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Redaktionspraktikum bei einem Filmmagazin

Als ich in der Mitte meines Studiums der Geisteswissenschaften noch immer nicht so genau wusste, was ich eigentlich mit meinem Leben nach Verlassen der alma mater so anfangen soll, stürzte ich mich (besser spät als nie) auf die Suche nach einem geeigneten Praktikumsplatz.

Redaktionspraktikum bei einem Filmmagazin

Da auch ich zur Generation IMM (Irgendwas mit Medien) gehöre, schon immer gerne geschrieben habe, ich aber auf keinen Fall meine eigene Stimme im Radio hören oder gar bei einem lokalen C-Sender die Wetterfee spielen wollte, fiel die Wahl auf ein Redaktionspraktikum bei einem Print-oder Onlinemedium. Via Internet war dieses auch schnell gefunden. Beim Filmmagazin Cinearte im 600 km entfernten München sollte ich die nächsten sechs Wochen meine ersten praktischen Erfahrungen im Journalismus sammeln. Also rein ins Abenteuer!

Mein erster Tag war eher chaotisch, da ich zuerst die falsche Adresse hatte und etwas orientierungslos durch die Straßen der bayrischen Hauptstadt stapfte. Ein paar Stunden später war ich dann aber am Ziel; etwas außerhalb gelegen fand ich schließlich die Redaktion Cinearte. Mein Chef öffnete mir die Tür und bot mir gleich das Du an. Nach einer kurzen Führung das Büro und dem Einweisen in die Tiefen eines Apple Mac, ging es dann auch schon los. Meine erste Aufgabe war es, eine Kurzmeldung zu einem bald stattfindenden Filmfestival zu verfassen. Diese meisterte ich ganz passabel und wurde innerhalb der nächsten Tage gleich mit umfangreicheren Aufgaben bedacht. Sehr gut gefiel mir, dass ich von Anfang an sehr selbstständig arbeiten konnte und mir Themen bzw. Rubriken, in Absprache, selbst aussuchen durfte. Die Betreuung war dabei sehr gut: Texte wurden nicht einfach nur redigiert, sondern noch einmal durchgesprochen und mit Hinweisen und Tipps versehen, was man vielleicht noch besser machen könnte. So lernte ich innerhalb kürzester Zeit, worauf es beim Schreiben hauptsächlich ankommt und das es dabei nicht nur um kreative Höhenflüge und stilistische Verspieltheiten geht, sondern vor allem um ein erlernbares Handwerk. Neben dem fleißigen Schreiben in der Redaktion über alle möglichen Themen der Filmbranche, hatte man ebenso die Möglichkeit, die Vorzüge des Journalistendaseins zu genießen. So konnte ich zum Beispiel kostenlose Presse- Filmpremieren besuchen um einzelne Filmkritiken zu verfassen. Aufregend war ebenso das erste Interview – und dann auch noch am Telefon. Ich sollte einen jungen Regisseur, der gerade für einen Film über die Schrecken des zweiten Weltkrieges ausgezeichnet wurde interviewen. Sorgfältig bereitete ich meine Fragen vor (er sollte ja nicht gleich merken, dass ich ein blutiger Anfänger war) und bekam es dann auch relativ souverän über die Bühne. Ein Highlight meiner Praktikumszeit war, dass ich eine eigene kleine Rubrik einführen durfte. Mit der Serie „Boulevard der Stars“ schrieb ich Portraits zu ausgesuchten Prominenten wie Marlene Dietrich oder Fritz Lang.

Insgesamt haben mir diese sechs Wochen fast mehr gebracht, als mein Grundstudium, denn endlich konnte ich mich ausprobieren und eine mögliche berufliche Richtung finden. Ich kann nur jedem empfehlen, möglichst früh Praxiserfahrung zu sammeln um zu sehen, wo die Reise hingehen könnte. Hat man erstmal ein Ziel, ist die Motivation im Studium auch gleich viel höher – dann weiß man wenigstens wofür man fünf Jahre lang in Hörsälen sitzt.

Imke Teerling

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