Der digitale Berater namens Academicus hilft bei der Studienfachwahl in Bonn
Auf die Frage, warum jemand ein bestimmtes Studienfach gewählt hat, bekommt man allzu oft die gleiche Antwort: „Was hätte ich denn sonst machen sollen?“ Jura, Medizin, BWL, Germanistik – die ewig gleichen Fächer haben Zulauf in Strömen. Das ist nicht zuletzt so, weil viele Abiturienten einfach nicht wissen, wie groß die Auswahl an attraktiven Fächern ist. Fächern, die – weil Sie Nischen füllen – oft aussichtsreicher sind bei der späteren Jobsuche als die Klassiker. Mit den neuen Bachelor- und Master-Studiengängen hat sich die Zahl der Wahlmöglichkeiten für Studienanfänger zudem deutlich erhöht, was den Überblick noch erschwert.
Bei der Studienberatung könnten angehende Studenten solche Fächer kennenlernen. Doch nach dem Abi sind sie erstmal auf Klassenfahrt, genießen die Ferien. Zeit, die Studienberatung aufzusuchen, nehmen sie sich häufig nicht. Zumal diese ja oft genug in einer anderen Stadt ist, in die sie noch nicht umgezogen sind. Abhilfe versprechen Angebote wie das der Universität Bonn. Der virtuelle Studienberater „Academicus“ gibt Orientierungshilfe bei der Studienfachwahl. Das Angebot zum so genannten „Self Assessment“, zu Deutsch Selbsteinstufung, hilft den Abiturienten, die eigenen Interessen, Fähigkeiten und Neigungen zu erforschen und mit den Anforderungen des jeweiligen Studienfachs abzugleichen. In der Einführungsphase bietet die Universität Bonn den Selbsteinschätzungstest in den Pilotfächern Geodäsie und Geoinformation, Germanistik, Geschichte und Mathematik an. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass viele nach dem Test davon absehen, Germanistik zu studieren und sich vielleicht für Geodäsie entscheiden – wovon sie vorher noch nie gehört hatten. Es handelt sich übrigens per definitionem um die „Wissenschaft von der Ausmessung und Abbildung der Erdoberfläche“.
Hinter dem Begriff „Self Assessment“ verbirgt sich eine Methode, mit der Studieninteressierte selbst ihre fachlichen Stärken und Schwächen einschätzen können. Sie sollen damit eine zusätzliche Entscheidungshilfe für die Wahl des geeigneten Studienfachs an die Hand bekommen. Ziel ist es, angehenden Studierenden im vor einer der wichtigsten Entscheidungen in ihrer Lebensplanung eine realistische Rückmeldung über ihre Stärken zu geben. So sollen böse Überraschungen im Studienalltag vermieden und langfristig auch die Zahl der Studienabbrüche gesenkt werden. Bislang kommt für viele die Erkenntnis, dass sie das falsche Fach gewählt haben, sogar so spät, dass sie freudlos ein Studium beenden, mit dem sie nichts anfangen können.
Das Angebot wendet sich also einerseits an Schüler, die schon wissen, was sie studieren wollen, aber ihre Entscheidung noch untermauern wollen. Andererseits kann jeder, der noch nicht weiß, was er studieren soll, durch so ein Angebot Studiengänge kennenlernen und seine eigenen Erfolgschancen in bestimmten Fächern abschätzen. Das kommt dem Einzelnen zugute und vielleicht auch den überfüllten Hörsälen, deren Reihen sich oft erst nach dem zweiten Semester lichten.
Einen Überblick über alle Studiengänge und Studienfächer gibt es auch auf stellenboersen.de
Stefanie Grutsch

