Praktikum beim StadtRadio Göttingen - lokal, informativ, werbefrei
Von August bis September 2008 machte ich ein sechswöchiges Praktikum beim Stadtradio Göttingen. Dabei wurden meine Erwartungen bei Weitem übertroffen und ich lernte, dass auch lokale Themen durchaus spannend und interessant sein können.
Nachdem ich bereits im März 2008 ein Praktikum im Bereich Journalismus absolviert hatte, wollte ich auch die darauf folgenden Semesterferien nutzen, um Erfahrungen in einer Redaktion zu sammeln. Da mein Studiengang Diplom-Sozialwissenschaften nicht gezielt auf ein bestimmtes Berufsfeld vorbereitet, sondern sehr vielseitig und bereit gefächert ist, ist es sehr wichtig, bereits während des Studiums Praxiserfahrungen zu sammeln.
Auf der Suche nach einem Praktikumsplatz in einer Redaktion in Göttingen stieß ich im Internet auf die Homepage des Stadtradios Göttingen. Nach einer Anfrage per Email, ob die Möglichkeit zu einem Praktikum in den Semesterferien besteht, bekam ich dann auch eine schnelle Antwort mit der Bitte, bei Interesse meine Bewerbungsunterlagen einzureichen. Es folgte ziemlich schnell eine Einladung zu einem persönlichen Gespräch. Dabei handelte es sich nicht um ein typisches Bewerbungsgespräch, sondern um ein entspanntes Kennenlernen. Der Redaktionsleiter nannte mir die typischen Aufgaben eines Praktikanten in der Redaktion und fragte mich, ob das in etwa meinen Vorstellungen entspreche. Ich konnte mir dann gleich nach dem Gespräch einen Zeitraum für mein sechswöchiges Praktikum auszusuchen.
Beim Praktikum an sich konnte ich sehr viele Erfahrungen sammeln und wurde gleich in die Programmplanung mit einbezogen. Zu meinen Aufgaben in der ersten Woche zählte das Verfassen des täglichen Veranstaltungskalenders, das Durchführen und Produzieren einer wöchentlichen Umfrage in der Göttinger Fußgängerzone und der umfassendere Veranstaltungskalenders für das Wochenende, wobei ich mich um eine kurze Ansage des jeweiligen Veranstalters kümmern musste. Um diese Aufgaben gut zu erledigen, bekam ich in der ersten Woche auch eine Einführung in die Technik, vor allem in das Schnittprogramm.
Nachdem ich dann zu Beginn der zweiten Woche mein erstes Interview geführt und produziert hatte, durfte ich meinen ersten eigenen Beitrag produzieren. Dazu habe ich an einem Pressegespräch teilgenommen und dort Interviews geführt. Zurück im Sender habe ich das Skript zum Beitrag verfasst, die Interviews, O-Töne genannt, bearbeitet und schließlich meinen Text eingesprochen und die O-Töne darin eingebettet. Außerdem habe ich Kino- und Fernsehtipps produziert und auch eine Nachricht verfasst.
Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass das Schreiben fürs Radio sich in hohem Maße vom Schreiben für Printmedien unterscheidet. Da der Hörer nicht wie bei einer Zeitung jederzeit die Möglichkeit hat, einen Satz nochmal nachzulesen, ist es wichtig, möglichst kurze und leicht verständliche Sätze zu verfassen. Alles von mir Geschriebene wurde auch noch einmal von einem der Redakteure Korrektur gelesen. Ich war positiv überrascht, dass ich in vielen Fällen wenig oder gar nichts ändern musste. Man gewöhnt sich also sehr schnell an den Schreibstil. Das Sprechen war dann doch schwieriger als erwartet. Neben einem angemessenen Tempo muss auch auf Dinge wie Betonung und Artikulation geachtet werden. Das Gesprochene sollte möglichst nicht abgelesen klingen.
Darüber hinaus hatte ich die Möglichkeit, einem Moderator während einer Sendung über die Schulter zu schauen und mir die Abläufe genau erklären zu lassen. An meinem letzten Praktikumstag war ich bei der Morgensendung live im Studio und durfte über meine Eindrücke beim Stadtradio berichten und mir einen Song wünschen.
Üblicherweise beschäftigt das Stadtradio mehrere Praktikanten parallel. So werden nicht nur Praktikumsplätze für Studenten, sondern auch für Schüler angeboten. Es besteht ein enger Kontakt zur BBS II, so dass regelmäßig Jahrespraktikanten oder auch zweiwöchige Schülerpraktikanten in der Redaktion arbeiten.
Fazit: In den sechs Wochen meines Praktikums habe ich insgesamt sehr viel gelernt und viele Erfahrungen sammeln können. Das Arbeitsumfeld war sehr angenehm. Es duzen sich alle und wenn ich Fragen oder Probleme, v.a. im technischen Bereich hatte, konnte ich jederzeit jeden ansprechen. Zudem war es sehr leicht, an einen Praktikumsplatz zu kommen. Bei großen kommerziellen Radiosendern hat sich das, vor allem ohne Vorerfahrung, als äußerst schwierig erweisen. Ein großer Vorteil beim Stadtradio ist auch, dass nichts von dem, was man als Praktikant verfasst oder produziert, in der Papiertonne landet. Alles wird ins Programm eingebunden. Außerdem hat man die Möglichkeit, Beiträge komplett selbst zu produzieren. So lernt man auch, mit der Technik beim Radio umzugehen. Die Redakteure waren dann so zufrieden mit mir, dass sie mir eine Tätigkeit als freie Mitarbeiterin anboten. Dadurch habe ich die Möglichkeit, an einem Sprechtraining teilzunehmen, bei dem jeder freie Mitarbeiter individuell betreut und gefördert wird.
Ich kann ein Praktikum beim Stadtradio also jedem, der Lust hat, mal Radioluft zu schnuppern, wirklich empfehlen. Erfahrungen im Bereich Journalismus werden nicht vorausgesetzt, vielmehr wird einem alles Wichtige dort beigebracht. Das Stadtradio Göttingen ist also sicher eine gute Möglichkeit, erste Schritte in diesem Bereich zu machen und erste Erfahrungen zu sammeln.
Bianca Schöneich


