständnis von Texten ist der kreative Prozess sehr wichtig. Mathematische Formeln wurden ja auch nicht durch bloßes Nachrechnen alter Theorien entwickelt sondern durch kreative Neuerschaffungen. Sonst wäre die Erde heute noch immer eine Scheibe!

Damit meine ich nicht, was viele Studenten von kulturellen Studiengängen unter „Neuschaffungen“ verstehen: Das Alte kaum begreifen, daraufhin alles über den Haufen werfen und irgendetwas Neues daraus zaubern. Allein der erste Schritt „das Alte zu begreifen“ ist schon schwer genug und eine kreative Aufgabe für sich. Je älter der Text ist, desto mehr muss man ihn mit seiner eigenen Situation vergleichen und das gelingt nur unter der Aufbietung von Kreativität. Was sagt mir der französische Revoluzzer über das heutige Deutschland?

Interkulturelle Kreativität

Kreativ wird es auch, wenn du dich von Frankreich und Deutschland bis nach Asien bewegst. Auslandspraktika, Fremdsprachen und andere Kulturen gehören zu unserem Studium dazu. Stell dir vor, du verbringst ein Auslandssemester in China. In diesem riesigen Land zählt der Einzelne nicht viel, ganz einfach weil dort 1,3 Milliarden Menschen wohnen. Eine aus China stammende Kommilitonin versuchte einmal mir klarzumachen, dass der Ausschluss eines chinesischen Angestellten vom gemeinsamen Mittagessen der Mitarbeiter die schlimmste Strafe für ihn sei. In Deutschland ärgert man sich darüber, in China bricht für den Angestellten eine Welt zusammen.

Nun kannst du in China weder mit deinem deutschen Verständnis von Individualität Erfolg haben, noch den dortigen Gruppengedanken vollkommen übernehmen. Du musst dich auf die Mentalität einlassen, mit ihr spielen, brauchst sie aber nicht zu ernst nehmen. Und dich selbst und deine Kultur? Darfst du ebenfalls nicht zu ernst nehmen, auch sie musst du verändern, umgestalten.

Spielerisch an Veränderungen heranzugehen, ist kreativ. Kreative Gedanken sind locker, flexibel, offen. Du übernimmst nicht wahllos, aber du überdenkst wahllos. Du diskutierst mit den Chinesen, warum sie nicht noch mehr eigene Freiheiten haben wollen. Du fragst den Professor, weshalb das Referat unbedingt eine Stunde dauern muss, wenn du deiner Meinung nach in einer halben alles unterbringen kannst. Du entwickelst eigene Ansätze und vertrittst sie.

Kreative Bachelorarbeit

Dazu bist du nämlich spätestens bei der Verfassung deiner Bachelorarbeit gezwungen. Die Auswahl deines Themas, die Suche oder die Diskussion um die passende Fragestellung, das Recherchieren, die Auswahl aus einer Reihe von Fakten – all das erfordert Kreativität und selbstbestimmtes Handeln. Und schließlich musst du auch die gesamte Arbeit selbst schreiben und formulieren. Die gefürchteten Schreibblockaden treten vor allem bei mangelnder Einbildungskraft auf.

Nimmst du diese Blockaden zu ernst, werden sie nur noch größer. Wenn du sie aber spielerisch umgehst, ein paar Assoziationen aufschreibst, ein wenig phantasierst, dann verschwinden sie wie von selbst. Es gibt nicht nur eine Formulierung sondern Dutzende. Verfügbar sind sie jedoch nur bei einem großen Maß an Kreativität. Sei kreativ!!!

Christoph Schlüter

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