Arbeiten als Honorararzt
„Locum“, kurz für den lateinischen Ausdruck „locum tenens“ (wörtlich: Platzhalter), bezeichnet im anglophilen Sprachraum die stellvertretende, vorübergehende Ausübung einer Tätigkeit. „Locum doctors“ (Vertretungsärzte) werden beispielsweise angefordert, wenn ein Arzt für einige Zeit ausfällt oder in einer Praxis oder einem Krankenhaus Personalmangel herrscht. Die Kurzform „Locum“ (lateinuntypischer Plural: „Locums“) wird in Vereinigten Königreich von Großbritannien, in Kanada, Australien und Neuseeland verwendet, während der vollständige Ausdruck „Locum Tenens“ (Plural: „Locum Tenentes“) in den USA bevorzugt wird.
Im Vereinigten Königreich arbeiten jeden Tag 3500 Vertretungsärzte in Krankenhäusern und 6000 in Arztpraxen. Ein Großteil dieser Vertretungsärzte in Kliniken wird von privaten Agenturen vermittelt, die mit dem National Health Service (NHS; auf Deutsch: Nationaler Gesundheitsdienst), dem staatlichen Gesundheitssystem in Großbritannien, kooperieren. In der Allgemeinmedizin tätige Vertretungsärzte arbeiten hingegen zumeist freiberuflich und sind von keiner Agentur abhängig.
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Vorteile und Nachteile des Vertretungssystems
Ein wesentlicher Vorteil des Vertretungssystems besteht darin, dass auf diese Weise Stellen, die vorübergehend aufgrund von Krankheit oder Urlaub vakant sind oder für deren Bezahlung auf lange Sicht kein Budget zur Verfügung steht, besetzt werden können. Zudem können Arbeitnehmer auf diese Weise Praxiserfahrungen in vielen verschiedenen Bereichen und Spezialfeldern sammeln, die Festangestellten in der Regel verwehrt bleiben.
Negativ anzumerken wäre der Arbeitsaufwand, den die Vertretungskräfte bei der Einarbeitung bewältigen müssen. Dies schlägt sich oft in einem relativ hohen Gehalt nieder, welches die Vertretungskräfte für ihr hohes Maß an Flexibilität erhalten. Auf Dauer kann dem Unternehmen die Bezahlung einer Vertretungskraft höhere Kosten bereiten als die Beschäftigung eines Festangestellten.
Auch in Bezug auf das Gesundheitswesen zeigen sich die Vor- und Nachteile des Vertretungssystems. Mit Hilfe von Vertretungsärzten kann die Versorgung der Patienten zwar gewährleistet werden, jedoch muss sich jeder Vertretungsarzt neu in die Krankengeschichte der Patienten einarbeiten, was die Häufigkeit von Behandlungsfehlern eventuell erhöhen kann. Außerdem kann das wichtige Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient durch solche „Übergangslösungen“ gefährdet werden.


