Zivildienst oder Bundeswehr?
Vor dieser Entscheidung stand auch Marc (22) nach dem Abitur. Stellenboersen.de hat er erzählt, warum er sich schließlich für den Zivildienst entschieden hat und wie er seine Zeit beim Deutschen Roten Kreuz beurteilt.
Warum hast du dich für den Zivildienst und gegen den Kriegswehrdienst entschieden?
Für den Zivildienst habe ich mich vor allem entschieden, weil ich es als sinnlos erachte, einen Wehrdienst zu absolvieren, in dem man drei Monate Krieg spielt, sich zwecklos kommandieren lässt und die restlichen sechs Monate vor Langeweile nichts mehr zu tun hat. Damit hilft man niemandem und bringt sich selbst als Mensch nicht weiter. Als Zivildienstleistender dagegen wird man in allen gemeinnützigen Einrichtungen unbedingt gebraucht und leistet Arbeit, die hilfsbedürftigen Menschen zugute kommt. Das motiviert ungemein und ist für den eigenen Reifeprozess sehr von Vorteil. Für mich war vor allem ausschlaggebend, dass man bedürftigen Menschen helfen kann und etwas Gutes tut. Hinzu kam noch der Grund der Wohnortnähe, denn ich hatte nur einen sehr kurzen Arbeitsweg. Ich habe diese Entscheidung nicht bereut, denn es ist ein schönes Gefühl, wenn man mit seiner Arbeit helfen kann und von den Menschen, die darauf angewiesen sind, ein herzliches Dankeschön bekommt.
Wie bewirbt man sich um eine Zivildienststelle?
Zunächst bekommt man ja einen Einberufungsbescheid von der Bundeswehr. Daraufhin muss man zum Kreiswehrersatzamt zu einer Musterung. Bei dieser Musterung sollte man sich schon bewusst sein, ob man Kriegsdienst leisten will oder ob man den Kriegsdienst verweigern möchte. Lehnt man den Kriegsdienst ab und stellt einen Antrag auf Verweigerung (das passiert gleich an der 2. Station der Musterung), wird man bei der Musterung schon gar nicht mehr weiter ernst genommen. Man absolviert noch die ärztlichen Pflichtuntersuchungen und kann wieder gehen. Nach ein paar Wochen wird man von der Bundeswehr angeschrieben und nach seinen Beweggründen zur Verweigerung gefragt. Die Antwort muss zurückgesandt werden. Hier braucht man teilweise Geduld, denn auf dieses Schreiben kommt es schließlich an. Erst wenn diese Beweggründe von der Bundeswehr akzeptiert werden, ist man als Kriegsdienstverweigerer offiziell anerkannt.
Kleiner Tipp am Rande: Wenn man nur auf persönliche Gründe setzt wie z.B. Pazifist zu sein oder Angehöriger einer Kirche oder dass die Großeltern schlechte Erfahrungen im Krieg gemacht haben, interessiert das bei der Bundeswehr niemanden! Die Lösung ist jedoch ganz einfach: jeder hat das RECHT, den Dienst an der Waffe zu verweigern. Das ist im Grundgesetz verankert. Erwähnt man das in seinem Schreiben, ist man ganz schnell als Verweigerer anerkannt.
Man darf sich nicht entmutigen lassen. Bei mir war auch erst nach dem vierten Schreiben alles klar.
Ist dieses langatmige Procedere geschafft, bewirbt man sich bei einer Einrichtung, die Zivildienstleistende beschäftigen. Manche Einrichtungen verlangen das ganz förmlich, andere eher formlos in einem kurzen Brief. Wieder bei anderen reicht ein Anruf und ein kurzes Bewerbungsgespräch. Mögliche Einrichtungen sind z.B. Hilfsorganisationen, Krankenhäuser, Pflegeheime, Schulen, Behindertenwerkstätten etc. Ist die Bewerbung bei der Einrichtung geglückt, macht diese eigentlich den ganzen Rest mit dem Bundesamt für Zivildienst. Dann kann der Dienst schon losgehen.
Wo hast du deinen Zivildienst absolviert?
Ich habe meinen Zivildienst beim Deutschen Roten Kreuz absolviert und war dort im Fahrdienst tätig. Das beinhaltete Schülertransporte (hauptsächlich behinderter Schüler), Dialysefahrten, Ambulanzfahrten und Wunschfahrten für körperlich eingeschränkte Menschen. Mein Zivildienst dauerte zehn Monate, mittlerweile wurde die Dienstzeit jedoch auf neun Monate verkürzt.
Warum hast du dich gerade für das Deutsche Rote Kreuz entschieden und nicht z.B. für ein Krankenhaus?
Mein Schwager hatte bereits seinen Zivildienst beim DRK Wanzleben absolviert und ich habe mehr oder weniger direkt aus seinen Erzählungen mitbekommen, wie der Arbeitsalltag dort aussieht. Da mir Autofahren große Freude macht und ich auch gerne mit Menschen umgehe und helfe, konnte ich mir das sehr gut für mich vorstellen. Durch die Erfahrungen meines Schwagers stellte sich eine Bewerbung im Krankenhaus gar nicht. Durch meine Anstellung im Fahrdienst bin ich viel herumgekommen in Deutschland. Durch die verschiedenen Touren wurde der Arbeitsalltag auch abwechslungsreich. Ein solches Maß an Abwechslung könnte ich mir in einer anderen Zivildiensteinrichtung nicht vorstellen.
Wurde der Zivildienst vergütet?
Natürlich – der wird immer vergütet. In meiner Einrichtung sogar sehr großzügig. Man bekommt ein Grundsold und je nach Diensteinrichtung noch diverse Zuschläge wie Essensgeld, Bekleidungs- und Waschkosten. Auch der tägliche Arbeitsweg wurde mir bezahlt. Das ist aber, wie gesagt, von der Dienststelle abhängig.
Was war das interessanteste Erlebnis während deiner Zeit beim Deutschen Roten Kreuz?
Das ist sehr schwierig zu beantworten. Da gab es viele interessante Erlebnisse. Man hat interessante Leute kennen gelernt, musste Patienten quer durch Deutschland fahren und hat dadurch viel gesehen. Ich war durch den Dienst oft in Berlin, Göttingen und anderen Städten und sogar in Oberbayern. Das Schönste am Dienst war jedoch die Dankbarkeit vieler Patienten und Eltern, deren Kinder wir tagtäglich gefahren haben und auch die Kollegialität unter den Kollegen. Da wurde viel gelacht, auch viel Freizeit miteinander verbracht und es wurden Freundschaften geschlossen. Insgesamt waren die zehn Monate Zivildienst eine sehr schöne Erfahrung.
Du musstest unter anderem auch sehr kranke Leute transportieren. Müssen den Zivildienstleistende beim Roten Kreuz ärztliche Hilfestellungen geben können, wenn doch mal etwas passiert?
Ja, natürlich! Wir haben nochmals eine zusätzliche Ausbildung in Erster Hilfe auf einem Lehrgang bekommen. Aber auch wir durften nur die Maßnahmen treffen, die in den Rahmen der Ersten Hilfe fallen. Das bedeutet: stabile Seitenlage, beatmen, die Leute bei Unfällen betreuen etc. Wenn es ans Spezielle ging, mussten wir natürlich den Notarzt rufen. Alles, was über die Erste Hilfe hinausgeht, erfordert dann schon wieder eine Ausbildung zum Rettungssanitäter. Aber in Erster Hilfe sind die Zivis des DRK fit!
Danke für das Gespräch!
Von Julia von der Heyden


