Praktikum in der Hörfunkvermarktung – klingelnde Kasse statt dröge Recherche
Die Medienbranche – auf viele Schüler und Studenten hat sie nach wie vor eine enorme Anziehungskraft. In den Köpfen vieler steht sie für Aktualität, Tempo, Fortschrittlichkeit. Und sie umweht ein ungebrochener Hauch von Glamour. Kein Wunder, dass sich zahlreiche Abiturienten für ein Medienstudium entscheiden. Die Angebote sind umfangreich. Ebenso wie die Berufsbilder, die die Medienbranche für Absolventen zu bieten hat. Da ist es durchaus sinnvoll, während des Studiums durch Praktika seinen Wunschbereich auszuloten und sich dann durch entsprechende Fächerwahl für eine spätere Einstellung zu qualifizieren. Denn: Aufgrund der großen Interessentenzahl ist es nach wie vor nicht so einfach, in der Branche Fuß zu fassen.
Vielen kommt bei dem Gedanken an Tätigkeitsbereiche in den Medien vor allem die redaktionelle Seite in den Sinn. Diese ist natürlich zumeist das „Herzstück“ eines Medienunternehmens, aber um die Maschinerie am Laufen zu halten bedarf es im Regelfall viel mehr Ressorts. Gerade bei privaten Medienunternehmen ist die Finanzierung des Sendebetriebs ein wichtiges Thema. Die Werbevermarktung ist oftmals die Haupteinnahmequelle für Anbieter von Print-, Online-, Fernseh- und auch Hörfunkmedien. In diesem Bereich sind in den Medienunternehmen Absolventen und Berufserfahrene mit kaufmännischer Ausbildung beschäftigt. Gerade im Hörfunkbereich ist das Werbezeitenvermarktungsgeschäft eine Herausforderung, da die Anbieter stark mit Fernsehsendern und den Tageszeitungen konkurrieren. Innerhalb der Hörfunkwerbezeitenvermarktung gibt es ebenfalls verschiedene Aufgabenbereiche. Zur Orientierung bietet sich ein Praktikum in diesem Bereich auf jeden Fall an.
Der Hörfunkwerbemarkt in Deutschland ist sehr vielfältig aufgebaut. Es gibt große Radiovermarkter, die deutschlandweit viele Radiosender in ihrer Produktpalette haben. Dann sind da mittelständische Vermarkter, die zwei bis drei regionale Sender an den Werbekunden bringen und es gibt ebenso Sender, die als Einzelkämpfer auftreten. Dieses sind in ihrer Region meist die Marktführer, die über eine eingegliederte Vermarktungsabteilung verfügen. Bei Vermarktern und Vermarktungsabteilungen haben Praktikanten im Gegensatz zu einem rein redaktionellen Praktikum noch am ehesten die Chance auf eine Vergütung, die aber auch hier oftmals nicht unbedingt als angemessen angesehen werden kann.
Vermarkter und auch Vermarktungsabteilungen gliedern sich häufig in den reinen Vertrieb, also den Außendienst und in das Produktmanagement, also den Vertriebsinnendienst. Die Bezeichnungen für diese Bereiche können je nach Unternehmen abweichen. Während der Vertrieb damit betraut ist, Kunden zu akquirieren, koordiniert das Produktmanagement die Werbekampagnen und kümmert sich um die Umsetzung auf den verschiedenen Werbeplattformen der Sender.
Das Betätigungsfeld eines Praktikanten in der Hörfunkvermarktung ist vielseitig. Es müssen unterschiedlichste Kunden mit vielfältigen Kommunikationswünschen betreut werden. Je nach Unternehmen kann sich der Praktikant hier mehr oder weniger einbringen. Zu seinen Aufgaben kann die Erstellung von Angeboten an die Werbekunden in Absprache mit dem Vertrieb gehören. Der Kunde kommuniziert seine Wünsche zumeist an den Vertriebsmitarbeiter. Die Aufgabe des Produktmanagements und der Praktikanten in diesem Bereich ist es dann, in Zusammenarbeit mit der Redaktion des Radiosenders Kampagnen gemäß der Kommunikationswünsche des Kunden zu erstellen. Das kann je nach gewünschter Zielgruppe auch auf mehreren Radiosendern umgesetzt werden. Abhängig vom Zweck der Kampagne werden die dem Sender zur Verfügung stehenden Werbeplattformen genutzt werden.
Das sind zumeist die sendereigene Homepage, der Auftritt der Moderatoren bei Events außerhalb des Senders und natürlich der on air Bereich, also Spots und Nennungen im Programm. Bei der Organisation von Events außerhalb des Senders, etwa in den Verkaufräumen des Kunden, wird oft mit Eventagenturen zusammengearbeitet. Bei der Angebotserstellung für den Kunden müssen die genauen Minutenlängen der Spots und sonstigen Nennungen im Programm berechnet werden, abhängig von den noch vorhandenen Kapazitäten im Programm. Natürlich muss ein Praktikant hier diplomatisches Geschick beweisen, denn der Vertrieb möchte das Radioprogramm am liebsten randvoll mit Werbung laden, die Redaktionsmitarbeiter aber lieber Inhalte bringen. Bei dem Ausgleich des uralten Widerspruchs von Geist und Geld darf natürlich auch das Hörerinteresse nicht vernachlässigt werden. Ohne Hörer würde kein Werbekunde auch nur einen einzigen Spot schalten oder wäre bereit, dafür zu zahlen. Neben der Spotplanung muss die Werbekapazität auf der Internetseite des Senders kalkuliert werden. Außerdem gehört zu den Aufgaben des Praktikanten die Zusammenarbeit mit Eventagenturen für die Off Air Elemente geplanter Kampagnen. Zum Aufgabenspektrum zählt auch das Unterstützen der Vertriebsmitarbeiter bei Kundenterminen und das Berichten über den Fortschritt von Werbeprojekten.
Ein Praktikant bei in der Hörfunkvermarktung braucht also in erster Linie Organisationsgeschick. Er oder sie kann aber im Gegenzug vielfältige und wertvolle Erfahrungen im Projektmanagement und in der Medienbranche sammeln. Natürlich gilt es auch, Pflichtübungen zu erledigen. Dazu gehören die Auswertung der gelaufenen Promotions hinsichtlich ihrer Kontaktleistungen, das Erstellen von Auswertungen und Präsentationen sowie die Vorbereitung von Meetings.
Insgesamt ist ein Praktikum bei einem Hörfunkvermarkter oder auch in der Vermarktungsabteilung eines Radiosenders bestens geeignet, um die vertriebliche Seite der Medienwelt kennenzulernen. Gerade für Medieninteressierte mit kaufmännischem Hintergrund oder ohne journalistische Ambitionen ist dies ein gute Möglichkeit, in die Medienbranche einzusteigen. Und Praktika sind hier wie in jeder anderen Branche nach wie vor der Türöffner, um später bei einem Berufseinstieg mit qualifizierenden Praxiserfahrungen glänzen zu können und sich den begehrten Job zu sichern.


