Hotellerie bleibt auf Wachstumskurs
„Der Kick für die Hotellerie durch die Fußball- Weltmeisterschaft 2006 konnte in das Jahr 2007 verlängert werden“, sagte Fritz G. Dreesen, Vorsitzender des Hotelverbandes Deutschland (IHA), am Dienstag auf der Jahrespressekonferenz des Verbandes in Berlin. „Die Hotellerie in Deutschland bleibt auf Wachstumskurs.“ Auch im Jahr Eins nach dem Fußball-Fest hielt die weltweite Deutschlandbegeisterung an. Steigende Übernachtungszahlen, höhere Zimmerauslastungsquoten und konstante Zimmerpreise im Jahr 2007 sowie die positive gesamtwirtschaftliche Entwicklung lassen die Hoteliers zuversichtlich auf das laufende Geschäftsjahr blicken. Für 2008 prognostiziert der Hotelverband Deutschland (IHA) eine Steigerung der durchschnittlichen Zimmerauslastung um 1,5 Prozent. Aufgrund der explodierenden Kostenentwicklung stagnierten allerdings die Betriebsergebnisse im Jahr 2007 trotz des touristischen Aufschwungs.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stieg die Zahl der Übernachtungen in der Hotellerie im Jahr 2007 um 3,1 Prozent auf 214,7 Millionen. Besonders erfreulich ist die weitere Zunahme bei den Übernachtungszahlen der ausländischen Gäste. Sie lag bei 3,8 Prozent. Der Trend zu kürzeren Reisen hatte auch 2007 Bestand. Die Gäste blieben gut zwei Tage (2,1) in den Hotels, Hotels garnis oder Pensionen der Republik.
Wie der Hotelverband auf Basis seines aktuellen Branchenreports „Hotelmarkt Deutschland 2008“ mitteilte, stieg die durchschnittliche Zimmerauslastung von 62,8 Prozent (2006) auf 63,9 Prozent (2007) um 1,8 Prozent. Laut den Auswertungen des HotelBenchmarkTM von Deloitte erreichte die Quote damit den höchsten Wert der letzten neun Jahre. Vor allem Häuser in mittleren Städten gelang es, ihre Auslastung überproportional zu steigern (+3,7 Prozent), während Betriebe in Kleinstädten nicht mithalten konnten (-0,2 Prozent). Auch die starke Nachfrage nach Häusern der Budgethotellerie mit einem Durchschnittspreis unter 50 Euro hielt unvermindert an, so dass diese Häuser ihre Auslastung um beachtliche 4,0 Prozent nach oben schraubten.
Die durchschnittlichen Zimmerpreise 2007 blieben mit einem Durchschnittswert von 85 Euro (+0,2 Prozent) konstant. „Das ist angesichts des positiven Preissprungs im Fußball-WM Jahr 2006 dennoch ein beachtliches Resultat“, kommentierte Dreesen das Ergebnis. „Die Budgethotels konnten einen deutlichen Anstieg um 1,4 Prozent verbuchen, während die erhöhten Auslastungszahlen in mittleren Städten mit um 1,0 Prozent verringerten Durchschnittsraten erkauft wurden“, berichtete der IHA-Vorsitzende weiter.
Die Entwicklung bei Auslastung und Durchschnittspreis spiegelt sich im durchschnittlichen Zimmerertrag (RevPAR) wider.
So stieg der RevPAR der Budgethotels um beachtliche 5,5 Prozent. Häuser in mittleren Städten erzielten einen Zuwachs um 2,6 Prozent. Im Bundesdurchschnitt lag der Zimmerertrag mit 55 Euro um 1,9 Prozent höher als im Jahr 2006. „In einem allgemein positiven Hotelmarkt bleiben dennoch große städtespezifische Unterschiede bei der Entwicklung von Zimmerauslastung, Durchschnittspreis und RevPAR erkennbar“, machte Dreesen deutlich.
Erstmals fällt 2007 auch der Vergleich der deutschen zu den europäischen Werten besser aus. Berlin erzielte mit einem Auslastungsanstieg um 5,4 Prozent den europäischen Spitzenwert. Die absolut höchste Auslastung weist aber immer noch London mit 82,6 Prozent aus. Der Durchschnittspreis bleibt das Sorgenkind der deutschen Hotellerie. Moskauer Nächte kosten durchschnittlich 257 Euro, während das gleiche Angebot in Berlin nur 87 Euro kostet (zum Vergleich: London 192 Euro, Paris 217 Euro, Rom 165 Euro). Günstiger kann ein Hauptstadtgast nur in Riga (83 Euro) und Budapest (84 Euro) übernachten. Auch in puncto Ertrag (RevPAR) haben deutsche Hoteliers das Nachsehen. Der Berliner Wert von 62 Euro wird nur von Riga (49 Euro), Budapest (56 Euro) und Warschau (61 Euro) unterboten und auch der Bundesdurchschnitt liegt mit 55 Euro darunter.
„Die anziehende touristische Nachfrage schlug sich allerdings nicht in den Betriebsergebnissen der Hotellerie in Deutschland nieder“, relativierte Dreesen die ökonomische Bilanz der Jahres 2007 unter Hinweis auf die angespannte Kostensituation der Häuser. So stagnierten die Betriebsergebnisse vor Zinsen, Abschreibung und Einkommen-/Ertragsteuern je verfügbarem Zimmer (+0,4 Prozent) und je vermietetem Zimmer (-1,0 Prozent).
Die Investitionsfreude in neue Hotelprojekte bleibt davon ungetrübt und – trotz bestehender Überkapazitäten und Verdrängungswettbewerb – auf hohem Niveau. „Bereits im Jahr 2006 war eine rege Investitionstätigkeit in der deutschen Hotellerie erkennbar. Diese wird derzeit mit dem aktuellen Höchststand von 365 Projekten noch deutlich übertroffen“, teilte Dreesen mit. Dabei sei eine eindeutige Verschiebung hin zu Vier- und Fünf-Sternehäusern erkennbar.
„Weiter auf Erfolgskurs befindet sich die Markenhotellerie mit einem umsatzbezogenen Marktanteil von derzeit 55,4 Prozent“, gab Dreesen ferner bekannt. Die Unternehmen der Markenhotellerie verfügen mit fast 4.000 von 36.000 Betrieben über einen Markanteil von mittlerweile 11,1 Prozent (Vorjahr 10,2 Prozent). „Wachstumspotenzial sehen wir darüber hinaus im Niedrigpreissektor sowie im Gesundheits- und Städtetourismus“, so Dreesen. Aber auch Luxusherbergen, Design- oder Architekturhotels seien weiter stark gefragt.
Das klassische Beherbergungsgewerbe erzielte 2007 einen Nettoumsatz von 16,6 Milliarden Euro. Damit hob sich die wirtschaftliche Entwicklung in der Hotellerie positiv von der Entwicklung in der Gesamtbranche ab. Denn während der Umsatz im Gastgewerbe nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2007 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 0,5 Prozent sank, verbuchten Hotels, Hotels garnis, Gasthöfe und Pensionen ein nominales Plus von 1,3 Prozent. Wenngleich das Minus geringer als in der Gesamtbranche (-3,0 Prozent) ausfällt, hatten allerdings auch die Hoteliers preisbereinigt weniger in ihren Kassen (-0,9 Prozent).
(Quelle: Deutscher Hotel- und Gaststättenverband, 4.03.2008)


