Plasma spenden neben dem Studium
Als Student bin ich natürlich, wie die meisten anderen wohl auch, in notorischer Geldnot. Also wurde ich sofort hellhörig, als ein Kommilitone von „Geld ohne Arbeit“ sprach. Ein wenig auf einer Liege liegen und lesen, sagte er mir, und schon könnte ich mit mindestens 15 Euro in der Tasche nach Hause gehen. Und das sei sogar mehrmals in der Woche möglich. Das machte mich neugierig und ich fing an nachzufragen. Er gab mir gern und bereitwillig Auskunft über diese Möglichkeit, die Ebbe aus dem Geldbeutel zu vertreiben- nicht zuletzt wohl weil man eine dicke Werbeprämie für Neuspender kassieren kann, wie ich schnell heraus fand.
So viel zu den Fakten: Es gibt in fast jeder größeren Stadt Deutschlands so genannte „Service Center“, in denen Freiwillige Blutplasma spenden können. Hierfür wird ihnen zunächst Blut abgenommen, das dann nicht nur auf unzählige Krankheiten getestet wird, sondern bei dem auch bestimmte Werte gemessen werden. So soll einerseits sichergestellt werden, das keine Krankheiten übertragen werden, andererseits sollen auch nur gesunde Menschen spenden, die gut ernährt und fit sind, um das Risiko für den Spender selbst möglichst gering zu halten. Ist mit dem Blut alles in Ordnung, kann man zur ersten Plasmaspende gehen. Pro Spende kriegt man, zumindest in Göttingen, 15 Euro. Dazu laufen aber meist Bonusprogramme, sodass man beispielsweise bei jeder dritten Spende noch acht Euro zusätzlich erhält. Beim Spenden selbst wird man an ein Gerät angeschlossen, das eine Zentrifuge enthält, in der die flüssigen Bestandteile des Blutes von den festen getrennt werden können, so dass man seine Blutkörperchen in einer Kochsalzlösung direkt zurück bekommt. Auf diese Art wird lediglich das Plasma entnommen, was der Körper recht gut verkraften und innerhalb kurzer Zeit wieder auffüllen kann. Deshalb kann man erheblich öfter Plasma spenden, als man Blut spenden kann: die Regel lautet lediglich dass zwei Spenden pro Woche nicht überschritten werden dürfen und das zwei Tage Pause dazwischen eingelegt werden müssen.
Das hörte sich für mich wirklich gut an- es sei denn man hat zu große Angst vor dem „Pieks“. Ohne einen Stich mit der Nadel kann man natürlich weder Blut noch Plasma spenden. Die Frage war dann nur, wer und warum diese in meinen Augen recht akzeptable Summe für etwas zahlt, was mein Körper doch angeblich in so kurzer Zeit wieder produzieren kann. Die Antwort darauf wollte mir die Firma selbst geben: In großen Anzeigen in der Stadt wird mit dem Slogan „Nebenjob: Lebensretter“ geworben, im Service Center der Firma stehen Glasvitrinen, in denen „lebenswichtige Medikamente“ präsentiert werden, die nur aus meinem Plasma hergestellt werden könnten. Also ist die Pharmaziebranche einfach noch nicht so weit, alle Stoffe künstlich herzustellen und braucht Plasma für bestimmte Medikamente. Da der Bedarf enorm ist und die Medikamente teuer, muss natürlich für Nachschub gesorgt werden, weshalb man Geld für Plasma bietet.
Das fand ich einleuchtend und entschied mich, das auch zu versuchen. Also ging ich in das nächste Service Center, gab natürlich meinen Kommilitonen als denjenigen an, der mich geworben hat und erfuhr, das er die Werbeprämie von 50 Euro erst nach meiner zweiten Spende erhalten würde. Danach hatte ich dann aber doch ein mulmiges Gefühl im Bauch- jedoch nicht wegen der Nadel, sondern wegen der Einverständniserklärung die ich unterzeichnen sollte. Ich gab darin einer Firma die Rechte, für lange Zeit meine medizinischen Daten zu speichern und zu nutzen. Wie genau diese Nutzung aussehen sollte stand dort nicht, was mich noch stärker verunsicherte. Auch der herbeigerufene Leiter des Centers konnte mir das nicht genauer erklären, betonte jedoch das man die Klausel nicht streichen könne. Das hatte ich vorgeschlagen.
Letzten Endes überwog aber die Aussicht auf das doch recht leicht verdiente Geld und ich entschied mich, trotz der Skrupel zu unterschreiben. Mein Blut war in Ordnung, ich gesund und scheinbar wohlgenährt und eine Woche später trat ich zu meiner ersten Spende an. Es ist zwar beim ersten Mal ein merkwürdiges Gefühl, die Blutkörperchen wieder zurück zu bekommen, man gewöhnt sich jedoch schnell daran. Da alles von der selben Maschine ausgeht, muss man auch nur einen einzigen Stich mit der Nadel erdulden. Die Spende selbst dauert, je nach Person und Blutfluss zwischen einer halben und einer Stunde. Nach der ersten muss man dann noch eine halbe Stunde warten, damit der Arzt sieht, dass auch alles in Ordnung ist, bei jeder weiteren Spende kann man direkt gehen wenn man sich fit fühlt.
Abschließend halte ich Plasma spenden für eine Möglichkeit, hin und wieder ein wenig Geld zu verdienen, ohne größere Anstrengungen leisten zu müssen. Man muss sich jedoch im klaren sein, dass man dafür sehr persönliches vor einem Konzern offen legt und das dieser Gewinne machen muss. Die Frage ist deshalb, wie genau der Datenschutz genommen wird und was mit den Daten und dem Plasma geschieht. Sinnvoll ist aber, dass man dadurch regelmäßige kostenfreie Gesundheits- und Ernährungschecks bekommt und es so direkt erfährt, wenn etwas nicht stimmt. Des weiteren können bestimmte Medikamente sicher Leben retten oder verlängern, jedoch werden diese nicht verschenkt und daher würde ich mir keine zu hohe soziale Leistung deshalb zusprechen.


