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Warum nicht in die Ferne schweifen
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Ausland,
stellenboersen Milkica Kuzmanovic
Im Grunde unseres Herzens sind wir Nomaden. Was sonst packt viele Deutsche, fern von aller wirtschaftlichen Zwängen, zeitweise im Ausland zu Leben und Arbeiten zu wollen?
Die Auswandergründe haben sich im 21. Jahrhundert geändert, zumindest für den, der im warmen Nest Deutschlands geboren wurde. Gründe, seinem Heimatland den Rücken zu kehren, gab es von der Steinzeit bis zur Antike. Damals wie heute geht es in vielen Ländern der Erde immer noch um das nackte Überleben. Deutschland, eingebettet in die EU, eine der führenden Wirtschaftsmächte im weltweiten Vergleich, muss niemand aus wirtschaftlicher Not oder politischen Gründen verlassen. Auslandserfahrung ist zu einem individuellen Bedürfnis geworden, sich auszuprobieren und sich authentisch in einer anderen Kultur zu bewähren, nicht als deutscher Tourist belächelt zu werden, egal ob als Au-Pair Girl in Amerika, Erasmusstudent in England oder als Tellerwäscher an der italienischen Riviera. Potentielle spätere Arbeitgeber stellen bevorzugt Arbeitnehmer mit Arbeitserfahrung im Ausland ein und das nicht nur wegen der zusätzlichen Sprachqualifikation. Wer sich im Ausland zurechtfindet, es schafft, eine Wohnung oder ein Zimmer zu mieten, gegen einen Strafzettel Einspruch zu erheben, die Lebensmittel in der Landessprache einzukaufen, statt nur mit dem Finger auf Brot oder Bananen zu zeigen, dem wird ein hohes Maß an Flexibilität zugesprochen. Eine Prise Abenteuergeist und Lebenslust gehören dazu, sich zeitweise eine neue Wahlheimat zu suchen. Wem es schwer fällt, finanzielle Ansprüche herunterzuschrauben, auf Einbauküche und Weihnachtsgeld zu verzichten, findet sich allerdings schnell wieder am heimischen Herd zurück. Ansonsten vollzieht sich eine Metamorphose, die unglücklichmachende Perfektionshaltung vieler Deutschen weicht südländischer Gelassenheit. Oftmals treibt es auch passionierte Linguisten fort aus ihrem Kiez, um aus privaten oder beruflichen Gründen ihre Englisch-, Spanisch- oder Italienisch-Kenntnisse im echten Leben anzuwenden und sich nicht darauf zu beschränken, im Feriendomizil eine Pizza in der Landessprache zu bestellen, um vom dunkelhaarigen Kellner in einwandfreiem Deutsch die Antworten auf dem Tablett serviert zu bekommen. Vom klassischem Schuljahr in den USA oder England, als Au- Pair, Animateur einer Reisegesellschaft, Erasmus-Student; es gibt es die vielfältigsten Motive, Ziele und Möglichkeiten. Was früher dem Auswandern eine melancholische Note gab, eine Schiffspassage zu buchen, um sein Heimatland auf Nimmerwiedersehen zu verlassen, stellt sich uns heutzutage (in der europäischen Gemeinschaft lebend) als eine Möglichkeit von vielen dar, die meist zeitweise begrenzt ist. Es wird auch nicht mehr als eine Spinnerei einiger langhaariger Aussteiger gesehen, die ein Stück Land kaufen und eine Ökofarm in Westirland gründen. Statt einer Schiffspassage in der dritten Klasse werden Billigflieger gebucht. Als Europäer/in eines EU- Staates geht man ein geringes Risiko ein, der heimische Pass ist die Rückfahrkarte, in jedem Land gibt es eine für den Notfall offen stehende Botschaft. Innerhalb der EU ist es am einfachsten; eine Arbeitserlaubnis benötigt man in der Regel nicht und wenn, dann ist es reine Formsache. Australien wird mit einem Working Visa erreicht, für die USA bewirbt man sich um die Greencard, die man lotterieähnlich gewinnen kann. Warum also nicht zeitweise seine Wohnung untervermieten, Kisten, Möbel und Kartons in den Kellergründen versenken, der Familie, Verwandten und Freunden den Rücken kehren, und in die Ferne schweifen, wenn das Glück dort liegt. Von Milkica Kuzmanovic |
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