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Gehört der Joint auf dem Schulhof bald zum Alltag?

Immer mehr Jugendliche und Kinder haben schon Erfahrungen mit Drogen gesammelt. Allein 11 Prozent der 15 Jährigen kiffen regelmäßig. Insbesondere Cannabis scheint in der heutigen Jugend seine Renaissance zu erleben. Eltern, Lehrer und Sozialpädagogen sind entsetzt. Muss der Joint in der großen Pause wirklich sein?

David Blömer geht in der Kleinstadt Hoya zur Realschule. "Einige meiner Klassenkameraden kommen regelmäßig bekifft zum Unterricht," weiß der 15 Jährige. "Ein ehemaliger Klassenkamerad ist durch den Drogenkonsum völlig abgerutscht. Nachdem er zweimal hintereinander sitzengeblieben ist, musste er auf die Hauptschule wechseln." Auch die Gymnasiastin Anne Reschke (15) aus Bad Hersfeld ist schon mit Drogen in Kontakt gekommen: "Bei uns wird in den Schulbussen gedealt. Das fällt kaum auf, da alle eng aneinandergequetscht stehen."

Immer mehr Cannabiskonsum

Das Thema bleibt trotz der Sommerferien aktuell. "In der Gesellschaft wird insgesamt mehr Cannabis konsumiert. Allein seit den letzten zwei Jahren ist der Anteil an Jugendlichen, die deshalb unsere Beratungsstellen aufsuchen, um 20 bis 30 Prozent gestiegen," erklärt der Diplom-Psychologe Joachim Messer (51) von der Jugend- und Drogenberatung in Frankurt/Main.

Woran erkannt man eigentlich, dass jemand bekifft ist?

Anders als beim Alkoholkonsum, der meist deutlich am Geruch und am Verhalten zu erkennen ist, ist Cannabis schwer nachweisbar. Der Rausch tritt meistens relativ schnell ein und besteht vor allem aus psychischen Wirkungen, die die Grundstimmung des Konsumenten verstärken. "Gerötete Augen sind ein Anzeichen für die Einnahme von Cannabis. Außerdem sind die Jugendlichen schwer ansprechbar und stehen oft neben sich," weiß Andrea Teichgräber (29), Sozialpädagogin in einem städtischen Jugendhaus in Göttingen.

Doch was können Eltern und Lehrer tun, um ihren Schützlingen zu helfen?

Joachim Messer rät: "Zuerst sollten die Eltern versuchen, mit ihrem Kind zu reden. Danach kann zur professionellen Unterstützung eine Beratungsstelle aufgesucht werden." Ganz wichtig sei außerdem die Stärkung des Selbstbewusstseins der Jugendlichen. Ursula Fisser-Blömer, Realschullehrerin, nutzt die Zeit in den Sommerferien, um sich auf ihre neue 7. Klasse vorzubereiten. Auch bei ihr erschienen schon des öfteren Jugendliche bekifft zur ersten Stunde.
Schon seit einiger Zeit setzt sie das Programm Lions- Quest in ihrem Unterricht ein. Lions-Quest ist eine Kooperation zwischen dem Lions Club und einer amerikanischen Stiftung. Es soll Kindern und Jugendlichen spielerisch helfen, ihre "Life Skills" (Lebensfertigkeiten) sowie ihr Selbstvertrauen aufzubauen und zu festigen. "Viele Kinder sind zutiefst verunsichert," weiß Ursula Fisser-Blömer aus ihrem Berufsalltag, "es ist wichtig, ihr Selbstbewusstsein zu stärken und so gegen die Gruppenzwang anzugehen." Vielleicht könnten solche Maßnahmen auch dazu dienen, das Drogenproblem der Jugend zu mildern, damit der Joint auf dem Schulhof nicht zum Alltag wird.

von Julia Rippe

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