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Wissenschaftliches Prekariat an deutschen Hochschulen

Eine aktuelle ver.di-Studie bestätigt, dass Doktoranden in Deutschland meist unter schlechten Arbeitsbedingungen leiden: Die Promotionsdauer ist lang und die Verträge sind befristet. ver.di fordert deshalb verbesserte Konditionen für Deutschlands Nachwuchswissenschaftler.

Wissenschaftliches Prekariat an deutschen Hochschulen

Eine kürzlich von ver.di veröffentlichte Studie verdeutlicht die Probleme, mit denen Nachwuchswissenschaftler in Deutschland zu kämpfen haben. Im Rahmen der Studie wurden 930 Doktoranden an drei deutschen Universitäten per Fragebogen befragt. Zunächst nimmt die Promotion meist doppelt so viel Zeit in Anspruch als ursprünglich vertraglich festgelegt: Die durchschnittliche Promotionsdauer der Befragten liegt bei rund 6 Jahren. Dies liegt auch daran, dass die jungen Wissenschaftler 60 Prozent ihrer Arbeitszeit mit promotionsfremden Tätigkeiten verbringen. Sie werden vor allem in der Lehre eingesetzt. Das Gehalt ist dabei oftmals so gering, dass der Doktorand seinen Lebensunterhalt ohne einen Nebenjob oder ein Stipendium kaum bestreiten kann.

Ein weiteres Problem sind die starren Verträge, die in der Regel lediglich auf die Promotionsdauer befristet sind. Die berufliche Zukunft nach der Promotion ist ungewiss. Diese Unsicherheit erschwert und verzögert die Familienplanung. So haben 43 Prozent der weiblichen und 28 Prozent der männlichen Befragten schon einmal einen Kinderwunsch zurückgestellt.

Des Weiteren kritisieren 50 Prozent der Befragten, dass die Universität sie bezüglich ihrer beruflichen Weiterentwicklung nicht ausreichend unterstützt. Nur 10 Prozent der promovierten Wissenschaftler bleiben nämlich nach der Doktorarbeit an der Hochschule. Der Großteil muss sich beruflich fortbilden, um nach der Promotion am Arbeitsmarkt Fuß fassen zu können.

Aktuell zählen Deutschlands Hochschulen rund 100.000 Promovierende und jährlich schließen 20.000 Wissenschaftler ihre Promotion ab. Viele brechen ihre Promotion aufgrund der unerträglichen beruflichen Situation vorzeitig ab.

Um die Arbeitsbedingungen zu verbessern, müssen die Verträge flexibler gestaltet werden und längere Laufzeiten haben. Zudem verdienen wissenschaftliche Mitarbeiter ein Gehalt, das sich an ihrer enormen Arbeitsleistung orientiert. Die Promotion ist schließlich nicht dritte Phase des Studiums, sondern erste Phase der wissenschaftlichen Arbeit.

Stefanie Riedl

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