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Telefoninterviewer bei Emnitel

„Fehlt dir Geld?“ – Mit diesem Slogan wirbt die Firma emnitel und will damit vor allem junge Studenten ansprechen. Denn tatsächlich fehlt genau dieser Zielgruppe im Anfangsstadium eines langen Studium das Geld. Ein Nebenjob muss her. Und wenn er auch noch Studienwissen mit der Praxis verbindet – um so besser.

Telefoninterviewer bei Emnid
Etwa 600 Interviewer arbeiten im Göttinger Telefonstudio, 100 Workstations stehen den Mitarbeitern dabei zur Verfügung.

Nicht jeder ist mit einer großen Portion „Taschengeld“ von den Eltern gesegnet, nicht alle können auf Unterstützung durch das BaföG rechnen. Was bleibt also anderes, als sich einen Studentenjob zu suchen und neben dem Studium noch zu arbeiten. Möglichkeiten gibt es dabei viele – Kellnern, Verkaufen, Promotion oder vielleicht einer der begehrten HiWi-Jobs am eigenen Lehrstuhl. Eine weitere Alternative bietet die Firma emnitel: Das Telefonstudio sucht mehrmals im Jahr Leute, die als Telefoninterviewer arbeiten möchten. Hauptteil der Arbeit sind Kundenbefragungen, aber auch die politische Meinung ist oft Thema der Umfragen.

Ca. 600 Interviewer arbeiten im Göttinger Telefonstudio, der größte Teil davon sind Studenten, aber auch Hausfrauen, Schüler oder Rentner sind Mitarbeiter bei Emnitel. Hauptgrund sind wohl die flexiblen Arbeitszeiten: Als Anfänger arbeitet man in der Woche von 17-21.15 bei freier Zeiteinteilung, Samstags kann man zwischen der Zeitspanne 9-14 Uhr oder 14-19 Uhr wählen. Fortgeschrittene Interviewer haben auch die Möglichkeit, in der Woche von 8-13 bzw. 13-17 Uhr zu arbeiten.

Die Bewerbung bei Emnitel

Aller Anfang ist bei jedem gleich: Nach der Bewerbung (per Telefon) folgt ein Infogespräch, in welchem alle Fragen zum Job und der Firma geklärt werden. Es folgen Schreib- und Lesetest, bei welchen die Orthographie und die Schnelligkeit mit der Computertastatur getestet werden. Hat man auch diese bestanden, kann der Kandidat an der Basisschulung teilnehmen. Diese läuft ähnlich ab wie ein kleines Assessment-Center: Zunächst gibt es die Theorie (vor allem die Qualitätsstandards) aus dem Schulungshandbuch, Nachmittags wird sie in der Praxis angewendet, in Form von realen Interviews. Zwischen drei und sieben Interviews führen die Kandidaten, von denen mehrere mitgehört werden, damit sich die Supervisoren gleich ein möglichst genaues Bild von der Eignung der Bewerber machen können und ob die Qualitätsstandards eingehalten werden.

Geachtet wird bei den Bewerbern vor allem darauf, ob sie frei sprechen können, nicht zu steif am Fragebogen „kleben“ und auch mal kleine Zwischenmoderationen in das Gespräch einfließen lassen. „Eloquent und freundlich“ sollen seine Interviewer sein, so Matthias Zirzow, der stellvertretende Administrator des Göttinger Telefonstudios. Dafür bieten er und seine Kollegen auch Hilfe an in Form von Motivationsschulungen.
Der Job sei gut, „um seine Angst vor fremden Menschen zu überwinden, eine bessere Allgemeinbildung zu erlangen und einfach eine Bereicherung für das eigene Leben“, meint Zirzow weiter. Außerdem sei er gerade für Studenten der Sozialwissenschaften und der BWL, welche die größte Gruppe der Interviewer stellen, eine Referenz im Lebenslauf.

Der Arbeitstag bei Emnitel

Der typische Arbeitstag beginnt mit der Anmeldung des Interviewers beim Supervisor, woraufhin er einen Auftragszettel mit einem Angebot bzw. einer Studie und eine kleine Einweisung dazu bekommt. Dann geht man zu einer freien „Workstation“, einem Computer mit Headset zum telefonieren, und startet das erste Interview. Je nach Studie werden die Telefonnummern gezielt oder zufällig ausgewählt. Hat man Jemanden erreicht, kann es losgehen: Der Interviewer stellt sich und die Studie kurz vor und kann im besten Fall gleich mit der Befragung loslegen. Die Antworten werden direkt über die Tastatur in den Computer eingegeben, daher sollte man hier nicht zu langsam sein. Die Anzahl der geführten Interviews richtet sich nach der Studie, mal schafft man mehr, mal weniger.

Zeitlich ist jeder flexibel, sowohl was die Stundenanzahl angeht, als auch die Tage, die man in der Woche arbeiten will. „Am Anfang sollte man schon 2-3 Mal die Woche arbeiten“, meint Zirzow, „einfach, um Routine zu bekommen. Später sind auch ,Auszeiten´ bis zu drei Monaten möglich, z.B. während der Zwischenprüfung.“

Die Entlohnung ist leistungsorientiert, pro erfolgreich geführtem Interview gibt es ein bestimmtes Honorar. Bei längeren und komplizierteren Fragebögen fällt dies höher aus als z.B. bei Kurzstudien.

Wer gut ist, kann nach einiger Zeit auch die so genannten "b-to-b-Studien" machen. Dafür braucht es einige Erfahrung, da Experten oder hohe Stellvertreter aus Wirtschaft und Politik befragt werden. Eine weitere Stufe auf der Karriereleiter ist der „Supervisor“, auch hierfür kann man sich nach einiger Zeit bewerben. Seine Aufgaben sind vor allem die Mitarbeitermotivation, Schulungen, Qualitätskontrollen (mind. 10% der Interviews werden mitgehört), Coaching und ein Feedback an die Mitarbeiter weiterzugeben. Abschrecken lassen sollte sich keiner, viele neue Mitarbeiter haben zu Anfang einige negative Erfahrungen, bis es schließlich „Klick“ macht und aufwärts geht. „Schlüssel zum Erfolg ist neben akkustischer Sympathie vor allem eine gute Stimme“, meint Matthias Zirzow, „den Rest kann man mit der Zeit lernen.“

Von Stefanie Will

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