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Vom Politikstudent zum erfolgreichen Stockfotograf: Robert Kneschke erzählt

Für den bekannten Stockfotografen Robert Kneschke ist die Photokina 2010 ein wichtiger Termin. Neben zahlreichen Terminen, die er auf der Photokina hat, nutzt er die Messe auch, um technische Entwicklungen in der Fotobranche in Augenschein zu nehmen. Am Freitag, den 24.09.2010 wird er auf der Bühne in Halle 1 selbst einen Vortrag mit dem Titel “Was macht ein gut verkäufliches Foto aus? Gestaltungsregeln für Stockfotos“ halten.

Vom Politikstudent zum erfolgreichen Stockfotograf: Robert Kneschke erzählt

Die Stockfotografie war für den heute erfolgreichen Fotografen und Betreiber eines eigenen Fotoblogs anfangs nur eine Option, die er während und nach dem Studium testete. Die Fotografie faszinierte den 1980 geborenen Fotoproduzenten jedoch schon von Kindesbeinen an. Als Kind experimentierte Kneschke mit seiner Ostkamera, bis er sich 1995 dazu entschied, sein Hobby intensiver zu betreiben, und sich seine erste Spiegelreflexkamera zulegte. Da die Kosten für die Filmentwicklung auf Dauer sehr hoch waren, bot er seine Bilder auf Kunstmärkten zum Verkauf. Auf diese Weise verkaufte er in Passepartout gerahmte Berlinbilder und Landschaftsaufnahmen. Da Kneschke dieser Verkaufsweg auf Dauer zu aufwändig erschien, machte er sich mit der Zeit auf die Suche nach Bildagenturen wie "PantherMedia" und "DIGITALstock". Die ersten Peoplefotos, die er über diese Agenturen verkaufte, waren Portraitfotos, die eine Freundin als Weihnachtsgeschenk nutzen wollte.

Auch der heute selbstständige Stockfotograf musste einst mit einer bescheidenen Fotoausstattung anfangen: Sein Equipment bestand aus einer digitalen Spiegelreflexkamera ohne Blitz und einem weißen DIN A4 Blatt zum Aufhellen des Motivs. Für das folgende Shooting besorgte sich Kneschke Baustrahler aus dem Baumarkt. Als die Einkünfte stiegen, wurde auch das Foto-Equipment Stück für Stück professioneller.

Kneschke schaffte, was den wenigsten Existenzgründern gelingt

Die Fotografie entwickelte sich für Kneschke zu einer lukrativen Nebenbeschäftigung parallel zu seinem Politikstudium. Ursprünglich wollte Kneschke Journalist werden. Mit dem Abschluss des Politikstudiums im Jahr 2007 musste er sich schließlich für einen Berufsweg entscheiden. Da die Stockfotografie neben dem Studium ein profitables Hobby war, entschloss er sich, die Stockfotografie ein Jahr lang hauptberuflich zu betreiben und dann erneut Bilanz zu ziehen. Zwar bringen einzelne Stockfotos nur Kleckerbeträge ein, dennoch erschien im diese Branche im Vergleich zum Journalismus lukrativer. Einmal hochgeladen, kann ein Foto immer wieder Geld einbringen. „Ich habe das Businessmodell einfach besser verstanden“, begründet Kneschke seine Entscheidung für die Stockfotografie. Ein Jahr nach dem Berufseinstieg schaffte Kneschke, was den wenigsten Existenzgründern gelingt: Seine Bilanz war im Plus.

Inzwischen hat es Robert Kneschke soweit gebracht, dass er seinen Lebensunterhalt mit der Stockfotografie bestreiten kann und sich einen Namen als professioneller Stockfotograf gemacht hat. Seine Hingabe zum Journalismus pflegt er mit seinem eigenen Blog, www.alltageinesfotoproduzenten.de, auf dem er seit nunmehr zweieinhalb Jahren regelmäßig Branchennews und Insiderwissen für seine Leser zugänglich macht. Seinem Blog hat er es auch zu verdanken, dass er 2010 sein inzwischen als Standardwerk der Stockfotografie gehandeltes Buch „Stockfotografie: Geld verdienen mit eigenen Fotos“ schreiben konnte.

Das Fotografieren ist der kleinste Teil des Jobs

Wer nun denkt, dass ein selbstständiger Fotograf seine Tage damit verbringt, Bilder über Bilder zu machen, täuscht sich. Mit der Selbstständigkeit treten betriebswirtschaftliche und organisatorische Aufgaben an die erste Stelle. „Das Fotografieren ist der kleinste Teil meines Jobs“, erläutert Kneschke, als er über seinen Arbeitsalltag berichtet. Die meiste Zeit nehmen das Verschlagworten und Hochladen der Fotos bei den Agenturen, die Auswahl von Requisiten und Models für Shootings, die Buchhaltung, das Marketing und die vielen weiteren Arbeitsschritte, die ein selbstständiger Fotograf bewältigen muss, ein. Kneschke weiß: „Es ist schwer, mit Fotos Geld zu verdienen.“ Deshalb müssen selbstständige Fotografen sehr diszipliniert und organisiert an die Arbeit gehen. Die reguläre 40-Stunden-Woche übersteigt der Stockfotograf nach eigenen Schätzungen, wobei die Linie zwischen Freizeit und Arbeit nicht immer klar zu ziehen ist.

Die Buchhaltung ist für den einstigen Politikstudenten die größte Hürde in seinem Beruf. Er besuchte zwar ein kostenloses Existenzgründerseminar an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, das ihm Grundkenntnisse in Marketing, Buchhaltung und Zeitmanagements vermittelte, allerdings stellt der internationale Verkauf seiner Stockfotos selbst seinen Steuerberater vor eine Bewährungsprobe. Augenzwinkernd spricht Kneschke von einem „buchhalterischen Albtraum“.

Mainstream liegt mir mehr

Die technische Seite des Fotografierens hat sich Kneschke selbst beigebracht. Er sieht seine Bilder nicht als große Kunst sondern eher als Handwerk. „Mainstream liegt mir mehr als Extravaganz“, sagt er selbstbewusst. Der Verkauf seiner Fotos erfolgt beinahe ausschließlich über Microstockagenturen. "Das liegt mehr auf meiner Fotolinie.“ Der Erfolg gibt ihm recht. Derzeit entstehen seine Fotos in einem etwa 25qm großen Zimmer, das er als Studio eingerichtet hat. Für die Zukunft wünscht er sich allerdings ein größeres Studio, das ihm mehr Möglichkeiten für aufwändigere Motive bietet.

Berufsanfänger sollten dranbleiben

Sein Tipp für Berufsanfänger in der Fotobranche ist einfach: „Gut sein!“ Ein guter Fotograf braucht einen Blick für gute Fotos. Sein Rat ist ausprobieren, experimentieren und vor allem dranbleiben. In der Rubrik „Pimp my stock“ auf seinem Blog bietet Kneschke Berufsanfängern die Möglichkeit, Fotos von ihm beurteilen zu lassen.

Wer den Schritt in die Selbstständigkeit wagen möchte, sollte nicht bis zum Ende seines Studiums warten. Wer bereits neben dem Studium Erfahrungen sammelt und Kontakte knüpft, baut sich ein Standbein auf und muss nach dem Abschluss nicht von Null anfangen, weiß der Stockfotograf aus eigener Erfahrung. Auf diese Weise können Existenzgründer das Risiko des Scheiterns vermindern.

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