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Der lange Weg zum Dokumentarfilm

„Wir sollten nur den Ton des Interviews verwenden, das Licht ist bei dieser Szene einfach zu schlecht gesetzt", regt Nadine Schulze die Diskussion in der Arbeitsgruppe an. Vor diesen und anderen Problemen stehen die Stundenten des CVAs (Curriculum Visuelle Anthropologie). Im Rahmen ihres Studiums der Kulturanthropologie müssen die Göttinger Stundenten einen Projektschein erwerben und einige von ihnen entschieden sich, diesen im CVA zu machen. In diesem Projekt lernen die Hochschüler viel über Dokumentarfilme. Nach vier Semestern harter Arbeit können sie ihren eigenen Film präsentieren. Doch zuvor müssen sie noch einige Stolpersteine überwinden.

Diskussionen am Schneidetisch
Diskussionen am Schneidetisch

Zur Zeit befinden sich die Studenten des CVAs im zweiten Semester des Projekts und vornehmlich an den Schneidetischen. Doch hier hin führte sie ein langer Weg, der vor einem Jahr damit begann, eine Vielzahl von Dokumentarfilmen anzuschauen, zu analysieren und zu diskutieren. Doch mit der Vermittlung der Grundlagen in der Filmtheorie war es noch längst nicht getan. Eine besonderen Platz nahm auch die praktische Arbeit ein, es ging daran selbst zur Kamera zu greifen und Bilder einzufangen, doch das ist gar nicht so leicht, wie es vielleicht klingen mag. Zuerst einmal muss der Umgang mit der Technik gelernt werden. Welchen Filter muss ich bei Kunstlicht benutzen? Wo setzte ich Licht um den Protagonisten so gut wie möglich in Szene zu setzen? Wozu macht man eigentlich einen Weißabgleich? All diese Kniffe wurden in verschiedenen Gruppenarbeiten gelehrt, dazu kamen die ersten kleinen Übungsaufgaben. Zuerst sollte eine einfache Alltagshandlung gefilmt werden, dann folgte ein Interview in einer Wohngemeinschaft. Bei all diesen Übungen sammelten die Studenten schon Erfahrung um dann motiviert und gut vorbereitet ins zweite Semester zu starten.

Im Mai diesen Jahres fuhr die ganze Gruppe des CVAs nach Detmold ins Museumsdorf um dort die Arbeit eines Freilichtmuseums in bewegten Bildern festzuhalten. Von den Besuchern über die Restauratoren bis hin zu den Wissenschaftlern wurden alle Beteiligten befragt und gefilmt. Die Gruppe von Nadine interviewte die Restauratoren und begleitete sie mit der Kamera bei ihrer Arbeit. Trotz des herzlichen Empfangs durch die Mitarbeiter des Museums taten sich einige Schwierigkeiten auf. Der noch nicht ganz routinierte Umgang mit der Kamera und den unbekannten Protagonisten waren eine große Herausforderung. Da passierte es schon einmal, dass vor lauter Nervosität die Kamera während des Interviews verrutschte, der Schwenk etwas wackelig geriet oder man im Interview eine Frage stellte, die der Befragte längst beantwortet hatte. Doch aus Fehlern lernt man bekanntlich und so kamen alle Beteiligten um viele Erfahrungen und eine Menge Filmmaterial reicher zurück nach Göttingen.

Jetzt ist die Exkursion beendet und die Bilder sind im Kasten. Doch die Arbeit ist noch lange nicht abgeschlossen. Es geht jetzt darum die Bilder zusammenzuschneiden. „Eine anstrengende Arbeit, aber auch sehr spannend. Man macht mal etwas anderes als nur Texte zu lesen", berichtet Anikke Knierim. Nun sitzen die Gruppen also vor den Computern, raufen sich ein ums andere mal die Haare, weil der Umgang mit dem Schneideprogramm Probleme bereitet. Die Gruppe bestellt sich erst einmal eine Pizza um dann gestärkt die Stunden vor den Schneidetisch zu verbringen. Doch Unterstützung gibt es auch von den Dozenten und Tutoren. Sie helfen wo es geht, sowohl bei inhaltlichen als auch bei technischen Fragen. Die Gruppe von Annike und Nadine steht nun vor der schwierigen Aufgabe 100 Minuten Filmmaterial in langer Arbeit zu sichten, zu protokollieren und letztendlich auf etwa fünf Minuten zu kürzen. Auf dass am Ende des Semesters alle Teile der verschiedenen Gruppen zu einem Film über das Freilichtmuseum Detmold zusammengeschnitten werden können.

Doch diese Übung war nur die Generalprobe für das, was da noch kommt. In den folgenden zwei Semestern werden Filmkonzepte erarbeitet und dann der Abschlussfilm gedreht. Damit stehen den Studenten noch viele Stunden mit der Kamera auf der Schulter bevor. Viele der Projekt-Teilnehmer können sich vorstellen einmal als Filmemacher zu arbeiten. Doch der Weg dahin ist lang und niemand weiß, wer später die Möglichkeit bekommt als Dokumentarfilmer arbeiten zu können.

Von Anna-Maria Brinkop

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