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Mein Semesterferienjob am Hafen

In den Sommersemesterferien 2004 arbeitete der Göttinger Student Dennis Erkner bei der Firma Cancujo am Cuxhavener Hafen. Hier ist sein Erfahrungsbericht.

Diejenigen, die es sich nicht vorstellen können sich bei Wind und Wetter, zu jeglicher Uhrzeit, den Rücken krumm zu arbeiten, sollten jetzt nicht mehr weiterlesen, sondern ruhig schon einmal weiterklicken. Alle anderen, die auch mal die etwas andere Erfahrung im Arbeitsbereich kennen lernen möchten, sind hier genau richtig. Mir ereignete sich nämlich folgendes:

In den Sommersemesterferien 2004 stand ich wieder einmal ohne Praktikumsplatz und ohne coolen Sommerjob da. Zudem weilte ich aus fußballerischen Gründen in meiner Heimatstadt Cuxhaven, in der das Jobangebot nicht so groß ist. Als Student mittleren Alters (damals 21) lässt es sich den Eltern in der Heimat natürlich nicht so gut verklickern, dass man nun 3 Monate am Cuxhavener Strand verbringen werde, indem man sich tagsüber sonnen und nachts feiern wolle (schließlich mache man das ja angeblich schon während des Semesters...).

Nachdem also die 2 Wochen dringend benötigte Erholungszeit schnell vorbei waren, machte ich mich auf, mir einen Job zu suchen. Da u.a. die Suche bei der Bundesagentur für Arbeit erfolglos blieb, begann ich mich in meinem Bekanntenkreis umzuhören. Weil sich in meinem privaten Umfeld hauptsächlich Auszubildende befanden, kam ich auf die Idee meine Fußballkameraden um Hilfe zu bitten. Und die bekam ich. Mein Freund und Mannschaftskollege Fernando Miranda, seines Zeichens u. a. für das Personal und die Organisation etc. bei der Schiffslogistikfirma Cancujo zuständig, suchte noch dringend Personal. Es ginge darum, BMW- Neuwagen auf Schiffe zu fahren, so seine Worte. Hmm, das hörte sich natürlich gut an: ein paar BMW- Schlitten durch die Gegend fahren und dafür auch noch abkassieren. Da konnte ich natürlich nicht nein sagen, hatte ich doch immer im Hinterkopf, auch meine Eltern so finanziell ein wenig entlasten zu können. Das kommunikative Problem, der einzige deutsche Mitarbeiter unter Portugiesen in diesem Unternehmen zu sein, erledigte sich ziemlich schnell, da ein anderer Mannschaftskamerad und Freund, der zu dieser Zeit arbeitslos war, ebenfalls sofort einsteigen wollte und auch durfte. Völlig Feuer und Flamme fragte ich, wann ich denn nun anfangen dürfe. „Wenn Du möchtest sofort, komm einfach morgen Nachmittag um 15.00 Uhr zu „CuxPort““, so Fernando, „du bekommst dann eine kleine Einweisung und wir testen dein fahrerisches Können.“

Einen Tag später also fuhr ich mit BMW- Neuwagen Slalom, machte Bremstests u. ä. . Alles für einen geübten und erfahrenen ehemaligen Pizzafahrer wie mich natürlich kein Problem. Das Problem kam später: mein erster Arbeitstag sollte nämlich einen Tag später um 02.00 Uhr morgens beginnen! Eine unchristliche Zeit für einen Studenten, dachte ich, aber wie wir im Norden sagen, „wat mut, dat mut!“ Also lernte ich um zwei Uhr am nächsten Morgen meine neuen Kollegen kennen: eine ca. 15 –20 köpfige Gruppe Portugiesen, für die es das Normalste auf der Welt war, um 02.00 morgens Autos umher zu fahren. Aber schließlich mussten wir uns zeitlich nach den Schiff richten, dass die Autos nach Großbritannien brachte. Im wesentlichen bestand meine Tätigkeit von nun an darin, mich in ein Auto zu setzen, es auf ein riesiges Schiff zu fahren, es unter den Anleitungen eines Einweisers einzuparken, mich von einem Shuttlebus wieder zum Parkplatz fahren zu lassen, mich in ein neues Auto zu setzen, es wieder aufs Schiff zu fahren usw. .

Zu beachten war hierbei das Tempolimit (nicht erwischen lassen), keinen Unfall zu bauen (auf Autoschiffen ist es eng) und sich auf den Rückfahrten nicht von den Nackenschlägen der Kollegen treffen zu lassen. Nicht von den Nackenschlägen der Kollegen treffen zu lassen?? Ja, richtig gehört, was sich zunächst nach Mobbing am Arbeitsplatz anhört, wurde mir zur liebsten Nebenbeschäftigung, da es sich hierbei nur um eine Art Spiel der Arbeiter handelte, dessen Erklärung den Rahmen dieses Erfahrungsberichts sprengen würde, aber sehr lustig war.

Dadurch und durch viele andere Dinge während meiner Tätigkeit bei der Firma Cancujo (die sich nicht nur auf das Autofahren begrenzte), lernte ich, dass es manchmal gar nicht unbedingt auf die Arbeit ankommt, die man zu verrichten hat, sondern auf die Atmosphäre bzw. das Drumherum. So musste ich beispielsweise auch bis zu 12 Stunden am Tag bei minus 25 Grad auf dem Kühldeck eines Schiffes Fischpaletten per Hand stapeln, was in meinem jungen Leben so ziemlich die härteste Arbeit war, die ich bislang ausführen musste. Dass ich in all dem trotzdem noch einen Anreiz gefunden habe, lässt sich mit Sicherheit für den Leser schwer nach vollziehen.

Aber ich versuche es einmal wie folgt zu erklären: Durch diese anstrengenden Arbeiten lernte ich Worte wie Zusammenhalt oder Team besser zu verstehen. Ich lernte, dass man sich nicht so viel beklagen sollte, da ich Familienvätern begegnete, die teilweise im Schnitt 10 - 14 Stunden am Tag arbeiten, ohne sich zu beklagen und trotzdem immer gute Laune hatten.

Ich kann also zusammenfassend sagen, dass man sich für keine Arbeit zu schade sein sollte, weil man immer etwas für sich mitnehmen kann. Mir beispielsweise half diese Erfahrung viele Dinge mehr schätzen zu können und sowohl Respekt gegenüber anderen zu haben, als auch mir Respekt zu verschaffen. Denn genauso skeptisch ich den Mitarbeitern dieser Firma gegenüberstand, so skeptisch standen sie auch einem Studenten gegenüber, der mal eben für 2 Monate die harte Welt des Arbeitens kennen lernen wollte.

Mittlerweile habe ich die darauf folgenden Semesterferien auch in diesem Unternehmen gearbeitet, habe dort Freunde gefunden und möchte diese Erfahrung nicht missen. Daher kann ich diese Art von Nebenjob nur weiterempfehlen.

Dennis Erkner

T5 Jobmessen