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Arbeit zwischen Wahlplakaten und nervösen Politikern – Praktikum in der Geschäftsstelle einer politischen Partei

Superwahljahr 2009, was für viele Deutsche wohl das gefühlte Unwort des Jahres ist, ermöglichte mir die arbeitsamste aber auch lehrreichste Zeit meines Lebens. Pünktlich zum diesjährigen Marathonwahlkampf verschlug es mich für ein Praktikum in den politischen Nabel Thüringens: die Landshauptstadt Erfurt. Zwischen überraschenden Rücktrittserklärungen und nervenaufreibenden Koalitionsverhandlungen arbeitete ich neun Wochen in der Landesgeschäftsstelle einer der großen politischen Parteien.

Arbeit zwischen Wahlplakaten und nervösen Politikern – Praktikum in der Geschäftsstelle einer politischen Partei

Arbeitsmangel und typische Praktikantenaufgaben lernte ich dabei gar nicht erst kennen. Der Dauerstrom des Wahlkampfes zog mich direkt am ersten Praktikumstag in seinen Bann und spuckte mich erst neun Wochen später wieder aus. Kandidiert der Pressesprecher der Partei als Spitzenkandidat für den Bundestag, fällt die Pressesprecheraufgabe auch schnell mal auf eine Praktikantin zurück. Ohne Zurückhaltung und Misstrauen wurden uns Praktikanten direkt eine ganze Reihe der verantwortungsvollsten Aufgaben übertragen. Von der Bearbeitung von inhaltlichen Anfragen der Bevölkerung über die Erstellung von Pressemitteilung und die Organisation der Wahlkampfveranstaltungen entlasteten wir die Geschäftsstelle und die Vorstandsmitglieder und eigneten uns gleichzeitig unverzichtbare Qualifikationen für unsere berufliche Zukunft an.

Das Kennen lernen der „Backstage-Vorgänge“ in der Partei gehörte dabei genauso dazu wie simple Fertigkeiten wie Personalkoordination oder gar Serienbrieferstellung. Schon nach wenigen Wochen waren wir vollwertige Mitarbeiter des Büros und ebenso gefordert. In einer solch arbeitsamen Zeit, sind die Parteien froh über jede helfende Hand, das merkte man schnell. Der persönliche sowie telefonische Kontakt zu hochrangigen Parteimitgliedern trieb dabei dem ein oder anderen von uns eins ums andere mal Nervositätsschweiß auf die Stirn, ließ uns aber auch mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein und guten beruflichen Kontakten unser Praktikum beenden.

„Wer morgens als erster kommt, kocht Kaffee.“ Dieser Satz beschreibt im Groben die lockere Arbeitsphilosophie im Büro. Flyer verteilt der Abgeordnete genauso wie der Praktikant und Postbriefe kleben alle gemeinsam am Konferenztisch im Akkord zu.

Im Grunde habe ich in den letzten neun Wochen nicht nur meinen Traumjob gefunden, sondern auch jede Menge Freunde und hilfreiche berufliche Kontakte… Was will man von einem Praktikum mehr?

Juliane Pohl

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