Studienkredit schließt Lücke - Studentenwerk sieht wachsende Zahl von arbeitenden Studierenden
Geld ist knapp, wenn man in die Großstadt zieht, um zu studieren. Weil viele Eltern nicht genug zum Studium hinzuschießen können, gehen 60 Prozent aller Studierenden arbeiten. Mit entsprechenden Folgen für Studiendauer und Noten. Studienkredite sollen den Druck zu arbeiten mindern. Kurz vor dem Start des Wintersemesters 2009/2010 spricht Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, über die Wege, ein Studium zu finanzieren.
Frage: Herr Meyer auf der Heyde, welche Rolle spielen Studienkredite bei der Finanzierung eines Studiums?
Antwort: Derzeit spielen Studienkredite, die es bei der KfW, aber auch bei privaten Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken gibt, noch eine eher untergeordnete Rolle. Rund 505.000 Studierende beziehen derzeit Bafög, die KfW hat aktuell rund 60.000 Studienkredite vergeben.
Frage: Wird die Bedeutung von Krediten angesichts engerer Studienpläne durch die Umstellung auf Bachelor und Master zunehmen?
Antwort: Das könnte sein. Aber die Studierenden scheuen wie die übrige Bevölkerung die Verschuldung. Deshalb wird zunächst die Bereitschaft steigen zu arbeiten. Wenn das nicht geht, eben weil die Studienpläne das nicht erlauben, werden Studierende sicher einen Teil des Einkommens auch über Studienkredite finanzieren.
Frage: Welche Studenten nutzen Kredite?
Antwort: Es sind vor allem jüngere Studierende, die einen Studienkredit aufnehmen und dabei einen relativ hohen Betrag in Anspruch nehmen. Das ist eine Folge der Finanzierungsprobleme für Studenten der unteren Mittelschicht. Die Eltern verdienen nicht genug, um ihre Kinder zu unterstützen. Aber ihr Einkommen ist schon zu hoch, um Bafög zu beziehen. In diesen Fällen helfen Studienkredite, um den Ausfall des Bafög und der Elternunterstützung aufzufangen. Dabei beobachten wir aber auch den Trend, dass durch kleinere Kredite ein Teil der Arbeit ersetzt wird, um Zeit für das Studium zu gewinnen. Das ändert ab nichts daran, dass der Anteil der Studenten, die arbeiten gehen, um ihr Einkommen zu sichern, mit 60 Prozent immer noch sehr hoch ist.
Frage: Was raten Sie Studenten, die darüber nachdenken, einen Teil ihres Lebensunterhalts über einen Studienkredit zu finanzieren?
Antwort: Studierende sollten erst einmal kritisch checken, was sie überhaupt brauchen. Dann sollten Sie prüfen, welche Finanzierungsmöglichkeiten es innerhalb der Familie gibt. Die verbleibende Lücke kann man mit Arbeit oder einem Studienkredit füllen – oder beides kombinieren. Auf jeden Fall sollten sie sich bei ihrem Studentenwerk beraten lassen.
(Quelle: KfW, September 2009)


