Ein Schülerpraktikum bei SAP
Michael (17), neugierig, intelligent und zielstrebig, überlässt nichts dem Zufall. Bereits in der elften Klasse sammelte er praktische Erfahrungen bei einem Traumarbeitsgeber: SAP.
Was war für dich die Motivation, dich bereits jetzt, zwei Jahre vor dem Abitur, auf Praktikumssuche zu begeben? Ich interessiere mich sehr für Computertechnologie und wollte überprüfen, ob mein Interesse auch der Realität des Arbeitsalltags standhält. Für mich war es aber auch ausschlaggebend, dass meine Bewerbung bei der SAP sofort erfolgreich war. Von einem großen Unternehmen erhoffte ich mir differenzierte Einblicke in dieses Berufsfeld. Hätte ich nichts gefunden, was mir gefallen hätte, dann wäre es auch nicht so schlimm gewesen und ich hätte einfach noch ein paar Jahre mit dem Praktikum gewartet.
Und hielt die Realität, was deine Hoffnungen versprachen? Kannst du dir nach Beendigung deines Praktikums nun vorstellen, später in diesem Bereich zu arbeiten? Ja, auf jeden Fall. Natürlich ist immer vieles anders, als man es sich vorstellt, aber in vielerlei Hinsicht war ich eher positiv überrascht als umgekehrt.
Wie hast du denn – im Gegensatz zum Schulalltag – den Arbeitsalltag erlebt? Und wie war allgemein das Arbeitsklima, der Umgang deiner „Kollegen“ mit dir und untereinander? Es war erst einmal eine große Umstellung: Täglich acht Stunden arbeiten und präsent sein, statt sich, wie es doch häufig in der Schule der Fall ist, einfach nur berieseln zu lassen! Aber es war eine Herausforderung und ich muss sagen, es macht auch Spaß. Außerdem sind die Arbeitszeiten bei der SAP sehr flexibel, die Mitarbeiter können ihre Arbeitszeiten ihrem Privat- und Familienleben in gewissem Rahmen anpassen, solange sie ihre Arbeit erledigen. Auch das ist mir äußerst positiv aufgefallen. Generell waren zu mir alle sehr herzlich, freundlich und hilfsbereit, auch innerhalb der Abteilung herrscht ein ungezwungener und freundschaftlicher Ton. Mein relativ langer Fahrtweg mit der Bahn wurde mir zum Beispiel dadurch verkürzt, dass ich die Strecke mit anderen Mitarbeitern zusammen fuhr, was auch private Gespräche erlaubte. Und sogar das Kantinenessen, über das ich vorher Horrorgeschichten gehört hatte (nicht bezüglich der SAP, aber allgemein), war eine positive Überraschung!
Was waren denn deine Aufgaben? Durftest du als Schülerpraktikant auch verantwortungsvollere Arbeiten übernehmen oder beschränkte sich das dann doch eher auf Kaffee kochen und kopieren? Teils, teils. Ich verbrachte jeden Tag mehrere Stunden am Kopierer, man könnte also schon sagen, dass das meine Hauptaufgabe war. Ich hatte Firmenverträge aus Ordnern zu entnehmen, zu kopieren, in diverse Ordner wieder einzusortieren und mit Trennzetteln zu versehen, nachdem ich die Verträge gelocht und enttackert hatte. Nicht meine Lieblingsbeschäftigung, aber natürlich gibt es bei jedem Job angenehme und weniger angenehme Dinge zu erledigen. Ansonsten gab es generell viele Büroarbeiten für mich zu erledigen, zum Beispiel programmierte ich das Faxgerät neu oder beschriftete die Kurztastenfelder. Aber dadurch, dass alle Mitarbeiter so bemüht waren, mir einen Einblick in ihre eigene Arbeit zu geben, lernte ich dennoch eine Menge.
Also hat sich trotz deiner eher eintönigen Tätigkeiten dieses Praktikum für dich gelohnt? Unbedingt! Dadurch, dass ich als Schüler natürlich noch weniger Erfahrung habe als zum Beispiel ein Student, war ich einfach nicht in der Lage, irgendwelche Aufgaben zu erledigen, die vergleichbar mit denen der Mitarbeiter wären. Aber allein durchs Zusehen habe ich viel gelernt und kann dieses Berufsfeld jetzt auch viel besser einschätzen. Abgesehen davon, dass ich immer wieder Fachzeitschriften zu lesen bekam, erklärten mir viele Mitarbeiter ganz genau, wie ihre Arbeit aussieht. Ich durfte auch bei Telefongesprächen zuhören oder den Leuten einfach einmal über die Schulter blicken. Das alles hat mir sehr viele und für mich persönlich sehr wertvolle Erfahrungen eingebracht.
Würdest du es generell empfehlen, schon während der Schulzeit Praktika zu absolvieren? Das hängt, denke ich, stark davon ab, wo man landet. Dadurch, dass es in der Schulzeit noch nicht erwartet wird, ist man einerseits freier in seinen Entscheidungen, andererseits aber auch insofern eingeschränkter, da die Plätze vielleicht lieber an Ältere vergeben werden. Was ja auch in Ordnung ist, weil diese der Firma meist auch mehr von Nutzen sein können, weil sie teilweise ja auch darauf angewiesen sind, einen Praktikumsplatz zu finden und weil sie oft auch für einen längeren Zeitraum bleiben können als Schüler. Wenn jemand aber schon während der Schulzeit ein starkes Interesse für ein bestimmtes Berufsfeld zeigt, vollkommen egal was das ist, halte ich es durchaus für sinnvoll, herauszufinden, ob dieses Berufsfeld tatsächlich das richtige sein könnte. Und das findet man nun einmal am besten heraus, indem man praktische Erfahrungen sammelt. Wie gesagt lohnt sich das aber auch nur, wenn die Bewerbung dort erfolgreich ist, wo man wirklich arbeiten will. Ein Praktikum, das mir eigentlich nicht zusagt und das nur ein fauler Kompromiss ist, würde ich als Schüler nicht annehmen. Dann warte ich lieber noch ein paar Jahre und bewerbe mich dann noch einmal für mein Traumpraktikum. Hat man jedoch Glück, kann es einem nur weiterhelfen, während der Schulzeit Einblicke in das Arbeitsleben zu erhalten!
Ines Schipperges


