Arbeiten in Großbritannien
In Großbritannien spielt die in einer Ausbildung erworbenen Qualifikationen für die angestrebte Position keine allzu große Bedeutung wie in Deutschland. Am Arbeitsplatz sind vor allem die sozialen Kontakte wichtig. Von vielen Seiten hört man, dass die Tätigkeit nicht so streng organisiert und nicht so hektisch ist, sodass die Improvisation zum Arbeitsalltag gehört.
Seit Mitte der 90er Jahre entwickelte sich der Arbeitsmarkt und die britische Wirtschaft sehr positiv. Zwar liegt die Arbeitslosenquote bei ca. 5 % - jedoch steigt sie seit Mitte 2008 stetig an. Insbesondere der Raum Großlondon ist sehr attraktiv, wo etwa 15 % der britischen Arbeitnehmer einer Tätigkeit nachgehen. Von diesen 15 % arbeiten ca. ein Drittel im Finanzdienstleistungsbereich und im Handel. Insbesondere IT-Experten und Führungskräfte sind hier besonders gefragt. Allgemein gibt es gute Aussichten im Gesundheitsbereich bei Versicherungen und Banken, in der Dienstleistungsbranche, im Kommunikations- und Informationssektor. Selbst in Call Centern werden deutsche Muttersprachler benötigt. In allen Branchen werden sehr gute Kenntnisse in der englischen Sprache vorausgesetzt. Der Großteil an Stellenangeboten findet man in den großen Zeitungen und in den regionalen Zeitungen.
Für jeden Bewerber sind persönliche und direkte Kontakte zu den Firmen von Vorteil. Im Herbst jeden Jahres starten die Firmen einen sog. „milk round“, bei welcher sie an den Hochschulen Kontakte mit den Absolventen des darauf folgenden Jahres aufnehmen und man überreicht hier die Bewerbungsunterlagen.
Die Tageszeitungen haben die Stellenofferten nach Branchen sortiert und über die ganze Woche verteilt. Bei zahlreichen Agenturen ist es über das Internet möglich, auf direkter Weise ein Stellengesuch anzugeben oder auch die Stellenangebote anzuschauen.
Für Hochschulabsolventen ist es ratsam, im Juni und Juli Initiativbewerbungen zu versenden, weil für die Hochschulabsolventen im September eine große Einstellungsrunde anfängt. In der Regel beinhalten die Bewerbungsunterlagen nur das Anschreiben und einen Lebenslauf sowie mögliche vertrauliche Referenzen. Es ist eher unüblich, dass man Duplikate von Zeugnissen und Diplomen beilegt. Die PC-geschriebene Bewerbung soll knapp, sachlich und kurz sein. Sie soll keine überschwänglichen Phrasen beinhalten und die eigenen Qualitäten sollten nicht herausgestrichen werden. Allerdings sollte man selbst die Qualifikationen und Erfahrungen auflisten.
In der Bewerbung muss man auch den Beweggrund angeben, warum man als Ausländer eine Tätigkeit in Großbritannien sucht. Der Lebenslauf wird chronologisch mit der Gegenwart anfangend abgefasst. Sie beginnt bei „Employment“, geht bei „Education and Qualification“ weiter und endet bei „Special skills“ und „Interests“. Ferner sind die „application forms“üblich, d. h. es sind standardisierte Bewerbungsformulare. Dadurch haben die Arbeitgeber eine wesentlich bessere Vergleichbarkeit.
Wenn man mehr als vier Wochen nach dem Versand der Bewerbungsunterlagen keine Antwort bekommen hat, sollte man sich an die Firma wenden, weil in der Regel reagieren die Briten sofort und gewissenhaft.
In Großbritannien gibt es kein dem in Deutschland existierenden äquivalenten Einwohnermeldewesen, sodass man eine Beantragung einer Aufenthaltsgenehmigung nicht forcieren kann. Es ist dennoch ratsam, die Aufenthaltsgenehmigung vor dem Ablauf von 6 Monaten zu beantragen, um mit sämtlichen Rechten integriert zu sein. Man bekommt die Formulare bei den großen Polizeidienststellen oder aber auch im Internet.
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