Teil 3: Rund um Arbeitsplatz und Arbeitsmaterialien - Worauf es sich bei der Bewerbung um eine Doktorarbeit zu achten lohnt...
Jeder Doktorand sollte vorab fragen, ob er einen Arbeitsplatz gestellt bekommt oder zu Hause arbeiten muss/kann. Werden zur Auswertung von Daten spezielle Computerprogramme benötigt? Müssen diese selbst gekauft werden? Sind die Daten, mit denen gearbeitet wird, vertraulich? Ist der Arbeitsplatz im Institut ruhig und jederzeit zugänglich? Wie kommt man an die Arbeitsmaterialien? Es gibt unendlich viele Fragen rund um dieses wichtige Thema.
Arbeitsplatz der Biologie-Doktorandin Johanna war ein „Zweier-Labor“ mit zwei Versuchsapparaturen. In Johannas Probezeit stellte sich schnell heraus, dass sich in Wirklichkeit fünf Doktoranden eine Apparatur teilen mussten, da die zweite seit Monaten kaputt war. Es hingen Zeitpläne aus, an die sich de facto niemand hielt. Stattdessen galt das Prinzip ‚wer zuerst kommt und am längsten bleibt…’. „Es gab ganze Wochen, an ich überhaupt nicht voran kam“, erinnert sich Johanna, „das war ziemlich frustrierend. Gebessert hat sich die Situation erst, als zwei Doktoranden fertig wurden und die zweite Apparatur endlich repariert wurde.“
Medizinstudentin Jasmin hatte ein ganz anderes Problem. Nachdem sie sich als Doktorandin eingearbeitet hatte, erwähnte ihr Betreuer beiläufig, dass es zwingend zur Arbeit gehöre, am Bereitschaftsdienst für den Transport von Spenderorganen teilzunehmen. Sie war wenig erfreut, da diese unbezahlte Tätigkeit thematisch nichts mit ihrer Doktorarbeit zu tun hatte. Und dafür hätte sie noch extra ein Urlaubssemester einschieben müssen. Auf das größte Problem machte sie aber erst ein Bekannter aufmerksam: Da Jasmin keine Angestellte der Klinik war und nicht mal einen Doktorandenvertrag hatte, war sie auch nicht versichert. Ein Wegeunfall oder ein im Bereitschaftsdienst entstandener Sachschaden etwa – niemand außer Jasmin allein wäre verpflichtet gewesen, dafür aufzukommen. Enttäuscht entschied sie sich, abzubrechen und sich ein neues Thema in einer anderen Abteilung zu suchen.
Auch Franziska hatte keine Mitarbeiterstelle, sondern finanzierte sich durch Nebenjobs und Aushilfstätigkeiten. Im Institut war ihr ein Arbeitsplatz zur Verfügung gestellt worden, den sie jedoch allein für die Berechnungen nutzte. Die Bibliothek wurde Franziskas bevorzugter Ort zum Schreiben ihrer Arbeit. Ihr Doktorvater wünschte mehrfach, sie täglich acht Stunden im Institut zu sehen. Franziskas Einwände, dass das aufgrund ihrer Nebenjobs nicht möglich sei, interessierten ihn nicht. Da Professoren erfahrungsgemäß öfters mal weltfremde Wünsche haben, blieb Franziska einfach bei ihrer Arbeitseinteilung und wartete, was passiert. Mehrere diskussionsreiche Monate verstrichen und irgendwann ließ Franziskas Doktorvater sie wortlos gewähren.
Thomas hatte zunächst ebenfalls keine Mitarbeiterstelle, trotzdem ließ ihn sein Professor bereits nach ein paar Wochen die Hausarbeiten und Klausuren der Studenten korrigieren. Das kostete Thomas viel Zeit, dennoch arbeitete er in der Hoffnung auf einen baldigen Mitarbeiter-Vertrag alles in der vorgegebenen Zeit ab. Wie schon früheren Doktoranden bot Thomas’ Professor auch ihm am Ende des Semesters tatsächlich eine Stelle im Institut an. Der fleißige Jurist weiß jedoch, dass das ein seltener Glücksfall war. Anderen Doktoranden rät er, spätestens nach zwei Semestern unbezahlter Arbeiten gezielt beim Doktorvater um eine Anstellung zu bitten.
Unter schlechten Arbeitsbedingungen kann kein Doktorand eine gute Dissertation anfertigen. Darum ist es erforderlich, diese Bedingungen so früh wie möglich zu hinterfragen und zu optimieren.
Von Steffen Schneider


