Teil 2: Doktorand (ge)sucht - Worauf es sich bei der Bewerbung um eine Doktorarbeit zu achten lohnt…
Abhängig von Fachbereich und jeweiligem Professor schwanken die Anzahl der Doktoranden, die ihr Thema aus einer Liste ausgewählt oder es vom späteren Doktorvater angeboten bekommen haben und die Anzahl derjenigen, die ihr selbst überlegtes Thema bearbeiten.
Eva gehört zur zweiten Gruppe. Sie wollte im Rahmen einer Studie prüfen, ob sich eine bestimmte psychische Störung in veränderten Blutwerten widerspiegelt. Der Professor war nicht übermäßig begeistert, nahm sie aber dennoch als Doktorandin an. Um die Organisation sollte sich Eva allerdings komplett allein kümmern, auch die anderen Mitarbeiter des Instituts unterstützten sie zunächst wenig. Es kostete viel Zeit, etwa aus der entsprechenden Fachliteratur herauszusuchen, wie viel Patienten sie am besten rekrutieren sollte und sich auch mit so unbekannten Dingen wie der Ethikkommission auseinanderzusetzen. Jeder Unterschrift ihres Doktorvaters oder eines Institutsmitarbeiters musste Eva umständlich hinterherlaufen. Gelernt hat sie dabei allerdings viel.
Ganz anders lief es bei Maria, die ihr Thema von einem befreundeten Promotionsüberdrüssigen quasi „geerbt“ hat. Hier war alles bestens vorbereitet: das Konzept fertig durchdacht, alle Anträge gestellt, die Arbeitsbedingungen optimiert, alle Instituts-Mitarbeiter und Assistenten eingearbeitet und am schnellen Abschluss der Arbeit interessiert. Maria konnte sich „ins gemachte Nest setzen“, musste nur noch die vom Vorgänger zusammengetragenen Ergebnisse auswerten und zusammenschreiben. Das war natürlich ein seltener Glücksfall und Marias Doktorvater bewertete die Arbeit aufgrund ihrer geringen Schwierigkeitsstufe auch nur mit einem „rite“.
Pharmazie-Doktorandin Kathrin bekam beim ersten Vorstellungsgespräch von einem Professor sogar mehrere Themen zur Auswahl angeboten. Eines war ein wissenschaftlich sehr anspruchsvolles Thema - ein echtes Sprungbrett für eine aussichtsreiche Karriere. Jedoch wäre Kathrin dabei häufig mit einer krebserregenden, giftigen Substanz in Kontakt gekommen, weshalb sie sich nach Ablauf der Bedenkzeit doch für ein weniger anspruchsvolles Thema entschied. Der Professor reagierte merklich enttäuscht und sagte, dass diese Themen inzwischen vergeben seien (was nachweislich nicht stimmte) und Kathrin eben nur noch die Wahl zwischen „ganz oder gar nicht“ hätte. Sie ließ sich jedoch nicht überrumpeln und promoviert inzwischen an einem anderen Institut.
Dann gibt es auch Fälle, in denen die Professoren weiterhin ein Thema anbieten und Bewerber zum Vorstellungsgespräch einladen, um (wie es scheint) dabei nur immer wieder festzustellen, dass ihr längst favorisierter Kandidat einfach die beste Wahl ist. Heute kann Ellen über ihre Erfahrung mit einem solchen Fall lachen. Das Thema wäre für sie ideal gewesen, doch je begeisterter sie im Laufe des Gesprächs wurde, umso ablehnender erschien ihr der Professor. So unterstellte er ihr etwa, dass sie nicht einmal mit einfachsten Textverarbeitungs- und Tabellenkalkulationsprogrammen umgehen könne, was aber unbedingt erforderlich sei. Ellen konterte natürlich, dass sie sehr wohl qualifiziert sei. Erst als ihr vermeintlicher Wunsch-Doktorvater den Einwand vorbrachte, dass er ihr das Thema nicht geben könne, da sie menschlich nicht mit dem späteren direkten Betreuer zusammenpasse, musste Ellen aufgeben.
Es lohnt sich also, sich vorab genau zu überlegen, welche Art von Doktorarbeit man wo und zu welchen Bedingungen schreiben will. Und letztendlich gehört zu jeder Bewerbung immer auch ein bisschen Glück...
Von Steffen Schneider


