Bildung weiter entwickeln: Die Debatte um Ganztagesschulen
Die praktische Umsetzung und die bedarfsgerechte Einführung schulischer Ganztagesangebote in Deutschland besonders in Baden-Württemberg stehen im Mittelpunkt des Forums „Schule und Schulträger“ am 16. Februar 2006 auf der LEARNTEC – 14. Internationaler Kongress und Fachmesse für Bildungs- und Informationstechnologie – im Kongresszentrum Karlsruhe. Die bildungspolitischen Sprecher der im baden-württembergischen Landtag vertretenen Parteien diskutieren mit Vertretern des Städtetags Baden-Württemberg und dem baden-württembergischen Kultusminister Helmut Rau über die Politik, Pädagogik und den Betrieb von Ganztagesschulen.
Das von Norbert Brugger, Städtetag Baden-Württemberg, moderierte ganztägige Themenforum innerhalb der LEARNTEC Fachmesse wird dabei im Zeichen des Landtagswahlkampfs stehen – am 26. März 2006 finden die Wahlen statt. Das Thema ist heiß umstritten: Es geht um das Konzept der Ganztagesschule, aber nicht zuletzt auch um ihre Finanzierung.
4 Mrd. Euro umfasst das 2003 verabschiedete Investitionsprogramm des Bundes „Zukunft Bildung und Betreuung“ (IZBB), das bis 2007 läuft. Den für Baden-Württemberg zur Verfügung stehenden Anteil von 528 Mio. Euro schöpften die kommunalen und privaten Schulträger bereits nach 15 Monaten aus. Nun haben Land und Kommunen ein gemeinsam finanziertes Landesförderprogramm nachgelegt, das immerhin 450 Mio. Euro umfasst.
Dennoch sieht der Städtetag Baden-Württemberg, in dem 175 Städte des Landes zusammengeschlossen sind, noch weiteren Handlungsbedarf. OB a. D. Stefan Gläser, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied, meint dazu: „Es geht jetzt darum, das pädagogische Potenzial der Ganztagesschulen zu nutzen und deren Betrieb dauerhaft zu sichern. Dass sich Schüler bis in den Nachmittag hinein in der Schule aufhalten, ist schon ein gewisser Fortschritt. Wir wollen darüber hinaus, dass Unterrichts- und Betreuungsanteile sinnvoll rhythmisiert werden und halten eine entsprechende Aufstockung der Lehrerdeputate für unabdingbar.“ Bislang gewährt das Land diese Deputatserhöhung nur für einen ausgewählten Kreis der Ganztagesschulen.
Aber dies ist nicht der einzige Konfliktpunkt. „Die Ganztagesschule muss nun endlich im Landesschulgesetz verankert werden. Diese Schulen und ihre Träger benötigen eine solide und verlässliche Handlungsbasis. Schließlich werden in den kommenden Jahren Milliarden in den Ganztagesschulausbau investiert“, erklärt Stefan Gläser. Alle Ganztagesschulen im Land werden gegenwärtig noch mit dem vorläufigen Status eines Schulversuches geführt – und dies teilweise seit mehr als 20 Jahren.
Das Karlsruher Forum zu Ganztagesschulen wird sich allerdings auch mit bundesweiten Entwicklungen sowie praktischen Herausforderungen der Schulform befassen, etwa mit der Organisation von Betreuungsangeboten und dem Thema Mittagessen. Dazu werden Vertreter des Bundesbildungsministeriums, des Deutschen Städtetags, des Städtetags Baden-Württemberg sowie kommunaler Verwaltungen referieren.
(Quelle: Learntec, Januar 2006)


