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Käsebrötchen zwischen Redaktion und Hörsaal – der ganz normale Wahnsinn einer Göttinger Studentin

Manchmal glaube ich, ich mache irgendetwas falsch. Wage ich mich irgendwo unter „Nicht-Studenten“ zu erwähnen, das ich ein stressiges Leben führe, erhalte ich dafür nur schallendes Gelächter. Alle erwarten irgendwie ein Klischee, von dem ich in meinem Jahr Studentenleben noch nicht viel mitbekommen habe: Ausschlafen, Faulenzen, Feiern... und das Rund um die Uhr. Stattdessen ist das, was ich tagein tagaus erlebe von einer ganz anderen Welt...

Ohne Studentenjob gehts nicht...
Ohne Studentenjob gehts nicht...

Und das ist mein ganz persönlicher Studententag:

8:52 Uhr (ja ja ein bisschen ausschlafen darf einem ja gegönnt sein) Meine neue Mitbewohnerin klaut mir meine letzten acht Minuten wohlverdienten Schlaf, indem sie in der Küche ein Höllen-Spektakel veranstaltet. Da ich sie kenne, stehen mir die Haare zu berge, weil ich genau weiß, dass sie nicht nur Lärm sondern auch jede Menge Schmutz verbreitet. Merke: Ich muss ihr dringend eine Moralpredigt halten.

9:00 Uhr Mist ! Nun klingt sich auch der Wecker in das Spektakel ein. Die „Radiotante“ begrüßt mich mit einer Meldung zu Stau auf der A7 vorm Elbtunnel. Mal wieder hat so ein idiotischer Trucker die Höhenkontrolle ausgelöst. Merke: Wecker auf fünf vor neun stellen, das erspart nervige Verkehrsmeldungen. Mit Musik beginnt der Tag doch gleich viel angenehmer.

9:10 Uhr Nach zehn Minuten ernsthaftem Nachdenken über Studienabbruch oder Kündigung bin ich jetzt doch aufgestanden, gucke aus dem Fenster und stelle fest: Es regnet in Strömen. Halleluja. Für eine Frau gibt es nichts Schlimmeres als mit nassen Haaren durch die Uni zu laufen. Für Omas gut gemeintes Regenkap bin ich dann aber auch zu eitel. Merke: Monatskarten für den Bus lohnen sich halt manchmal schon, Mama muss unbedingt überzeugt werden, dass der Herbst fürs Fahrrad-Fahren viel zu kalt ist.

9:30 Uhr Nach einem zehnminütigen Kampf mit meinen Kontaktlinsen, dem Versuch meine schwarzen Augenringe mit jeder Menge Make-Up zu überdecken und mich in die Röhrenjeans zu zwängen sowie dem Herzstillstand, als ich die Küche betreten habe, stehe ich nun am Spülbecken und muss mir erstmal die Schüssel für meine Cornflakes aus dem riesigen Haufen Abwasch „frei-spülen“. Merke: Wir brauchen mehr Müsli-Schüsseln.

9:45 Uhr Stehe nun vor meinem Fahrrad (es hat zum Glück aufgehört zu regnen) und versuche vergeblich den Sattel zu trocknen. Es gibt nichts peinlicheres als einen nassen Hintern. Merke: Eine Tüte hält den Sattel trocken und schenkt mir fünf Minuten mehr Schlaf.

10:00 Uhr In der Uni angekommen (übrigens mit nassem Hintern) bahne ich mir den Weg zum Computerzentrum, wo ich in einer 1 ½stündigen Druck-Aktion meinen leeren Drucker-Toner daheim ausbaden muss. Nach knapp 500 Seiten hat sich mein Guthaben um 5 Euro verkleinert und mein Ordner mehr als verdoppelt. Merke: Nicht über das Gewicht beschweren, lieber über die Arbeit, wenn man das alles lesen musst.

11:40 Uhr Wieder aus dem Muff des Computerzentrums heraus gekämpft, stehe ich nun im Druckzentrum und lasse mir den Batzen Papier zu einem „Reader“ binden. Der Mann hinter der Theke ist entsetzt und bemitleidet mich, als ich ihm erzähle, dass ich das ganze Zeug nicht nur mit mir herumtragen, sondern auch lesen muss. Merke: Der eintönige Job als „Binder“ scheint entspannender zu sein als mein Leben. Ich werde über einen Jobwechsel nachdenken.

12:15 Uhr Endlich ein bisschen Ruhe. Vorlesung ! Das heißt nun endlich zurücklegen, entspannen und bequatschen lassen. „Islamologie“... überhaupt nicht mein Thema, unglaublich uninteressant aber leider Pflichtmodul. Merke: Die Vorlesung ist sinnlos, das Skript tut es auch, am nächsten Monat wird in der Zeit Kaffee getrunken.

13:00 Uhr Die Vorlesung ist vorbei und ich befinde mich schon wieder auf dem Fahrrad, auf dem Weg in die Redaktion. Leider bin ich nicht Kind von reichen Eltern und Mama und Papa auf der Tasche liegen, will ich auch nicht. Wenigstens muss ich nicht Bier tragen bzw. Leuten Hosen oder Brötchen verkaufen. Da lobe ich mir doch die drei Stunden Arbeit am Computer, die mir neben Geld zwar Kopfschmerzen aber auch ein wenig hilfreiche Arbeitserfahrung verschaffen. Hier ein Artikel, dort ein Interview, da eine Pressemitteilung, so vergeht die Zeit. Merke: In mein Fach müssen neben den ganzen Unterlagen dringend auch Kopfschmerztabletten.

16:00 Uhr Nachdem ich eben schnell auf dem Weg eine Käsebrötchen gekauft habe, stürme ich nun ein wenig zu früh in den Seminarraum und suche mir einen Platz möglichst weit hinten. Das Wochenende verging irgendwie schneller als ich dachte und so hab ich nur ungefähr 1/3 dessen vorbereitet, was ich eigentlich hätte tun sollen, um ordentlich mitzuarbeiten. Also heißt es Kopf einziehen und ab und an freiwillig einen qualifizierten Kommentar abgeben, wenn mir was Intelligentes einfällt. So spart man Arbeit und kommt am Ende doch noch auf eine recht ansehnliche Note. Merke: Das hat gut geklappt heute, ab nächster Woche lese ich gar keinen der Texte.

19:00 Uhr Na toll, endlich komme ich aus meinem Seminar und draußen ist es stockdunkel. Damit ist der Tag wohl gelaufen... aber noch lange nicht vorbei. Jetzt geht’s weiter... ab in die Bibliothek... Kopieren. Manche Professoren haben einfach noch nicht das tolle Medium Internet entdeckt und hängen immer noch an ihren Handapparaten von vor 30 Jahren. Merke: Ein toller Kritikpunkt fürs Studierendenparlament.

20:00 Uhr Nach weiteren 15 Minuten Fahrradfahren komme ich beim Roten Kreuz an. Weil ich ja sonst nichts zu tun habe, bin ich nebenbei noch so verrückt mich freiwillig zu engagieren und fahre jeden Montag-Abend noch zum Dienstabend. Wie irre von mir. Aber wenigstens geht man dann Abends ins Bett und hat das Gefühl neben Geld verdienen und Studieren auch noch was für Andere geleistet zu haben. Die folgenden zwei Stunden sind im Gegensatz zum Rest des Tages absolute Erholung. Trotz des leidigen Themas „Fahrzeugkunde“, endlich Leute um mich, mit denen ich einfach mal ganz locker quatschen und albern kann. Es ist halt doch ein Hobby, nichts anderes. Merke: Nie wieder daran denken, das DRK aufzugeben, im Rückblick auf den Tag, ist es Entspannung pur.

22:15 Uhr Endlich daheim, nach knapp 12 Stunden auf den Beinen. Jetzt beginnt, 2 Stunden vor Mitternacht, der angenehme Teil des Tages. Doch obwohl ich mich den ganzen Tag darauf gefreut habe, fällt das Telefonat mit meinem Freund doch recht kurz aus und mir fallen schon im Bad vorm Spiegel die Augen zu. Merke: Erst Kontaktlinsen raus, dann telefonieren... das macht die Sache einfacher.

23:30 Uhr Ich schlafe schon tief und fest, während meine Mitbewohnerin (Erstsemester) in die Wohnung gestolpert kommt. Ach war das eine schöne Zeit :-) Merke: Im nächsten Leben genieße ich die ersten Monate des Studiums mehr. Da gab es noch das, was in aller Munde nur als – lockeres Studentenleben – bezeichnet wird.

Von Juliane Pohl

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