Hiwi- Billige Arbeitskraft oder Karriere-Chance in der Forschung?
Schon neben dem Studium in der Uni arbeiten macht sich in jedem Lebenslauf gut. Mehr als 100.000 Studenten jobben darum derzeit als Hilfswissenschaftler (kurz Hiwi). Doch häufig verdienen sie weniger als die Putzkolonne der Universität und die Arbeitsbedingungen sind mehr als mies.
Die Aufsätze des Professors korrigieren, ein Tutorium zur Vorlesung leiten und Bücher kopieren, das gehört zu den Aufgaben von studentischen Hilfskräften. Damit legen viele auch den Grundstein für eine wissenschaftliche Karriere oder eine gute Doktorarbeit. Soweit die Theorie, die Arbeitspraxis ist manchmal ganz anders. In Ostdeutschland verdient ein Hiwi nur 4,60 Euro in der Stunde. Einen einheitlichen Tarifvertrag für die studentischen Hilfskräfte gibt es nicht, nur Berlin hat eine Vereinbarung und zahlt ein Spitzengehalt von knapp 11 Euro die Stunde. Dieser Vertrag ist aber schon mehr als 20 Jahre alt und wäre heute wahrscheinlich gar nicht abgeschlossen worden.
Billige Arbeitskräfte entlasten die leeren Kassen
Hiwis werden immer mehr auch für die Entlastung von leeren Kassen genutzt. An den Hochschulen übernehmen sie deshalb zunehmend die Aufgaben der Festangestellten. Studenten sind günstiger als fest angestellte Wissenschaftler, brauchen keine Urlaubszahlungen oder gar Ausgleich bei Krankheit. Häufig werden nicht mal die Überstunden bezahlt. Doch viele Studenten nehmen die Arbeitsbedingungen hin. Immerhin winkt ja eine mögliche Promotion oder eine gute Anstellung in der Universität. Arbeitsrechtlich haben die Studenten kaum eine Lobby, oftmals sind sie sogar von Landespersonalvertretungsgesetzen ausgenommen. Aber es wächst der Widerstand. Jusos und die Gewerkschaften laufen Sturm und wollen die Arbeitsbedingungen drastisch verbessern.
Nicht immer nur Ausbeutung
Nicht immer ist der Job als Hilfswissenschaftler nur Ausbeutung. Jennifer (25) arbeite als Hilfswissenschaftlerin an einem Germanistischen Institut. Sie bekommt Urlaubsgeld, hat bei knapp 50 Stunden im Monat 400 Euro am Monatsende auf dem Konto. Inzwischen hat sie sogar eine Promotion angeboten bekommen und eine konkrete Aussicht auf eine Stelle als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut. Doch leider ist sie noch eine Ausnahme.
(Birk Grüling)


