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Praktikum in Deutschland – Wie ist das für Ausländer?

Csilla aus Ungarn absolviert ihr Theaterpraktikum in Deutschland, genauer in Augsburg. Sie erzählt, ob die berüchtigte deutsche Bürokratie ihr die Nerven geraubt hat, wie sie sich in Bayern fühlt und was sie sich von ihrem Praktikum erhofft.

Praktikum in Deutschland – Wie ist das für Ausländer?
Praktikum in Deutschland – Wie ist das für Ausländer?

Interview: Stefanie Grutsch

stellenboersen.de: Csilla, seit Ungarn in der EU ist, hattest du theoretisch die Wahl zwischen vielen attraktiven Ländern – warum hast du dich für ein Praktikum in Deutschland entschieden?

Csilla: Im Sommersemester 2007 habe ich ein Erasmus-Stipendium erhalten, und hatte die Möglichkeit, vier Monaten lang an der Universität Bayreuth zu studieren. Ich habe eine andere Kultur, das Leben in einem anderen Land näher kennen gelernt; mir gefiel auch das Milieu, wo ich viele andere internationale Studenten aus den fernsten Ecken der Welt treffen konnte. Nachdem ich nach Hause gekommen war, habe ich mich durch diese schönen Erlebnisse dafür entschieden, das theaterwissenschaftliche Praktikum in Deutschland zu absolvieren, wenn ich die Möglichkeit dazu habe.

stellenboersen.de: Wie hast du es dann geschafft, den Praktikumsplatz in Augsburg zu bekommen? Von Ungarn aus, ist das sicher nicht einfach.

Csilla: An der Universität Bayreuth habe ich eine Vorlesung über die europäische Musiktheatergeschichte besucht. Als ich mich für ein Praktikum in Deutschland entschieden habe, habe ich die Dozentin, die die Vorlesungen gehalten hat und mit der ich immer noch einen guten Kontakt pflege, um Rat gebeten. Sie hat mir drei Theater empfohlen, wo es ihrer Meinung nach möglich wäre, ein Praktikum zu absolvieren. Das Theater Augsburg war mein Favorit und da hat es dann auch geklappt.

stellenboersen.de: Kann das Theater deine Erwartungen auch erfüllen? Welche Erfahrungen machst du als Praktikantin dort – lernst du viel oder siehst du nur zu?

Csilla: Oh nein, ich absolviere insgesamt drei Regiehospitanzen. Ich bin sehr glücklich, weil mir sowohl die Regisseure, als auch die Regieassistenten ihr Vertrauen schenken. Deshalb kann ich nicht nur „zusehen“, sondern auch viele Aufgaben einer Regieassistentin übernehmen. Dank der drei verschiedenen Hospitanzen lerne ich drei Regisseure kennen und dadurch drei verschiedene Beispiele der Regietätigkeit, von denen ich auch viel gelernt habe. Als Praktikantin mache ich die allerpositivsten Erfahrungen und Erlebnisse, da ich wirklich überall aktiv tätig sein kann, außerdem ist es auch ein sehr gutes Gefühl, dass mich das Ensemble angenommen hat.

stellenboersen.de: Es ist schön, dass die interkulturelle Zusammenarbeit in Deutschland so gut klappt. Aber wie hast du das Praktikum finanziert? Wie kannst du es dir leisten drei Monate in Deutschland ohne Lohn zu leben und zu arbeiten?

Csilla: Ja, einfach ist das nicht. Bei der Finanzierung des Praktikums habe ich mich auf das Geld gestützt, das ich seit langen Jahren gespart habe. Außerdem habe ich ein Stipendium von der Universität in Ungarn bekommen. Im Theater habe ich auch die Möglichkeit, als Übertitel-Inspizientin und Beleuchtungsstatistin ein wenig Geld zu verdienen.

stellenboersen.de: Ist das Praktikum also eine Investition in die Zukunft – was erhoffst du dir für deine Karriere von dieser Zeit?

Csilla: Im Rahmen des Praktikums kann ich die ersten Erfahrungen im Berufsleben sammeln. Während des Studiums habe ich mich nur mit theoretischen Fragen beschäftigt, jetzt habe ich auch die praktische Seite des Theaters, in erster Linie den Arbeitsprozess der Proben, ein bisschen kennen gelernt. So ausgerüstet hoffe ich, dass es leichter wird, eine Arbeit zu finden – Theatererfahrung, Erfahrungen als Hospitantin werden in den meisten Stellenausschreibungen vorausgesetzt. Ich hoffe also schon, dass dieses Praktikum eine erste Stufe in meiner „Karriere“ bedeutet.

stellenboersen.de: Noch einmal zurück zur Situation als ausländische Praktikantin in Deutschland. Gab es große bürokratische Hürden, etwa bei der Anmeldung in Augsburg, beim Arbeitsvertrag oder wegen der Aufenthaltsgenehmigung?

Csilla: Ich brauchte natürlich eine Aufenthaltsgenehmigung, eine Erlaubnis zur Absolvierung des Praktikums. Ich musste meinen Wohnsitz anmelden, den ich beim Verlassen des Landes wieder abmelden muss. Außerdem habe ich natürlich mit dem Theater einen Vertrag geschlossen, aber die Personalabteilung hat mir dabei alle Hilfe geleistet. Es wurde mir immer Bescheid gegeben, welche Unterlagen ich genau brauche, und wozu, so war es nicht ganz unmöglich, die bürokratischen Schwierigkeiten zu lösen.

stellenboersen.de: Nach all den Erfahrungen, die du jetzt machst, würdest du auch nach dem Studienabschluss in Deutschland arbeiten wollen?

Csilla: Auf jeden Fall! Nach dem Abschluss meines Studiums möchte ich in Deutschland eine Arbeit suchen. Ich studiere Germanistik und Theaterwissenschaft, und möchte später im Theaterbetrieb arbeiten. In Deutschland gibt es einfach mehr Möglichkeiten am Theater als in Ungarn, besonders im Opernbereich. Hier kann man auch die modernsten Inszenierungen und Tendenzen antreffen. Als Regieassistentin hat man die Möglichkeit, durch die Zusammenarbeit mit verschiedenen Regisseuren unterschiedliche Auffassungen, Stile, Arbeitsmethoden kennen zu lernen. So kann sich eine mehrjährige Assistenz auch als eine intensive Lehrzeit erweisen und ich hoffe sehr, dass ich diese wieder hier in Deutschland, vielleicht sogar Augsburg, absolvieren kann.

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